Toyota Land Cruiser J7 Jubiläumsmodell

Mikro-Abenteuer in einem Fossil

Toyota Land Crusier 70 Foto: Wolfgang Groeger-Meier 56 Bilder

Manchmal passt es zu einem besonderen Anlass einfach nicht, die Feierlaune macht gerade Urlaub oder der Jubilar ist unpässlich. Jetzt aber: Eine Ausfahrt mit dem legendären Leiterrahmen-Land Cruiser der 70er-Serie zu ihrem 34. Geburtstag.

Im Jahr 2014 legte Toyota eine Sonderserie des Land Cruiser auf – 30 Jahre J7 galt es zu feiern. Das Händeschütteln haben wir damals verpasst, aber aufgeschoben ist ja bekanntlich nicht aufgehoben. Deshalb feiern wir eben den unrunden 34. Geburtstag mit einer kurzen Reise im Jubiläums-J7.

Eine ausufernde Halli-Galli-Drecksau-Fete, natürlich, dass muss schon drin sein. Auf dass der Leiterrahmen mit seinen Diagonal-Verstrebungen ächzt, die vollen 27 Grad Rampen- und 35 Grad Boschungswinkel ausgereizt werden. Und wenn sich die Natur steiler in den Weg stellt, auch egal, dann schreddert der Land Cruiser einfach bäuchlings drüber. Macht sie aber gerade nicht, hier um Okazakishihigashi herum. Stattdessen: Felder, Landwirtschaft, alle paar hundert Meter ein Schrein oder ein Tempel, im weiteren Drumherum Schnellstraßen, Toyota-City im Nordwesten, Gamagoori im Südosten. Doch für wildes Gelände baut Toyota den Land Cruiser, oder? Nun ja, baute.

Toyota Land Crusier 70 Foto: Wolfgang Groeger-Meier
Muss diesmal auf der Straße fahren: Der Land Cruiser bleibt sauber.

Die 70er-Serie zählt inzwischen zum festen Bestandteil der Markenhistorie, das war 2014 eigentlich nicht anders. Doch zum 30. Geburtstag legten die Japaner das rollende Fossil neu auf, als Station Wagon und Double Cab Pickup und hielten eine flammende Geburtstagsrede, in der von „überlegenen Sicherheits- und Komfortstandards“ geschwärmt wird, um kurz darauf die „nun in die Scheinwerfer integrierten, vorderen Blinker“ ekstatisch zu bejubeln. Verglichen mit, sagen wir mal, mit einem Vierer-Bob – ja, stimmt. Aber sonst? Und: Warum auch? Wer erwartet das von einem Land Cruiser?

Komfort? Nun ja...

Typen vielleicht, die von einem Backstein erwarten, dass er auch als Kopfkissen funktioniert. Ansonsten: Unbedingte Robustheit. Die jeder dem Land Cruiser gerne abnimmt. Eine Robustheit, die sich gerne auch mal in den Abendnachrichten visualisiert, weil wahlweise Blauhelm-Truppen oder das Gefolge eines afrikanischen Warlords in Land Cruisern durchs Bild rumpelt. Gerne auch im Mercedes G-Modell, ja, aber nur sehr selten im Land Rover Defender.

Eine Robustheit, die jedoch überwiegend freundlich gesinnte Abenteurer und Menschen schätzen, die ein Nutzfahrzeug für ihr friedliches Tageswerk benötigen. Eine würdige Schlammpackung jedenfalls bleibt dem Land Cruiser verwehrt, die Lackierung in fröhlichem Matschpfützen-Braun muss reichen. Mit dem Dreck ist das Japan so eine Sache. In einem Land, in dem selbst jeder Baustellen-Lkw so aussieht, als käme er gerade frisch von einer Nutzfahrzeug-Messe. In einem Land, in dem bei Autohändler bei Gebrauchtwagen meist Lenkrad und Schalthebel austauschen, damit sich der Käufer nicht beschmutzt fühlen muss. Hui.

Bei diesem Gedanken platscht der Land Cruiser in ein tiefes Erdloch gefüllt mit Ehre, von der eine große Wellen über den kantigen Bug schwappt. Denn dieses Jubiläumsmodell stammt nicht aus dem Fundus des Herstellers. Es gehört einem Kunden. Einer von 200 pro Monat, die über ein ganzes Jahr lang eines der Sondermodelle geliefert bekamen. Und es nun Fremden leiht. Einem Fremden obendrein, der ohnehin lieber auf als neben der Straße unterwegs ist. Aber einem, der Japan schätzt und all das, was dort zur Kultur zählt und hier als Spleen ins Vorurteil-Regal geräumt wird.

Toyota Land Crusier 70 Foto: Wolfgang Groeger-Meier
Sechs Zylinder, vier Liter Hubraum, das passt.

Saugbenziner. Vier Liter.

