Forster zum Zweiten

Keine Arbeitsplatzgaranie

Die hitzige Debatte um Standorte und Lohnkürzungen in der Autoindustrie bringt der Europa-Vizechef von General Motors Carl-Peter Forster auf einen Nenner: "Die ganze Situation hat sich geändert. Wir ändern uns."

Vorbei seien die Zeiten, in denen mit Autos gutes Geld zu verdienen war. Der schwache Absatz in Deutschland und der harte Preiskampf machten der GM-Tochter Opel und anderen Herstellern zu schaffen. Da müsse man sich von lieb gewonnenen Traditionen und alten Denkmustern trennen.

"Wir können nicht Arbeitsplätze an einem Standort garantieren", sagt der ehemalige Opel-Vorstandschef, der vor einigen Wochen in die GM-Zentrale nach Zürich wechselte. "Wir müssen uns einfach davon verabschieden, dass man sein Leben versichert bekommt." GM investiere dann in ein Werk, wenn der Konzern von dessen Konkurrenzfähigkeit überzeugt sei. Beschwichtigend fügt der Opel-Aufsichtsratsvorsitzende gleich hinzu: "Wir wollen in Zukunft nicht alles in Polen bauen."

Polen: Ein rotes Tuch

Das Wort "Polen" ist für die Opel-Beschäftigten ein rotes Tuch. GM hat beschlossen, den neuen Van Zafira von 2005 an teilweise im polnischen Gliwice (Gleiwitz) zu produzieren - und nicht im Rüsselsheimer Opel-Werk, das sich ebenfalls beworben hatte. Die Beschäftigten liefen Sturm. "Die Entscheidung richtet sich gegen den Standort Deutschland und die Beschäftigten von Opel", wetterte der Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz. Die Rüsselsheimer hatten gehofft, das nur zu 70 Prozent ausgelastete Werk zu füllen und die 6.000 Jobs in der Produktion zu sichern.

GM Europe: Ein Werk zuviel

Autoanalysten gehen aber noch weiter und fordern radikalere Schritte. "GM ist in Europa mit einem Werk zu viel unterwegs", sagt der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer. Rüsselsheim und das Werk der Tochter Saab im schwedischen Trollhätten seien zu wenig ausgelastet und unprofitabel. Eine Arbeitsstunde koste in Deutschland 33 Euro, in Polen dagegen weniger als sieben Euro. Dudenhöffer verlangt für deutsche Werke eine Verlängerung der Arbeitszeiten auf 40 Stunden, um im Vergleich zu Osteuropa konkurrenzfähig zu bleiben.

Der ehemalige Opel-Chef Forster hält Flexibilität für notwendig. "Bestimmte Bereiche müssen auch mal länger arbeiten. Das betrifft aber nicht automatisch das ganze Werk", sagt der 50-jährige Manager mit Blick auf das Werk Bochum. Die Zukunft der deutschen Standorte sieht Forster bei einer Senkung der Kosten pro Auto gesichert. Bisher sei die Produktion eines Wagens im schlechtesten GM-Werk in Europa mehr als doppelt so teuer wie im besten Werk - das müsse sich ändern. Rüsselsheim habe eine "Riesenchance", weil dort die Grundlage für die nächste Mittelklasse im GM-Konzern weltweit entwickelt werde.

Auch wenn Forster "Frisches Denken" verlangt, will er nicht provozieren. "Sonst hätten wir Ende Juni in den Verhandlungen um die Standortsicherung die Betriebsvereinbarung gekündigt." Sie enthält unter anderem ein übertarifliches Entgeltsystem. Beide Seiten haben sich in den seit Monaten dauernden zähen Verhandlungen Zeit bis Oktober gegeben.

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