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Neuer Hyundai Santa Fe (2018) im Fahrbericht

Amerikanisches Fahrgefühl

Auto Salon Genf 2018

Seit 2001 gibt es ihn, jetzt stellt Hyundai die vierte Generation des SUV Santa Fe vor. Mehr Sicherheit, mehr Platz und Euro-6c-Antriebe sollen den Santa Fe attraktiv machen. Premiere feiert er in Genf – wir haben ihn im Fahrbericht.

01.03.2018 Gregor Hebermehl Powered by

Karosserie wird größer

Optisch steht Hyundais größtes SUV breit da. Die Doppelten Frontleuchten setzen sich aus LED-Scheinwerfern und dem darüber angeordneten LED-Tagfahrlicht zusammen. Am Heck trägt der neue Santa Fe eigenständige Leuchten und zwei Endrohre. Und der Wagen ist gewachsen: 4.770 mm lang (plus 70 mm), 1.890 mm breit (plus 10 mm) und einem auf 2.765 mm verlängertem Radstand (plus 65 mm). Der 4.905 Millimeter lange Grand Santa Fe entfällt mit dem Marktstart der neuen Generation.

Mehr Platz im Innenraum

Für den Innenraum des neuen Santa Fe verspricht Hyundai unter anderem eine verbesserte Übersicht nach hinten. Die hinteren seitlichen Scheiben sind um 41 Prozent größer als beim Vorgängermodell und der Fahrer soll über die Reihen zwei und drei besser hinwegsehen können. Einer guten Sitzhaltung zuliebe lassen sich die Sitzflächen der beiden vorderen Sitze elektrisch erweitern und in zehn verschiedenen Positionen verstellen. Die Kniefreiheit in Reihe zwei wuchs um 38 Millimeter, die Kopffreiheit um 18 Millimeter. Der Zugang zur dritten Reihe lässt sich jetzt mit einem Handgriff öffnen, dort wächst die Kopffreiheit um 22 Millimeter. Ob diese dritte Reihe in Deutschland in der Aufpreisliste steht, ist noch nicht entschieden – bisher war die Bestellrate verschwindend niedrig. Selbst im Santa-Fe-Hauptmarkt USA gibt es die dritte Sitzreihe nur als Option und nur in Kombination mit einem Dieselmotor. Das Gepäckraumvolumen haben die Konstrukteure um 40 auf jetzt 625 Liter erhöht.

Sitzprobe

Optisch ist der Innenraum des neuen Santa Fe ganz ordentlich: Die Verarbeitung wirkt gut und bei den Oberflächen haben sich die Hyundai-Einrichter Mühe gegeben. Modern gemusterte glänzende Kunststoffoberflächen und Leder dominieren die Optik, nur der riesige Handschuhfachdeckel und seine nähere Umgebung öden den Betrachter mit grob genarbtem schwarzem Hartplastik an.

Die Verteilung der Bedienelemete erfolgt im Santa Fe durchaus ergonomischen Gesichtspunkten und der Infotainmentbildschirm hat am oberen Ende der Mittelkonsole seinen perfekten Platz.

Die Verlängerung des Radstandes um 6,5 Zentimeter tut den Platzverhältnissen im Innenraum und somit den Passagieren gut: Sowohl Fahrer und Beifahrer als auch die Passagiere in Reihe zwei freuen sich über Freiheit für Beine und Kopf. Ob die dritte Sitzreihe in Deutschland in der Aufpreisliste steht, ist noch nicht entschieden – beim Vorgängermodell bestellte sie kaum jemand. Selbst in den USA, dem wichtigsten Markt für den Santa Fe, ist Reihe drei nur gegen Aufpreis und in Kombination mit einem Dieselmotor zu bekommen. Da sie im Testwagen verbaut ist: Der Zugang ist mit einem Handgriff freigelegt aber da hinten ist es eng wie in einem indischen Bus – selbst Kinder dürften sich dort nicht wohl fühlen. Trotzdem hat die dritte Sitzreihe hat eine eigenes Klima-Bedienfeld rechts in der Seitenwand.

Die Sitze sitzen sich bequem ohne zu weich zu sein – das Gestühl im Santa Fe bietet kaum Seitenhalt, ist aber für lange Reisen geeignet.

