Alfa-Chef im Interview

Harald Wester zum Comeback von Alfa-Romeo

Harald Wester Foto: Achim Hartmann 10 Bilder
Interview

Der Chef von Alfa Romeo über die Markteinführung der neuen Giulia und die weiteren Comeback-Pläne für die Traditionsmarke.

Sie haben einen ambitionierten Comeback-Plan für Alfa Romeo vorgelegt. Was sind die wichtigsten Meilensteine?

Wester: Die Giulia steht ab Juni im Handel und wird im Laufe des Jahres noch weitere Varianten bekommen. Da reden wir zum Beispiel über weitere Motoren und Allradantrieb. Im vierten Quartal folgt dann ein kompakter SUV. Aber wir haben noch einiges mehr im Köcher.

Welche Segmente wollen Sie besetzen?

Wester: Wir konzentrieren uns zunächst auf das, was Stückzahlen bringt. Dazu zählt eine Limousine oberhalb der Giulia und weitere SUV.

Wird es die Giulia auch als Kombi geben?

Wester: Voraussichtlich nicht, denn es gibt global zu wenige Märkte, auf denen sich Kombis in nennenswerter Stückzahl verkaufen.

Wie viele Einheiten wollen Sie von der neuen Alfa Romeo Giulia pro Jahr verkaufen?

Wester: Im nächsten Jahr, wenn alle Varianten voll verfügbar sind, rechnen wir mit über 100.000 Einheiten.

Auf welcher technischen Basis bauen die Fahrzeuge auf? Nutzen Sie Plattformen von Schwes­termarken aus dem Fiat-Chrysler-Konzern?

Wester: Alle neuen Alfa-Romeo-Modelle basieren auf einer komplett eigenständigen Architektur. Die Autos werden mit Heck- oder Allradantrieb erhältlich sein. Die Varianz reicht vom Kompaktwagen bis zu rund fünf Meter langen Limousinen oder SUV.

Welche Getriebearten planen Sie? Auch ein Doppelkupplungsgetriebe?

Wester: Neben dem Handschalter wird es die bereits bei uns im Fiat-Chrysler-Konzern eingesetzte ZF-Achtgang-Wandlerautomatik geben. Ein Doppelkupplungsgetriebe ist in Planung, aber das dauert noch etwas.

Braucht eine sportliche Marke wie Alfa Romeo autonome Fahrfunktionen?

Wester: Ich habe oft gehört, dass autonomes Fahren für eine sportliche Marke wenig sinnvoll sei. Meine Meinung ist eine andere. Die Menschen in den großen Ballungsgebieten erleben den Stau doch jeden Tag. Wir alle werden autonome Fahrfunktionen schnell zu schätzen wissen. Sie geben uns Lebensqualität und Zeit, in der wir etwas Sinnvolleres tun können, als uns mit der Stausituation zu beschäftigen. Ich glaube sogar, dass automatisiertes Fahren bald so etwas wie ein Standard wird und Marken wie Alfa Romeo, die darüber hinaus großen Fahrspaß bieten, davon profitieren werden.

Wird es auch elektrifizierte Alfa-Modelle geben?

Wester: Das ist ökonomisch schwierig, aber wir wissen, dass wir etwas im Angebot brauchen. Wir haben zudem den Vorteil, dass wir im Konzern auf Erfahrungen zurückgreifen können – denken Sie an den neuen Chrysler Pacifica Plug-in-Hybrid. Einen Zeitpunkt für die Einführung eines elektrifizierten Modells will ich noch nicht nennen. Aber ich bin davon überzeugt, dass bis 2025 jedes zweite Auto von uns in irgendeiner Form elektrifiziert sein muss.

Wenn der Comeback-Plan für Alfa Romeo Erfolg haben soll, müssen Sie neue Kunden er­obern. Bei welchen Marken wollen Sie wildern?

Wester: Das ist je nach Region unterschiedlich.

Reden wir über Europa.

Wester: Dort natürlich bei den deutschen Premium-Marken, aber auch bei Jaguar oder Volvo. Dazu wollen wir natürlich ehemalige Alfa-Fahrer wieder von unserer Marke überzeugen.

Gerade Letztere mussten ja früher leidensfähig sein. Wie wollen Sie überzeugen? Was sagen Sie potenziellen Kunden?

Wester: Ich sage Ihnen: Gehen Sie ohne Vorurteile in eines unserer neuen Autohäuser. Sehen Sie, fühlen Sie, testen Sie und bilden Sie sich selbst eine Meinung.

Wo sollen sich Alfa-Romeo-Modelle künftig preislich bewegen? Günstiger als Audi, BMW und Mercedes?

Wester: Nein, sie werden preislich ähnlich liegen. Schließlich bieten wir technologisch ein vergleichbares, wettbewerbsfähiges Paket an.

Dazu gehört aber auch ein entsprechendes Händlernetz.

Wester: Das bauen wir bereits seit über einem Jahr auf. Mit einem hochwertigen Auftritt und entweder exklusiv für Alfa oder in Kombination mit Jeep.

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