Hindustan Ambassador

Der indische Mercedes

Foto: Wolfgang Groeger Meier 13 Bilder

Pkw in Indien sind erstaunlich jung, alte Autos sucht man vergeblich. Bis auf eine Ausnahme: den Hindustan Ambassador, einen immer wieder aktualisierten Nachbau des britischen Morris Oxford Series III von 1948. Dieses Fahrzeug war eines der wichtigsten Pkw des indischen Subkontinents nach dem zweiten Weltkrieg.

Wer auf indischen Straßen unterwegs ist, erlebt ein scheinbar chaotisches Verkehrsgewühl aus Mopeds, Tuktuks, Ochsenwagen, Fahrrädern, Fußgängern, Kühen, Kleinwagen, Bussen und großen Limousinen sowie völlig überladenen Lastwagen. Ab und zu sieht man ihn aber doch, den Hindustan Ambassador.

Der indische Mercedes

Der unverwüstliche Ambassador wird in West-Bengalen produziert, wenn auch in einer geringen Stückzahl von etwa 18.000 Einheiten. Er geht vor allem an Chauffeurs- und Taxiunternehmen - Fahrer und Fahrgäste lieben ihn. Denn das 4,33 Meter lange Auto bietet im Fond Platz in Hülle und Fülle, er ist – so ein stolzer Besitzer in Delhi - "der indische Mercedes". Eine gewisse Stückzahl geht sogar in den Export: Wir sahen solche Autos im noblen Londoner Stadtteil Kensington, blumengeschmückt und mit der schönen Beschriftung "Karma-Taxi".

Jahrzehntelang gab es den Ambassador - kurz Amby genannt - nur mit Benzinmotor (zuletzt 72 PS), mittlerweile ist die renovierte Version Avigo auch mit einem 1,5-Liter-Diesel mit 38 PS zu erhalten. Benzin kostet im armen Indien um einen Euro pro Liter, Diesel umgerechnet lediglich 60 Cent. Die Motorkraft geht über ein Fünfganggetriebe zur hinteren Starrachse; verzögert wird mittels Scheiben (vorn) und Trommeln (hinten). Viele Ambassador Avigo wurden für den CNG-Gasbetrieb umgerüstet, viele tragen die warnende Aufschrift "Power Brake!" auf dem Heck. Ein ABS hat er indes genauso wenig wie Knautschzonen - aber das macht nichts: Die von ihren Fahrern souverän durch den quirligen Verkehr getriebenen viertürigen Limousinen genießen in Indien Kultstatus und gelten schon fast als heilig, haben sie doch bewiesen, dass die frühere Kronkolonie durchaus in der Lage ist, ein eigenes Auto zu produzieren und behutsam weiterzuentwickeln.

Wer ein paar Tage in Indien weilt, sollte sich die Anmietung ein solchen Autos gönnen - natürlich mit Chauffeur. Das kostet nicht mehr als 20 oder 30 Euro am Tag und sorgt für ganz neue Erfahrungen. Sehr empfehlenswert ist ein Ausflug nach Udaipur, etwa 600 Kilometer südlich von Delhi, wo ein bescheidenes Automuseum auf Besucher wartet: Hier finden sich nicht nur ein paar der einst als überaus begehrenswert geltenden US-Cars, sondern auch "echte" Mercedes-Wagen. Qualität aus Germany.

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