Hyundai Santa Fe Foto: Uli Sonntag
"Die Verteilung der Bedienelemete erfolgt im Santa Fe durchaus ergonomischen Gesichtspunkten und der Infotainmentbildschirm hat am oberen Ende der Mittelkonsole seinen perfekten Platz.", so Redakteur Gregor Hebermehl.

Fahrwerk mit mehr Komfort

Für die Momentenverteilung des Allradantriebs hat Hyundai HTRAC entwickelt. Das Wort setzt sich aus „H“ für Hyundai und „Trac“ zusammen. HTRAC verteilt die Momente je nach Bedarf oder gewähltem Fahrmodus an die vier Räder und erlaubt so ein besseres Kurvenverhalten oder ein sichereres Fahren auf rutschigem Untergrund. Im Sportmodus gelangen bis zu 50 Prozent der Kraft an die Hinterachse, im Komfortmodus sind es noch bis zu 35 Prozent, während im Eco-Modus die gesamte Kraft an der Vorderachse anliegt. Treten unerwartet schwierige Fahrbahnbedingungen auf, wechselt das System automatisch in den Allradmodus.

Die Fokussierung auf den US-Markt fällt bei der spät ansprechenden und indirekt agierenden Lenkung besonders auf. Allerdings steigen Widerstand und Direktheit beim Umschalten von „Comfort“, „Eco“ oder „Smart“ in den Modus „Sport“. Schnelle Kurven nimmt der hohe Wagen gekonnt ohne nennenswerte Seitenneigung. Querrillen, Gullydeckel und Schlaglöcher machen hingegen so viel Spaß wie ein frisch abgerissener Schnürsenkel: Wütend poltern die 19-Zoll-Räder über solche Unebenheiten. Hierzulande bekommen Lenkung und Fahrwerk aber wohl eine andere Abstimmung.

Fahrbericht Hyundai Santa Fe

Europäische Kunden können zwischen einem Benziner und drei Dieselmotoren wählen. Der 2,4-Liter-Benziner mit 185 PS ist an eine Sechsgangautomatik und Allradantrieb gekoppelt. Den Zweiliter-Diesel gibt es in zwei Leistungsstufen mit 150 und 182 PS. Als Sechsgang-Handschalter lässt er sich wahlweise mit Front- oder Allradantrieb kombinieren, während die neue Achtgang­automatik die Kraft stets an alle vier Räder weiterleitet. Beim 2,2-Liter-Topdiesel mit 197 PS hat man die freie Wahl zwischen allen Antriebsarten.

Erste Fahreindrücke konnten wir mit dem mittleren Diesel sammeln, der ein knurriges Laufgeräusch an den Tag legt und beim Tritt aufs Gaspedal aus dem Stand seltsam zäh seine Kraft aufbaut, was nicht so recht zu den Drehmomentangaben von 397 Nm ab 1.750/min passt. Etwas Geduld braucht der Fahrer auch beim Beschleunigen jenseits von 120 km/h. Tempo 100 soll in zehn Sekunden erreicht sein, maximal sind laut Werk 201 km/h drin.

Die neue Achtgangautomatik arbeitet meistens geschmeidig und situationsgerecht, sucht jedoch bisweilen nach dem passenden Gang. Verbrauchsangaben stehen noch aus, aber eine geschmeidig und spontan arbeitende Start-Stopp-Automatik hilft beim Kraftstoffsparen.

Umfangreiches Konnektivitätsangebot

Drei Infotainment-Systeme bietet Hyundai für den neuen Santa Fe an. Das Standard-Audio-System besteht aus einem Fünfzoll-Monochrome-Bildschirm, Radio und der Möglichkeit, Geräte per USB, Bluetooth und AUX-in anzuschließen. Darüber rangiert das System „Display Audio“ mit einem Siebenzoll-Bildschirm und der Ausstattung mit Android Auto und Apple CarPlay. Als höchste Ausstattung gibt es ein Navigationssystem mit Achtzoll-Bildschirm, das ebenfalls Android Auto und Apple CarPlay beherrscht. Das Navigationssystem ist, ohne zusätzliche Kosten, mit einem sieben Jahre gültigen Abo des Hyundai Live-Service verbunden. Dieser beinhaltet Echtzeit Verkehrs-, Blitzer-, und Wetterinformationen sowie das Abrufen aktueller Spritpreise und Parkplatzinformationen. Zudem besteht die Möglichkeit, online nach Punkten von besonderem Interesse zu suchen. Jährliche Karten- und Software-Updates sind ebenfalls enthalten. Hardwaremäßig ist in der höchsten Infotainment-Ausstattung auch noch eine Rückfahrkamera dabei.

