GM-Nissan-Renault

Grünes Licht für Ghosn

Foto: Nissan

Die Gewerkschaften sind erschrocken, die Börse ist ratlos und die Regierung mahnt zur Vorsicht: Selten hat eine geplante Allianz von Weltkonzernen rundum so wenig Begeisterung ausgelöst wie der Vorschlag, die erfolgreichen Konzernschwestern Renault und Nissan mit dem maroden Weltmarktprimus General Motors (GM) zu verbrüdern.

Der Gigant aus Detroit, einst ein Sinnbild des amerikanischen Traums, macht Angst. Nicht wegen seiner Macht, sondern wegen seiner vielen Schwächen: Hohe Produktionskosten, Milliarden-Soziallasten und unattraktive Modelle könnten GM für einen leichtsinnigen Partner schnell zum Milliardengrab machen.

Selbst der auf "Wirtschaftspatriotismus" getrimmte französische Staat schreckt vor einem prestigeträchtigen Engagement Renaults in den USA zurück. Industrieminister François Loos mahnt, das Projekt mit "sehr großer Vorsicht" anzugehen. Der Staat ist mit 15,33 Prozent vor Nissan mit 15 Prozent noch immer größter Renault-Aktionär und will auf seine Dividenden nicht verzichten. Doch der Renault- und Nissan-Chef Carlos Ghosn findet die Perspektive, dereinst bei GM den dritten Chefhut aufzusetzen, sichtlich verlockend. Der Konzernsanierer, der schon vor zwei Jahren von GM umworben worden war, ließ sich von den Führungen Renaults wie Nissans die Vollmacht zu Vorverhandlungen geben.

Toyota hatte verweigert

"Carlos Ghosn ist aber nicht verrückt", sagte ein Pariser Analyst. General Motors sei "weder beim Design noch beim Marketing, weder bei der Qualität noch bei der Technik eine Referenz". Renault und Nissan müssten nur 2,6 Milliarden Euro hinlegen, um wie erwogen mit 20 Prozent bei GM einzusteigen. Das könnte Renault schon ohne Nissan aus seinem Jahresgewinn 2005 bezahlen. Doch auch der Weltmarkt-Zweite Toyota hatte 2005 einen Einstieg bei GM geprüft - und verworfen.

Die Kostenkiller-Allianz könnte nämlich langfristig teuer kommen. GM hat 32,2 Milliarden Dollar Schulden, um 40 Milliarden Dollar unterbewertete Krankengeld-Ansprüche und kaum Chancen, den Verfall der Marktanteile kurzfristig zu stoppen. GM-Anleihen werden als Anleihenmüll gehandelt: mit der Erwartung, dass 50 Prozent verloren sind. Der Dreibund wäre "ein Zusammenprall der Titanen mit schwer zu erkennenden Vorteilen", urteilen die Experten der Bank UBS.

Und doch: Bei der Bündnisidee kribbelt es den Franzosen in den Fingern. Der mögliche Verlust des eingesetzten Kapitals wäre zu verschmerzen, wenn es nur gelänge, die GM-Risiken - vor allem die Sozialbudgets - fern zu halten. Dann hätte GM einiges zu bieten.

GM einfach zu verlockend

So fehlen auf der Renault-Landkarte ausgerechnet die Riesenmärkte China und USA, wo die Amerikaner groß im Geschäft sind. In Europa könne eine Annäherung der Marken Renault und Opel "viel versprechende Synergien bringen", meinen die Analysten von Natexis. "Die Autobauer müssen immer mehr Nischenfahrzeuge anbieten. Sie müssen bei der Entwicklung Kosten sparen, am besten über Allianzen." Gemeinsam wären die drei Konzerne zudem eine Einkaufsmacht, die fast jedem Zulieferer die Bedingungen diktieren kann.

Doch anders als bei Nissan 1999 könne sich Ghosn mit GM verzetteln, warnen die Experten der CitiGroup. Bei Nissan tun sich Baustellen auf, seit der Konzern in den USA und Japan verliert. Und für Renault hat der "Vertrag 2009" Priorität, mit dem Ghosn den Konzern bis 2009 zum rentabelsten Autobauer Europas machen will. 26 neue Modelle sollen die Fertigung um 800.000 auf 3,33 Millionen steigern. Wie will Ghosn da noch Zeit für GM finden? Dazu muss Ghosn mit Widerstand der Gewerkschaften rechnen, die bei einer Allianz mit GM den Abbau von Stellen und eine "Perspektive sozialer Katastrophen" befürchten. Dennoch will Ghosn das Bündnis prüfen, wenn GM ihn am Freitag dazu einlädt. Die Idee ist einfach zu verlockend.

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