Dazu zählt sicher auch die unbedingte Höflichkeit, die sich bis auf eine extrem defensive Fahrweise herunterbricht, in der du selbst dem 70er mit seinem Vierliter-V6-Saugbenziner regelmäßig auf Pole parkst. Allein wegen des Motors lohnt der Ausflug, wo gibt’s den sowas noch, auch wenn das Aluminium des Motorblocks in diesem Umfeld so wirkt, als habe es sich direkt aus einer fernen Galaxie unter den Ventiltrieb gebeamt. Der Sportwagen-Fan würde nun ein kreischendes Hochdrehzahl-Konzept erwarten, doch die maximale Leistung von 231 PS liegt bei moderaten 5200 Umdrehungen an, das maximale Drehmoment von 360 Nm bei 3800/min.

Das bedeutet also durchaus, dass du nicht gleich im fünften von fünf Gängen anfahren kannst, hin- und wieder schon mal zurückschalten musst, mit dem leicht gekröpften Schalthebel ein bisschen ziellos in der Kulissen herumrührst, während die verkleidende Kunststoff-Pyramide am Fahrzeugboden sacht ploppt. Geräusche macht das Triebwerk sehr wohl, doch der belanglose Klang verändert sich eigentlich nie, das dumpfe Brummeln hellt sich ab 4000/min ein bisschen auf, suggeriert aber immer ein freundliches „passt schon“. Die grob profilierten 7.50er Reifen der 16-Zoll-Räder, Getriebe und Differentiale summen dazu, Backing Vocals für einen großen Star.

So, wie war das jetzt noch gleich mit dem Komfort? Nun, Platz ist ja da, Rundumsicht auch, die Klimaanlage pustet kalt, die Fensterheber heben und senken, der Servolenkung nimmt Wünsche zur Änderung der Fahrtrichtung jederzeit entgegen, braucht zur Bearbeitung aber einen Moment. Es fährt sich so anders als in anderen Toyota-Modellen, allesamt gebaut mit der Ernsthaftigkeit maximaler Effizienz, bis hinauf zu den SUV. Den Land Cruiser formt hingegen die Effizienz des maximal weit Kommens, im Fall der 70er-Serie 20 Jahre lang. Das Jubi-Modell dürfte dagegen eher nur bis in die Garagen der Fans gelangen. Was noch bedauerlicher erscheint, als ihm nachträglich nicht noch eine ordentliche Schlammpackung gegönnt zu haben.

Fahrbericht des Toyota HZJ 76 Toyotas Buschtaxi als Fünftürer

Und wie war das damals, 2014?

Es bereits zu Lebzeiten zur Legende zu schaffen, gelingt nicht vielen Autos. Der Land Cruiser J7, die Heavy-Duty-Variante von Toyotas mittelgroßen Geländewagen, ist seit jetzt 34 Jahren für seine Zuverlässigkeit und Robustheit berühmt und deshalb weltweit in nach wie vor wachsender Zahl im Einsatz. Nur in den meisten Industrienationen bliesen ihm die Zulassungsvorschriften irgendwann das Licht aus. In Japan ging es 2004 zu Ende, auch in Deutschland war der damalige (und bis heute verfügbare) 4,2-Liter-Dieselmotor nicht mehr zulassungsfähig, die Vermarktung wurde (bis auf eine kurzfristige Sonderserie) eingestellt.

Im damaligen Jubiläumsmodell ist der 1GR-FE verbaut, seit immerhin 2003 Toyotas Allzweckwaffe für große Geländewagen und je nach Markt unter anderem im FJ Cruiser, im Hilux, in diversen Land Cruiser-Modellen, aber auch im Tacoma, Tundra und selbst im Lexus GX verbaut. Diese Variante bot Toyota Japan als Sonderserie offiziell an, um den 30. Geburtstag zu feiern. Konkret kamen zwei Varianten in den Verkauf: der mittellange Viertürer mit geschlossenem Aufbau (GRJ76) und der Doppelkabiner Pickup mit dem langen Baureihen-Radstand als GRJ 79.

Das Sondermodell trägt das bereits 2007 vorgestellte Facelift-Gesicht der J7-Baureihe, der Innenraum mit Airbags und modernisiertem Cockpit wurde 2009 erstmals eingeführt. Diese Modelle sind als Linkslenker derzeit auch bei uns erhältlich, allerdings nur über freie Importeure (siehe auch unser Fahrbericht zum HZJ 76.)

Leider nie offiziell importiert

Mit der Jubiläumsnummer in Japan wuchs seinerzeit auch die Hoffnung in Europa, dass der legendäre J7 wieder ins offizielle Toyota-Programm aufgenommen wird und nicht mehr über kostspielige Umwege aus fernen Ländern einzeln importiert werden muss. Leider vergebens, wie wir heute wissen. Mit dem Vierliter-V6 wäre zumindest die damalige Abgas-Hürde kein Thema gewesen. Und mit 231 PS ist auch eine Menge mehr Musik drin als im früher bei uns angebotenen 1HZ-Dieselmotor mit seinen 129 PS aus 4,2 Liter Hubraum.

Vor allem hätten wir uns aber über die Preise ganz extrem gefreut: Die starteten in Japan bei umgerechnet rund 25.500 Euro für den Pickup und bei 26.200 Euro für den geschlossenen Land Cruiser. Wer heute einen GRJ78 als Neufahrzeug bei einem freien Importeur erwerben möchte, muss wenigstens 48.000 Euro investieren.

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