Ein Siebenzoll-Farbbildschirm sitzt bei allen Ausstattungen zwischen den beiden Rundinstrumenten. Ein dafür geeignetes Smartphone (Qi-Standard) lässt sich im neuen Hyundai Santa Fe induktiv laden. Damit niemand sein Telefon beim Verlassen des Wagens auf der induktiven Ladefläche vergisst, erscheint eine Warnung im zentralen Instrumentenbildschirm.

Sicherheit und Assistenten

Hyundai bietet für den neuen Santa Fe viele Assistenten an. So können eine Totwinkel-Warner, ein ab einer Geschwindigkeit von zehn km/h aktiver Notbrems-Assistent mit Fußgängererkennung, ein Heck-Querverkehrswarner mit automatischer Bremsfunktion, ein ab 60 km/h arbeitender Spurhalte-Assistent, eine Geschwindigkeits-Begrenzungsanzeige, ein sogenannter Safety Exit Assist und ein neuer Rear Occupant Alert für mehr Sicherheit sorgen. Der Rear Occupant Alert, also Rücksitz-Passagier-Alarm, basiert auf der Technik der Alarmanlage. Er erinnert den Fahrer beim Abstellen des Fahrzeugs daran, dass zum Beispiel noch Kinder auf der Rückbank sitzen. Das System überwacht die Rücksitze mittels eines Ultraschall-Sensors. Als erstes erinnert die Technik den Fahrer über den zentralen Instrumentenbildschirm daran, nochmal auf die Rückbank zu schauen, wenn er den Motor ausschaltet. Sollte der Fahrer den Wagen verlassen und die Türen verriegeln, obwohl der Ultraschall-Sensor Bewegung auf den Rücksitzen feststellt, aktiviert sich die Hupe und die Lichter blinken. Dies passiert auch, wenn sich Kinder versehentlich im Wagen eingeschlossen haben.

Der Safety Exit Assist, also der Assistent für sicheres Aussteigen, überwacht per Radar das Gebiet seitlich hinter dem Santa Fe. Sollte sich ein Fahrzeug von hinten nähern, werden die Insassen per Warnton gewarnt. Nähert sich ein Fahrzeug, während eine per Kindersicherung verriegelte Tür geöffnet werden soll, bleibt die Verriegelung erhalten und ein Warnton ertönt, bis die Gefahr vorbei ist.

Des Weiteren ist der neue Santa Fe laut Hersteller auch durch den vermehrten Einsatz von hochfesten Stählen steifer und sicherer geworden. Im Vergleich zum Vorgänger kommen beim neuen Modell 15 Prozent mehr hochfeste Stähle zum Einsatz. 57 Prozent der Stähle im neuen Santa Fe sind hochfest – das ist laut Hersteller aktuell mehr als bei jedem anderen Hyundai.

Das erstmals für den Santa Fe angebotene optionale Head-up-Display informiert mit scharfer, heller Schrift auf großer Fläche in der Windschutzscheibe über Navi-Ansagen, Geschwindigkeit und erkannte Schilder. Die Schildererkennung zeugt in der koreanischen Ausführung von einem ganz besonderen Bemutterungsbedürfnis des Santa Fe: Sie warnt die Passagiere per Sprachansage sogar, wenn eine Kurve zu erwarten ist, sei sie auch noch so mild, oder wenn Felsen auf das Auto stürzen könnten. In der deutschen Ausführung fehlt diese Funktion zum Glück.

Preise und Marktstart

Die Auslieferung des neuen Hyundai Santa Fe beginnt in Deutschland ab August 2018, Preise haben die Koreaner noch nicht bekannt gegeben. Wir gehen von einem Einstiegspreis von 36.500 Euro aus.

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