GAC GS4 auf der Detroit Motor Show

Der unbekannte SUV aus China

GAC GS4 Foto: Thom Cannell 11 Bilder

Expansionsabsichten chinesischer Autobauer nach Europa scheiterten bislang kläglich. Mit dem Kompakt-SUV GS4 von GAC könnte es gelingen. Der Hersteller produziert seit Jahren für etablierte Marken.

Auf der Detroit Motor Show 2015 stehen abseits der großen Hersteller gleich neben dem Eingang zur Cobo Hall drei Autos mit einem Label, das nicht zu kennen selbst für Autofans keine Schande ist, obwohl die Firma 2014 1,2 Millionen Fahrzeuge produziert hat. Die Firma heißt Ghuangzhou Automobile Group Co. Ltd. (GAC), ihre Weltpremiere für die Messe nennt sich GS4.

Noch kann man die Autos weder in den USA noch in Europa kaufen. Aber der chinesische Hersteller hat Joint Ventures mit großen Partnern wie Honda, Toyota und der Fiat-Chrysler-Gruppe (FAC) und daher durchaus Routine beim Autobauen.

Seit 2010 baut man auch Fahrzeuge unter eigenem Label. Dem etwas ungelenken Firmenvideo zufolge beschäftig GAC weltweit 60.000 Mitarbeiter, 4.000 davon in einer eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilung.

Ein Auto mit Aquarium

Die hat für die Detroit Motor Show auch ein Concept Car auf die Räder gestellt, das zumindest schon mal mit dem ungewöhnlichsten Extra auf der ganzen Messe aufwartet: zwischen den Rücksitzen ist ein Aquarium verbaut. Laut eines Mitarbeiters am Stand soll es illustrieren, dass der Witstar, so der Name des Flügeltürers mit drehbaren Sitzen, geradezu über die Straßen schwebt.

Die Fische allerdings sind zwar bunt, aber nicht echt. "Na klar sind die aus Plastik. Echte würden sicher nicht überleben, wenn die Messebesucher sie füttern würden", erklärt ein GAC-Mitarbeiter lachend. Und was soll der runde Teller auf dem Dach? "Radar", erklärt der freundliche Mann aus dem Reich der Mitte. "Zum autonom Fahren, was?", versuche ich auch witzig zu sein. "Yes, yes!" sagt der Mitarbeiter sichtlich froh, dass ich das englische Wort für "autonom" kenne. "Vorne am Dach sind zwei Kameras und an der Stoßstange noch eine". Ja klar, und ich bin der Kaiser von ... Aber nebenan klärt ein anderer GAC-Mitarbeiter gerade über die Probleme bei der Digitalisierung des chinesischen Straßennetzes auf.

GAC GS4 steht irgendwo zwischen Kia Soul und Yeti

Vielleicht ist ja der technologische Fortschritt in China doch realistischer als ein Aquarium im Auto. Der neueste Serien-GAC nebenan namens GS4 jedenfalls macht einen vertrauenserweckenden Eindruck, wenn er auch neben dem Witstar recht brav wirkt. Dafür fällt der GS4 designerisch nicht aus dem Rahmen. Gut, Mattgoldmetallic ist nicht jedermanns Sache, aber die Frage, ob man in den Wagen einsteigen dürfe, wird bereitwillig bejaht.

Die Türgriffe fühlen sich verdächtig leicht an und der Geruch im Interieur erinnert auffällig an scharfen Kleber. Doch Innenraumgestaltung und Verarbeitung wirken routiniert und der kräftige Wählhebel soll ein zeitgemäßes Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen bedienen, versichern die beiden GAC-Mitarbeiter, die jetzt beide in der Öffnung der Fahrertür stehen und aufmerksam die Innenrauminspektion verfolgen. Die Frage "Und, wie findst' es?" scheint bei Autoleuten international. Zumindest steht sie beiden ins Gesicht geschrieben. Fragen beantworten tun beide: Herr Zhang Kai übersetzt. "My English not good", sagt sein Chef entschuldigend.

GAC GS4 mit Turbomotoren und 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe

Funktionen im Cockpit oder elektrische Verstellung der Ledersitze lassen sich freilich nicht testen - kein Strom. Und ob unter der Haube die versprochenen Turbobenziner mit Direkteinspritzung und 1,3 bzw. 1,5-Liter Hubraum sitzen, ist auch nicht überprüfbar.

Leistungsangaben fehlen auf dem Datenblatt, aber als Abgasnorm nennt es die EU5. Die Aggregate sollen wahlweise die Vorderräder oder alle vier antreiben. An der Hinterachse verspricht GAC eine Mehrlenkerkonstruktion, für vorne eine elektrische Servolenkung.

Mit dem GS4 Modell will GAC den Schritt in den Export wagen. Wenn alles gut geht, soll der noch 2015 nach Russland beginnen, Europa und die USA sollen folgen. Mit welchen Erfolgsaussichten ist vom Messestand aus schwer einzuschätzen. Zumal alle Preisprognosen reine Spekulation sind. Aber Überraschungspotenzial hat die Marke auf jeden Fall. Es muss ja zum Marktstart nicht gleich ein autonom fahrendes Aquarium sein.

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