Gebrauchte Tuning-Autos

Was Sie bei gebrauchten Tuning-Autos beachten müssen

Foto: Hardy Mutschler 9 Bilder

Vergessen wir kurz die Vernunft. Für rund 25.000 Euro gibt es einen neuen Golf GTI mit 200 PS - oder ein Tuning-Auto aus Vorbesitz. Der Markt hält berückende Okkasionen bereit.

Sicher ist so ein Golf GTI eine prima Entscheidung. Ein netter Neuwagen mit Garantie und ESP. Immerhin 200 PS stark, gelenkig im Handling, solides Finish. Null Risiko. Der Banker winkt die Finanzierung schon durch, bevor der Kaffee auf dem Tisch steht. Kein Schwiegervater, der sein schütteres Haupt schüttelt, keine Kollegen, die einen für verrückt halten. Und, leider: Kein Wiedererkennungswert, wenn er auf dem Parkplatz steht. Es gibt sie, diese Tage, an denen man sich zu jung für so viel Unaufgeregtheit fühlt.

Die Autos, die einen dann trösten können, sind nicht neu
Aber sie sind auch nicht wesentlich teurer als ein neuer Golf GTI, obwohl sie deutlich mehr leisten, viel anregender klingen und einem wirklich alleine gehören - weil sie sich nur in homöopathischen Dosen verbreitet haben. Willkommen im Reich der Schnäppchen.

Es ist ein VW Beetle mit Geschichte

320 PS stark. Als "schnellster Beetle der Welt" hat ihn Tuner Digi-Tec vor sieben, acht Jahren auf Messen herumgereicht und der Fachpresse zum Probefliegen angeboten. Viele Kilometer kamen nicht zusammen. Dennoch ist er jetzt beinahe ein Youngtimer und soll für 27.900 Euro einen neuen Besitzer finden.

Das Kuschelauto mit den Kulleraugen klingt im Leerlauf ungefähr so gelöst wie ein Grizzly auf Speed. Und so bewegt er sich auch - besonders dann, wenn bei etwa 3.000 Kurbelwellenumdrehungen das Böse in ihm erwacht. Gut 400 Newtonmeter Drehmoment drücken den Brachial-Beetle vorwärts, erst bei 7.000 Touren greift der Begrenzer ein. In 5,8 Sekunden kann das Schaustück auf 100 sein, damit nimmt er dem aktuellen GTI immer noch anderthalb Sekunden ab. Und er rennt 250. Und er klingt dabei wirklich wie ein Tier.

Ein Maserati als Scheidungsopfer

Aber es muss zum GTI-Preis ja nicht unbedingt ein VW sein. Es gibt auch einen Maserati. Und der sieht keinen Deut weniger jugendlich aus als der Digi-Tec-Beetle. "Er ist ein Scheidungsopfer", sagt Florian Ebersoldt, Geschäftsführer der Firma Modena Performance im pfälzischen Neustadt und überreicht den Schlüssel des durchdringend gelben Coupés, das auf seinem Hof steht. Der Preis: 28.900 Euro.

Das ist etwa ein Drittel dessen, was er vor sieben Jahren und nur 27.381 Kilometern gekostet hat, mit Vollausstattung und dem kompletten Fitnessprogramm des Neustadter Maserati-Experten: allem voran die Motoroptimierung mit geänderter Elektronik, modifizierten Steuerzeiten, Edelstahl-Schalldämpfer und 355 statt serienmäßigen 280 PS Leistung.

Dazu eine Vierkolben-Brembo-Bremsanlage, fette 17-Zöller und herzhaft zubeißende Sportsitze statt der originalen Komfortsessel. Er ist eines dieser Autos, von denen man in zehn Jahren mit der Einleitung "Hätte ich damals doch ..." erzählen wird. Womit der künftige Besitzer rechnen darf: Fünf Sekunden von null auf 100 km/h, Schub bis etwa 290, dazu ein ballerndes Soundinferno, das noch lange nach der Probefahrt in der Erinnerung nachhallt.

Die schlechte Nachricht dabei: Das Kaiserslauterer Autohaus Beilfuß hat den Chefwagen bereits für 25.990 Euro verkauft. Und die gute Nachricht: Für dieses Geld lässt sich ein drei Jahre alter, aber neuwertiger Leon V6 mit Vollausstattung, HGP-Turboanlage, einem maximalen Drehmoment von rund 500 Newtonmeter, 292 km/h gemessener Höchstgeschwindigkeit, Gewindefahrwerk und flammneuer Brembo-Bremsanlage schießen.

Dabei bewegt sich der Seat erstaunlich kultiviert, würde vermutlich auch vor dem Waldorf-Kindergarten nicht weiter auffallen, brüllt seine Insassen nicht an und bewegt sich mit erstaunlicher Konzilianz über Bodenwellen. Understatement kann ein Wert an sich sein.

Raucherauto mit Dampf

Und einen Saab 9-5 2.3 Aero Kombi mit 305 PS hat auf den linken Spuren dieses Landes keiner auf der Rechnung. Nicht einmal die typischen Käufer gebrauchter Saab. Deshalb parkt er auch - dreieinhalb Jahre alt, 56.000 Kilometer, Neupreis 62.000 Euro - für 27.350 Euro auf dem Hof des Frankfurter Saab-Zentrums.

Neben einer Chiptuning-Behandlung des Saab-Hausveredlers Hirsch hebt er sich mit einem Sportfahrwerk, 18-Zöllern und einer Hirsch-Auspuffanlage von den Basistypen ab. Nur die Gebrauchtwagengarantie ist gleich und umfangreich.

Flotter Schweden-Kombi

Drei Dinge sind es, die der Saab über seine Vorgeschichte verrät: Sein bisher einziger Besitzer war ein Frankfurter Rechtsanwalt, der die Inspektionstermine penibel eingehalten hat und den Qualm mehr im Auto als draußen liebte. Sehr viel geraucht muss er in seinem Sportkombi haben, das zeigt der Geruch.

Wüst geheizt ist er dagegen wohl nicht, das lässt die Probefahrt spüren: Zum Gegenwert eines Golf gibt es das jugendliche Fahrverhalten eines Jahreswagens und Fassungslosigkeit auf Autobahn. Der schwedische Gutmenschen-Kombi geht nämlich wirklich gut, in 6,6 Sekunden auf 100 und 250 km/h Spitze.

Fast ebenso schnell hätte der Hausbanker wohl die Finanzierung abgesegnet. Für so vernünftig hätte er seinen autoverrückten Kunden nicht gehalten.

Die neue Ausgabe als PDF
SUV 01/2019, Shibata R31 Roadhouse Suzuki Jimny Suzuki Jimny Tuning Monster Truck, G-Klasse-Kopie oder Land-Rover-Klon Kia Telluride Detroit Motor Show 2019 Kia Telluride SUV (2019) Neuer großer Korea-SUV mit acht Sitzen
Promobil
Ein Tag auf dem Stellplatz So geht Stellplatz Hinter den Kulissen in Bad Dürrheim Truma adv. Gasregler/-filter Truma Neuheiten Neue Gasregler und Gasfilter
CARAVANING
Hero Camper Ranger Seite Hero-Camper von Kronings Zwei neue Modelle aus Dänemark Camping Tiroler Zugspitze Campingplatz-Tipp Zugspitze Camping an der Zugspitze
Anzeige
Alle Autos von A-Z
BMW oder doch VW?
Gebrauchtwagen Angebote