GM-Hauptversammlung

Wagoner mit Sanierungsplan?

Foto: GM

Für General-Motors-Chef Rick Wagoner wird die Hauptversammlung am Dienstag (7.6.) kein Zuckerschlecken werden. Beobachter hoffen darauf, dass der GM-Boss den Aktionären zum Treffen in Wilmington seinen Sanierungsplan für den angeschlagenen Autokonzern oder zumindest Teile davon präsentieren wird.

Dabei steht Wagoner unter enormen Erfolgsdruck. Vor allem mit dem neuen Großaktionär Kirk Kerkorian, der schon Daimler-Chrysler in einen jahrelangen Prozess verstrickte, wird der GM-Boss keinen leicht zufrieden zu stellenden Zuhörer haben. Gelingt es Wagoner nicht, das Ruder beim größten Autobauer der Welt in Kürze herumzureißen, könnten seine Tage als Spitzenmanager bei GM gezählt sein.

Analysten halten es jedoch keineswegs für unmöglich, dass Wagoner die Krise lösen kann. "Wenn die Amerikaner einmal entschlossen sind, dann sind sie für große Dynamik bekannt", sagt Albrecht Denninghoff von der HypoVereinsbank. "Die Frage ist nur, gehen sie in die richtige Richtung und gibt es eine kreative Lösung."

Das Gespenst Insolvenz

General Motors, gegründet 1908 und ab den dreißiger Jahren durch den Zusammenkauf verschiedenster Marken zum weltweit führenden Autobauer ausgebaut, steckt zur Zeit in der wohl größten Krise seiner Geschichte. Stetig sinkende Absatzzahlen und das verlustreiche Europa-Geschäft unter anderem mit Opel, ein Berg von Schulden, immer höhere Rabatte sowie steigende Pensionslasten und Kosten für die Gesundheitsvorsorge haben sich zu einer kolossalen Bürde vermischt, die den Konzern immer mehr in die Knie zwingt. So rutschte General Motors im ersten Quartal erstmals seit Jahren wieder in die roten Zahlen - unter dem Strich stand ein Verlust von 1,1 Milliarden Dollar.

Daher geht bereits seit geraumer Zeit das Gespenst von der drohenden Insolvenz in Detroit um - ein Gerücht, das Konzernchef Wagoner vehement zu bekämpfen versucht. Brenzlig wurde die Situation vor allem, als zuletzt hintereinander die Ratingagenturen Moody's und Fitch die Einstufung der Kreditwürdigkeit des Konzerns herabsetzten und Standard & Poor's diese auf den verpönten "Junk Status" reduzierte, also auf den Status von "Ramschanleihen". Damit erhöht sich die bestehende Zinslast für GM deutlich; zudem wird es nun für den Konzern erheblich schwerer, neue Kredite aufzunehmen.

300 Milliarden Schulden

General Motors sitzt derzeit auf fast 300 Milliarden Dollar Schulden. Für Gesundheitsvorsorge und Pensionslasten muss der Konzern in diesem Jahr voraussichtlich etwa 5,6 Milliarden Dollar schultern. Hinzu kommen die anhaltenden Absatzprobleme. Allein in den ersten fünf Monaten gingen die Verkäufe in den USA erneut um 6,3 Prozent zurück. Viele der zum Teil veralteten GM-Modelle kommen bei den Kunden einfach nicht mehr an.

Um die Verkäufe anzukurbeln, setzte der Konzern in den vergangenen Jahren auf immer höhere Rabatte - ein kostspieliges Unterfangen jedoch, das die Gewinne zuletzt immer weiter schrumpfen ließ. In der vergangenen Woche läutete GM gar eine neue Rabattrunde ein. Anstatt immer neue Nachlässe zu geben, sollte GM jedoch Wege finden, die Kunden in den USA umzuerziehen, findet HVB-Analyst Denninghoff. "Der Kunde in den USA nimmt das graue Auto, obwohl er ein schwarzes will, wenn man ihm dafür Rabatte gibt. Hiervon muss GM weg", sagt er.

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