Ford-Werk Genk vom Aus bedroht

Foto: Ford

Die Beschäftigten im belgischen Fordwerk Genk sind am Freitagmorgen (10.10.) erneut in einen 24-Stunden-Streik getreten. Sie reagierten damit auf Zeitungsberichte, wonach der belgische Staatsschutz bereits im Juni von Plänen zur vollständigen Schließung der Fabrik mit ihren 9.000 Beschäftigten erfahren habe.

Der Staatsschutz hat nach Angaben der Zeitung "Het Belang van Limburg" politische Motive für die Schließung einiger Fabriken in Europa ausgemacht. Für die Sanierung des angeschlagenen Konzerns sollten demnach bevorzugt Standorte geschlossen werden in "Ländern, die wenig kooperativ sind mit der militärischen und politischen Sicht der Vereinigten Staaten". Die Schließungen sollten demnach nicht Spanien treffen, wohl aber Deutschland und Belgien. Drei verschiedene Quellen hätten diese Darstellung bestätigt, berichtete die Zeitung.

Parlamentsausschuss untersucht

Der zuständige Parlamentsausschuss hatte am Donnerstag (9.10.) hinter verschlossenen Türen über den Jahresbericht 2002 des belgischen Staatsschutzes beraten. Der Ausschuss wolle untersuchen, ob der Nachrichtendienst die Informationen zu Ford in Genk an die Politik weitergegeben habe. Staatsschutzchef Koen Dassen habe den Vorgang deshalb nicht kommentieren wollen, berichtete die Zeitung.

"Der Zeitungsbericht sprach sich schnell herum, worauf die Produktion ins Stocken geriet", sagte Gewerkschaftsvertreter Gerard Ignoul zur Reaktion der Belegschaft am Freitagmorgen. "An den Toren kam es zu erregten Szenen." Eine Betriebsversammlung wurde am Morgen abgesagt, Beschäftigte zogen in einem Demonstrationszug durch die Stadt. Nach früheren Berichten will Ford im ostbelgischen Genk ein Drittel der Belegschaft abbauen.

Nach Angaben der Zeitung"Het Laatste Nieuws" vom Freitag gab die Direktion von Ford Europa dem flämischen Ministerpräsidenten Bart Somers keine Garantie, dass der neue Mondeo in Genk gebaut werden soll. Die endgültige Entscheidung dazu falle Mitte Dezember auf höchstem Niveau in den USA. "Aber es ist zu keinem Zeitpunkt über ein Schließungsszenario gesprochen worden", sagte Somers der Zeitung nach dem Treffen mit der europäischen Konzernspitze.

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