Im Interview

Daimler-Betriebsrat Erich Klemm

Foto: Achim Hartmann

Erich Klemm ist der Betriebsratschef der Daimler-Benz AG. Im Interview spricht der Arbeitnehmer-Vertreter über seine Ziele für das Jahr 2008. 

Herr Klemm, was ist die größte Herausforderung, die Sie für 2008 sehen?
Klemm: Spontan fallen mir neben vielen anderen mindestens vier wichtige Themen ein: Kurzfristig wird uns das Thema Ergebnisbeteiligung der Mitarbeiter beschäftigen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Ergebniszahlen für das Jahr 2007 durch das Unternehmen Mitte Februar wollen wir der Belegschaft sagen können, dass sie an diesem Ergebnis angemessen beteiligt wird. Ein zentrales Thema, das wir im Laufe des Jahres 2008 abschließen wollen, ist die Neuordnung der betrieblichen Altersversorgung. Daimler will hier von einer klassischen Rentenzusage auf ein beitragsorientiertes System umsteigen, um die Betriebsrente zukunftssicher zu machen. Bereits erworbene und künftige Rentenansprüche werden dabei auf jeden Fall vollständig und dynamisch gesichert. Im neuen System wird nichts gekürzt - soweit besteht bereits Einigkeit mit der Unternehmensseite.

Was ist die dritte Herausforderung?
Klemm: Die Verlängerung der Lebensarbeitszeit durch die Politik wirft viele Fragen auf. Aus unserer Sicht ist es vor allem untragbar, dass unsere Kolleginnen und Kollegen in der Produktion künftig erst mit 67 Jahren in Rente gehen sollen. Vor allem, weil durch Rationalisierungsprogramme konzernweit die Leistung massiv verdichtet wurde. Und das ist ein Prozess, der sich aufgrund der Konkurrenzsituation weiter verschärfen wird. Deshalb muss es auch weiterhin möglich sein, früher in Ruhestand zu gehen. Im Jahr 2009 wird die staatlich geförderte Altersteilzeit-Regelung auslaufen. Wir werden die IG Metall in der tarifpolitischen Auseinandersetzung um neue flexible Ausstiegsmodelle unterstützen. Außerdem werden wir uns weiterhin intensiv um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen unserer Beschäftigten in der Produktion, aber auch in den Verwaltungsbereichen kümmern.

Wo stehen Sie bei dem heiß diskutierten Thema Leiharbeiter in der Produktion?
Klemm: Wir sind Vorreiter bei der strengen Begrenzung von Leiharbeit und der Durchsetzung des Grundsatzes "Gleiches Geld für gleiche Arbeit". Bei Daimler ist die Zahl der Leiharbeiter bundesweit auf 2.500 bzw. auf vier Prozent der Direkten Produktionsbeschäftigten begrenzt. Auch „equal pay“ ist bei uns hinsichtlich der Vergütung der Grundstunden bereits Wirklichkeit. Wir fordern auch hinsichtlich der Schichtzuschläge eine Gleichbehandlung der Leiharbeiter. Die Geschäftsleitung signalisiert hier allerdings keine Verhandlungsbereitschaft. Das ist eine sehr unbefriedigende, ungelöste Situation.

Wann gibt es Gewissheit über die Nachfolger der A- und B-Klasse?
Klemm: Der Vorstand hat hierzu noch keine abschließende Entscheidung getroffen. Für uns ist dabei das Wichtigste, dass die Nachfolger die Auslastung unserer Werke sicherstellen.

COO-Schmückle hat bereits angedeutet, dass Sie vielleicht nicht ohne ein Werk in Osteuropa auskommen. Läuft das Werk Rastatt mit seinen rund 6.000 Mitarbeitern Gefahr, den Fertigungsauftrag für diese beiden Einstiegsmodelle zu verlieren?
Klemm: Wir haben von Anfang an erklärt, dass die bestehenden Fabriken zunächst ausgelastet sein müssen. Wenn wir neue, zusätzliche Kapazitäten brauchen, muss man reden, wo die entstehen. Wir wollen auch, dass die Marke Mercedes wächst. Ich bin froh um jedes Auto, das wir zusätzlich bauen dürfen - weil es Beschäftigung sichert.

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