Elektro-Supersportwagen mit Methanol-Brennstoffzelle

RG Nathalie von Gumpert Aiways

RG Nathalie 26 Bilder

Elektroautos haben eine begrenzte Reichweite. Die Lösung für Roland Gumpert: Ein Plug-in-Hybrid mit Methanol-Brennstoffzelle. Das Ergebnis: Ein Supersportwagen mit bis zu 600 PS und 1.200 Kilometern Reichweite.

Das Gewicht des Gumpert RG Nathalie soll unter dank Gitterrohrrahmen und Karosse aus CFK unter 1.600 Kilo bleiben, obwohl allein die 70-kWh-Batterie 450 Kilogramm schwer sein soll. Roland Gumpert glaubt trotzdem, dass der Zweisitzer eine Beschleunigung aus dem Stand auf 100 km/h in weniger als 2,5 Sekunden schafft - und eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h. Selbst wer so extreme Fahrleistungen fordert, soll immer noch etwa 850 Kilometer Reichweite haben. Das Concept Car ähnelt in den Dimensionen einem Audi TT: Es ist 4,31 Meter lang, von Spiegel zu Spiegel 2,10 Meter breit und 1,31 Meter hoch. Den Radstand gibt Gumpert mit 2,52 Meter an. Für eine ordentliche Radführung sollen eine McPherson-Vorderachse und doppelte Querlenker hinten sorgen.

Foto: Jeibmann & torpedo motor
Ein bisschen Audi TT, ein Schuss Nissan GT-R und eine Prise Dodge für die Rückleuchten.

Die Gestaltung von Karosse und Interieur stimmte ein gewisser Lorenz Löw als Mitarbeiter des Designbüros Ideenion mit Gumpert und den chinesischen Partnern ab. Was dabei herauskam erinnert ein wenig an den Audi TT, zeigt am Heck einen Schuss Nissan GT-R und bei den Rückleuchten ein bisschen Dodge. Aber Ergonomie und Übersicht auf dem Fahrersitz sind prima. Über dem auch innen am Dach sichtbaren Gitterrohrahmen spannt sich nur die dünner Karosseriehaut, was der Kopffreiheit gut tut. Die Instrumente sind digital, über und in der Mittelkonsole warten weiter Displays auf Bedienungsbefehle per Berührung. In der Studie ist der Innenraum weitgehend mit Filz ausgeschlagen, was einen gleichermaßen modernen wie hochwertigen Eindruck macht.

So funktioniert der Brennstoffzellenantrieb mit Methanol

RG Nathalie Gumpert Aiways Prototyp Gumpert Explosion Foto: Gerd Stegmaier
Mit 45 Prozent verfügt der Motor über einen recht hohen Wirkungsgrad. Bei einem herkömmlichen Verbrenner sind es 25 Prozent.

Aber das ist eher nebensächlich. Die Frage ist: Woher kommt die Energie für die enormen Fahrleistungen und die Riesen-Reichweite? Der RG Nathalie hat eine 70 kWh-Batterie im Fahrzeugboden, die sich per Buchse am Stromnetz laden lässt. Aber die Kapazität liegt gerade mal 10 kWh über der eines Opel Ampera, würde daher im Sportwagen weniger als 300 Kilometer Reichweite und bräuchte doch Stunden Aufladezeit. Damit der Spaß kein Loch hat, wenn die Batterie leer ist, wird sie während der Fahrt oder auch im Stand vom Strom geladen, den eine Brennstoffzelle erzeugt indem sie Wasserstoff mit Sauerstoff zu Wasser reagieren lässt. Der Wasserstoff kommt bei Gumperts Gefährt aus einem 60:40-Methanol-Wasser-Gemisch (Methanol: CH3OH) in einem 90-Liter-Tank. Ein Reformer setzt den in einer chemischen Reaktion Wasserstoff frei. Dabei entsteht zwar CO2, aber wenn das Methanol zuvor regenerativ entstanden ist, handelt es sich um einen letztlich CO2-neutralen Kreislauf. Selbst wenn der Kraftstoff aus Abfallprodukten in Raffinerien gewonnen wird, bleibt ein mit 45 Prozent recht hoher Wirkungsgrad (Antrieb mit Verbrennungsmotor: 25 Prozent).

Weiterer Vorteil: Als flüssigen Treibstoff könnten Autos Methanol über die bestehende Tankstellen-Infrastruktur beziehen – binnen Minuten nachtanken, wie es Autofahrer seit Jahrzehnten gewohnt sind. Auch ist Methanol in ausreichenden Mengen verfügbar und dabei weniger feuergefährlich als Benzin.

Probefahrt mit der neuen Technik

Wer jetzt denkt: Nette Idee, aber realitätsfern, täuscht sich. Der dänische Brennstoffzellenhersteller Serenergy hat bereits 2015 bei der Präsentation der ersten europäischen Methanol-Tanksteller einen Fiat 500e mit genau dieser Technik gezeigt, die seit Jahren als Alternative zu Dieselgeneratoren zur Stromversorgung abgelegener Telefon-Sendeeinrichtungen etwa arbeiten. Mit dem Fiat hat Serenergy gezeigt, dass der Antriebstrang kompakt genug für die Platzverhältnisse in einem Kleinwagen ist. Aktuell schafft er 5kWh, 10 sind in Planung. Auch die Dänen sprachen schon von 800 Kilometer Reichweite.

Foto: Jeibmann & torpedo motor
Die Technik funktioniert wie von Elektroautos gewohnt, die Brennstoffzelle fällt nur durch ihre Lüftergeräusche auf.

