Interview Albert Biermann

Den i30 N können Sie richtig rannehmen

Hyundai i30 N Erlkönig Foto: Stefan Baldauf 29 Bilder

Der Verantwortliche für die High-Performance-Modelle von Hyundai über die Relevanz des Motorsports, den Anspruch der Marke an ein neues Produkt und die Positionierung des i30 N in einem hart umkämpften Segment.

Sie verfügen über viel Erfahrung in der Automobilindustrie. Wie war das denn, als Sie für Hyundai das N-Projekt übernahmen, im Vergleich zu dem, was Sie bislang erlebt haben?

Biermann: Ehrlich gesagt: nicht viel anders. Auch in Korea gibt es eine große Leidenschaft für schnelle Autos und Motorsport. Es gibt dort eine rege Clubszene, einige Markenpokale, in denen hart gekämpft wird. Meine Kollegen im Team haben sich schon sehr genau den Wettbewerb angesehen, wussten, was Sie zu tun haben. Ich habe dann angeregt, dass wir für unsere N-Modelle auch die Rennstreckentauglichkeit als Kerneigenschaft definieren.

Jetzt wollen Sie sogar mit dem i30 N beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring starten. Wie ist der Stand des Projekts?

Biermann: Ein Fahrzeug hatten wir schon bei VLN1 im Einsatz, das zweite Auto lief bei VLN2. Die beiden Autos unterscheiden sich in Details, im zweiten Auto testen wir unter anderem ein spezielles Rennfahrwerk. Aber beide Fahrzeuge sind sehr seriennah.

Weshalb diese Differenzierung?

Biermann: Mit dem einen Fahrzeug möchten wir sowohl die Schnelligkeit als auch die Standfestigkeit des Serienprodukts unter Beweis stellen. Mit dem anderen wollen wir ausloten, welches Potenzial vielleicht noch im i30 N steckt.

Hyundai i30 N
Kompaktsportler im Straßentest 1:34 Min.
Aus welchem Grund? Peilen Sie doch einen Rundenrekord an?

Biermann: Nein, an diesem Spiel werden wir uns nicht beteiligen. Mein Traum wäre vielmehr, einen Markenpokal mit dem i30 N auszurichten.

Wie nahe an der Realität ist dieser Traum?

Biermann: Wie gesagt, derzeit loten wir mit den VLN-Rennen und dem 24-Stunden-Rennen das Potenzial aus. Das Auto müsste sich zu vertretbaren Kosten realisieren lassen. Das ginge nach meiner Vorstellung besonders gut, wenn es sich zusammen mit den Serienfahrzeugen am Band produzieren lässt.

Gerade deshalb wäre es doch zu vermeiden, ein spezielles Rennfahrwerk einzusetzen, oder nicht?

Biermann: Das stimmt. Und eigentlich sollte das Cup-Auto auch im Wesentlichen dem Serienmodell entsprechen. Dennoch müssen wir ja ausprobieren, wie gut die Serienkomponenten im Vergleich mit Motorsportkomponenten funktionieren. Bislang kann ich dazu sagen: Mit den Serienteilen fahren wir erstaunlich gut.

Woran liegt das?

Biermann: Weil wir das Serienmodell schon so konsequent wie möglich auf Sportlichkeit getrimmt haben. Und das bedeutet, dass wir alleine deshalb 10.000 Kilometer Dauerlauf auf der Nordschleife fahren. Das leistet sich heute kaum noch ein Hersteller. Wir machen das hingegen bei jeder neuen Baureihe und insbesondere bei den leistungsstarken Modellen.

Allerdings sieht das Fahrzeug sehr schlicht aus. Woran liegt das?

Biermann: Der i30 N feiert ja erst im September auf der IAA seine Weltpremiere. Zum jetzigen Zeitpunkt hätten wir zwar ein paar Vorserienteile einsetzen können, doch das entspricht nicht unseren Vorstellungen von Qualität. Also geht es hier jetzt zunächst um die Technik, nicht um die Optik.

Albert Biermann Foto: Bernhard Schoke
Wird erst auf der IAA enthüllt: Hyundai i30 N.
Wie unterscheidet sich die Technik der VLN-Fahrzeuge vom Serienfahrzeug?

Biermann: Über die Sicherheitsausrüstung hinaus nur in ganz wenigen Punkten. So nutzen wir eine Rennkupplung mit einem Einmassenschwungrad, andere Bremsbeläge, härtere Federn und natürlich Rennreifen. Bei dem zweiten Auto fahren wir sozusagen ein Alternativprogramm. Wenn wir also feststellen, dass ein Serienteil nicht ausreicht, haben wir ein Back-up.

Alles andere ist also Serie.

Biermann: Ja, die Dämpfer zum Beispiel. Wie in der Serie nutzen wir auch beim Rennfahrzeug geregelte Stoßdämpfer. Da lassen sich dann allein über die Software schon Änderungen der Abstimmung realisieren.

Wie sind die Erfahrungen mit den Serienkomponenten?

Biermann: Wie gesagt, die haben ja schon Hunderte Runden auf der Nordschleife hinter sich, von daher passt das alles schon ganz gut.

Die Leistung liegt auch auf Serienniveau?

Biermann: Ja, an der oberen Toleranz. Basis ist die Variante mit Performance-Paket. Durch den Rennkat mit geringerem Abgasgegendruck liegt die Leistung bei etwa 285 PS.

Was in der Klasse SP3T, in der das Auto startet, nicht übermäßig viel ist. Weshalb nicht mehr Dampf?

Biermann: Da sind wir wieder beim Thema Serientechnik. Wir wollen demonstrieren, dass das seriennahe Fahrzeug sogar das 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife übersteht. Ein möglicher Klassensieg steht dabei nicht im Fokus.

Apropos Nürburgring: Wofür steht jetzt eigentlich das N in der Modellbezeichnung?

Biermann: Als ich bei Hyundai mit meiner neuen Aufgabe anfing, habe ich tatsächlich zunächst gefragt, welche Bedeutung hinter dem N stecke. Mein Chef sagte sofort, es stehe „für Namyang natürlich“. Das ist unser Entwicklungszentrum und auch die Heimat unseres High Performance Centers in Korea. Darauf sagte ich: „Warum nicht auch für Nürburgring?“ Schließlich haben wir dort ein Testzentrum. Und als ich mir die Produktion des i30 angesehen habe, sagten die Kollegen dort: „Das N steht natürlich auch für Nošovice“ – unser Werk in der Tschechischen Republik. Die wichtigste Botschaft ist jedoch, dass jedes N-Modell große Lust auf die nächsten Kurven bereiten soll. Somit steht unser N als Symbol für eine kurvige Straße oder Schikane – wir bei N lieben Kurven.

Und was soll der i30 N noch verkörpern?

Biermann: Neben dem Fahrspaß steht er auch für technische Substanz. Der i30 N übersteht nicht nur ein oder zwei Runden auf der Rennstrecke, den können Sie dort richtig rannehmen. Dann: das Preis-Leistungs-Verhältnis. Wir sind sicher nicht der billige Jakob, aber Hyundai steht immer auch für Autos, die viel Gegenwert fürs Geld bieten. Das gilt natürlich auch für den i30 N.

Vita Albert Biermann

Geboren 28. Mai 1957

1983 Karrierestart bei BMW

2000 Technischer Direktor Sport- und Tourenwagen bei BMW M

2003 Projektchef X5, X5/6 M

2008 Entwicklungschef BMW M

2015 Executive Vice President, Head of Vehicle Test & High Performance Development Hyundai

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