Hyundai

Weg vom Billig-Image

Foto: Hyundai 9 Bilder

auto motor und sport im Interview mit Allan Rushforth, Vice President von Hyundai Motor Europe, über die Ziele und die zukünftige Ausrichtung des koreanischen Autobauers.

Hyundai gehört mittlerweile zu den größten Autoherstellern der Welt. Wo wollen Sie hin, vor allem hier in Europa?
Rushforth: 2007 hat der Hyundai-Kia-Konzern fast vier Millionen Autos ausgeliefert und kam damit auf Platz fünf in der Welt. Bis 2010 wollen wir in allen Klassen wachsen und sechs Millionen Autos jährlich verkaufen. In Europa haben wir unseren Absatz von 110.000 im Jahr 1995 bis auf 350.000 im Jahr 2005 gesteigert. Bis zum Ende des Jahrzehnts sollten wir bei 500.000 Verkäufen liegen.

In fünf bis zehn Jahren wird Europa der wichtigste Auslandsmarkt für uns sein - einschließlich Russland, wo wir seit 2002 aktiv sind.
Wie ernst wir das Geschäft in Europa nehmen, sehen Sie unter anderem daran, dass wir vor 5 Jahren ein nagelneues Technical Center in Rüsselsheim aufgebaut, sowie 2006 eine neue Vertriebszentrale in Offenbach errichtet haben.

Von außen kaum verständlich ist aber, dass Hyundai und Kia an den beiden entgegengesetzten Enden von Frankfurt in neu errichteten Gebäuden residieren. Hat das etwas mit der angestrebten Differenzierung der Markenprofile zu tun?
Rushforth: In Korea nutzt das Unternehmen das gleiche Headquarter für beide Marken. Wir nutzen unsere Europäische Forschung & Entwicklung für beide Marken dort wo Synergien einen Sinn ergeben. Die Vertriebswege in Europa sind für beide Marken getrennt, somit auch die Steuerung der Märkte.

Wir werden zukünftig noch differenzierter unterschiedliche Kundenkreise ansprechen: Hyundai konzentriert sich mit soliden, qualitativ hochwertigen Automobilen auf Kunden mit traditionellen Wertmaßstäben, während Kia ein eher jüngeres Publikum ansprechen wird.

Auf deutsche Maßstäbe übersetzt: Hyundai will Mercedes nacheifern, Kia guckt eher in Richtung BMW. Geben das die Produkte wirklich her?
Rushforth: Ich kann hier nur für Hyundai sprechen, aber ich denke, sehr vereinfacht könnte man das so ausdrücken. Schauen Sie nach den neuen Modellen im B-Segment - wir bringen den neuen Kleinwagen i20 mit fünf, später mit drei Türen, von dem wir rund 110.000 Einheiten jährlich absetzen werden. Kia hat gleichzeitig den Crossover Soul lanciert. Da tun wir uns gegenseitig nicht weh. Und genau so wollen wir die Produktentwicklung auch in den anderen Segmenten fortsetzen.

Bislang waren Sie bei den Crossovern und SUV besonders erfolgreich ...
Rushforth: ... und jetzt verlagert sich die Nachfrage auf kleine Autos vom i10 bis zum i30. Wir sind also auf dem richtigen Weg.

Wie steht es um besonders saubere Modelle mit einem geringen CO2-Ausstoß?
Rushforth: Da sind wir bestens aufgestellt. Bereits angekündigt ist ein Fullhybrid mit Lithium-Polymer-Batterien für die nächste Generation des Santa Fe Ende 2010; zudem denken wir über ein Elektroauto nach. Deutlich vorher, Anfang 2009, bringen wir den i30 Blue mit einem CO2-Ausstoß von 104 Gramm/Kilometer, dem folgt der i20 Blue mit 99 g/km. Beide Fahrzeuge haben Kurbelwellen-Starter-Generatoren von Bosch und länger übersetzte manuelle Schaltgetriebe, sind aerodynamisch geglättet und sind mit Energiesparreifen ausgestattet. Als Aufpreis rechne ich mit maximal 1.000 Euro.

Womit wir bei den Preisen sind. Bislang galt Hyundai als Billigmarke - Sie wollen aber künftig mehr technische Inhalte anbieten? Wie geht das zusammen?
Rushforth: Die günstigen Einstiegspreise haben geholfen um uns erst einmal im Europäischen Markt zu etablieren. Jetzt geht es darum, das Markenprofil in Richtung Qualität und Höherwertigkeit zu schärfen. Wir wollen kein Billiganbieter sein, sondern dauerhaft Freude am Autofahren vermitteln. Das Beispiel des neuen i20 soll zeigen, dass wir umweltfreundliche Technik demokratisieren wollen. Wir werden dies in Zukunft auch noch besser kommunizieren und den Bekanntheitsgrad der Marke weiter steigern.

2009 bringen Sie den ix55 auf den deutschen Markt, ein großer SUV, der in den USA unter dem Namen Veracruz bereits eingeführt ist. Zurückgestellt haben Sie die Markteinführung der Oberklasselimousine Genesis, die erstmals über Heckantrieb verfügt. Warum?
Rushforth: Es gab nie konkreten Pläne für eine Markteinführung des primär für die USA entwickelten Genesis nach Europa. Okay, wir bieten ihn in Russland an, aber in West - bzw. Zentraleuropa wäre dies heute keine gute Idee, obwohl das Fahrzeug als solches Maßstäbe setzen könnte. 1.000 Einheiten wären sicher möglich, aber der Aufwand der technischen Adaption für Europa würde sich nicht rechnen lassen. Verschiedene Technologien wie das verstellbare Dämpfer-Fahrwerk werden sich aber in anderen Modellen wie beispielsweise dem nächsten Sonata wiederfinden. Ich könnte mir künftig eine andere Genesis-Version für den hiesigen Markt vorstellen - ein Coupé oder einen Crossover.

Das wäre dann ein eher emotionsgeladenes Angebot - wir sind gespannt. Und welche Pläne haben Sie mit dem Nachfolger des Hyundai Coupé - und: Wird es irgendwann ein Cabrio geben?
Rushforth: Das Coupé in der heutigen Ausprägung wird es von Hyundai so nicht mehr geben, wir werden in andere Segmente wechseln.

Ob dieses Angebot dort tatsächlich ein Coupé sein wird, oder vielleicht eine sportliche Crossover-Variante, möchte ich noch offen halten. Das Thema Cabrio ist übrigens noch nicht vom Tisch, wir spielen verschiedene Szenarien durch. Lassen Sie sich überraschen!

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