Roland Gumpert hat diese Technik in einen Gumpert Explosion gepackt. Hier sitzen Tank, Reformer und Brennstoffzelle noch im Kofferraum und hinter der Vordersitzen, E-Motor und Leistungselektronik im Motorraum. Aber das kompakte rote Sportcoupé fährt schon wie ein Elektroauto: einfach zu bedienen mit Gas und Bremse, geschmeidig und ruckfrei ohne Gangwechsel, kraftvoll und spontan im Antritt. Nur ganz so leise wie ein Serien-Elektroauto ist der Prototyp noch nicht. Von hinten lärmen ein kostengünstiger Lüfter und das geradeverzahnte Differenzial. Ein Versuchsträger halt, so Roland Gumpert, der den Explosion sicher und zügig durch ein Industriegebiet in Ingolstadt steuert. Innerhalb des Studiogeländes dürfen wir selbst ans Steuer. Der Eindruck verfestigt sich: Die Technik funktioniert wie von Elektroautos gewohnt, die Brennstoffzelle fällt nur durch ihre Lüftergeräusche auf, irgendwelche Verzögerungen gibt es nicht, auch bei einem kräftigen druck aufs „Gaspedal“ macht der methanol-elektrische Explosion, was man erwarten darf: Er bewegt sich vehement vorwärts.

„Quattro“-Antrieb und Torque-Vectoring

Im RG Nathalie werden Differenziale schon deshalb keine Geräusche machen, weil es keine braucht: Vier Elektromotoren (eines pro Rad) sorgen für Allrad-Antrieb und erlauben sowohl den Drehzahlausgleich zwischen Achsrädern in Kurven als auch radselektvives Torque Vectoring. Das heißt, wie viel Kraft in welcher Fahrsituation an welchem Rad ankommt, ist vor allem Sache der Elektronik. Man kennt sowas etwa vom Mercedes SLS eCell.

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Rein theoretisch sind mit einer solchen Technik 180-Grad-Wenden auf wenigen Metern möglich – indem die Räder einer Seite voll nach vorne beschleunigen und die der anderen voll nach hinten. Aber natürlich bietet Torque Vectoring weniger extreme, aber segensreiche Möglichkeiten fürs Handling.

Zusammenarbeit mit Aiways

Wie kommt es, dass der einstige Sportwagenbauer und Audi-Angestellte jetzt mit einem chinesischen Hersteller kooperiert? Roland Gumpert, inzwischen 74 Jahre alt, war nach den Rallyeerfolgen für die Marke zur Markteinführung des Audi 100 (in China Audi 5000) in China, wo seine älteste Tochter Nathalie zur Welt kam und wo er einen gewissen Herrn Fu Qiang kennenlernte. Der ist inzwischen Chef des chinesisches Auto-Startups Aiways. Der Name spielt auf die englische Abkürzung für künstliche Intelligenz an, 1,7 Millarden Startkapital kommen größtenteils vom chinesischen Staat. Erstes Produkt soll das Elektro-SUV U5 Ion werden. Aber für Europa will Herr Fu das Image der neuen Marke mit einem Sportwagen aufwerten. Und erinnerte sich an Roland Gumpert, mit dem er einst so gut zusammenarbeitete und dessen inzwischen 18-jährige Tochter als Baby auf dem Arm hielt.

Fazit

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Was uns morgen antreibt, treibt viele um. Nach Tesla scheinen auch die großen Autohersteller inzwischen auf Elektroautos mit mehr oder minder großen Batterien und eine entsprechende dichte sowie leistungsstarke Ladeinfrastruktur zu setzen. Die entsprechenden Modelle für den gehobenen Massenmarkt stehen in Startlöchern. Den Anfang macht Jaguar mit dem iPace, Audi kommt noch 2018 mit dem e-tron, Mercedes mit EQ, VW bringt ab 2019 sukzessive die erschwinglichere I.D.-Familie.Aber noch immer sind auch die Zweifler nicht verstummt: Die Reichweite wird immer zu gering bleiben, eine Infrastruktur für schnelles Aufladen mit großen Strömen ist problematisch und teuer. Roland Gumpert sagt: „Für mich bedeutet das Auto die Freiheit, auch spontan weitere Entfernungen zu überwinden, ohne dass ich Angst haben muss liegen zu bleiben. Und das geht mit den aktuellen Elektroautos nicht“.

Hinzu kommt: Die CO2-Bilanz ist gar nicht so gut, wenn sich die Stromerzeugung nicht aus erneuerbaren Quellen speist, die Produktion der Akkus so CO2-intensiv bleibt. Außerdem sind die Rohstoffe für die Akkus nicht grenzenlos verfügbar. Da erscheint es einleuchtend, dass der rein elektrische Antrieb auf kürzere Strecken beschränkt bleibt, aufs Pendeln und die Stadt. Dort wäre der Methanol-Brennstoffzellen-Hybrid im Gegensatz zum bisherigen Plug-in-Hybrid sogar emissionsfrei (im Sinne gesundheitsschädlicher Abgasbestandteile), wenn die Brennstoffzelle gerade die Batterie lädt

Neuester Kommentar

Das Interessante an dem Artikel finde ich die Tatsache dass der chinesische Staat seine landeseigenen Startups kräftig mitfinanziert, das ist doch höchst bemerkenswert. Dafür wandern nun sogar einheimische Autobauer von hier nach China aus!
Das sollte man zur Abwechslung in Deutschland mal den Chinesen nachmachen, zu Zeiten der rekordhohen Steuereinnahmen ( >> Jetzt sofort)

jpnyc 29. April 2018, 20:27 Uhr
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