Karmann

Schwarze Null 2006

Foto: Karmann

Der Auftragsproduzent und Dachsysteme-Spezialist Karmann erwartet für das laufende Geschäftsjahr trotz hoher Restrukturierungskosten ein ausgeglichenes Ergebnis. 

Der Umsatz wird mit voraussichtlich rund 1,6 Milliarden Euro etwa 300.000 Millionen Euro unter dem Vorjahresergebnis liegen. Das sagte Finanzchef Wilhelm Dietrich Karmann am Rande einer Veranstaltung in Osnabrück.

Die Auftragsproduktion fährt dabei Verluste ein. Karmann wird in diesem Jahr nur rund 40.000 Einheiten der Modelle Audi A4 Cabriolet, Chrysler Crossfire und Mercedes CLK Cabriolet fertigen. Das sind gut 10.000 weniger als im Vorjahr. Die in diesem Zusammenhang notwendige Restrukturierung kostet das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 40 Millionen Euro. 1.173 Arbeitsplätze wurden im Rahmen der Sozialplanes bereits abgebaut, die Verhandlungen mit den Gewerkschaften sind aber noch nicht abgeschlossen. Arbeitsdirektor Wolfgang Hönen erwartet noch bis Weihnachten eine Einigung. Für 2007 rechnet Karmann mit einem leichten Produktionsanstieg auf etwa 45.000 Einheiten bedingt durch das Facelift beim Audi A4 Cabriolet. Neue Aufträge sind indes noch nicht in trockenen Tüchern. Langfristig konnte der neue Sprecher der Geschäftsführung Peter Harbig einen weiteren Personalabbau in den kommenden Jahren daher nicht ausschließen.

Harbig, erst seit Juni bei Karmann für den Bereich Vertrieb, Projekte und Qualität zuständig, wurde erst am 23. November zum Sprecher ernannt. Der bisherige Karmann-Chef Bernd Lieberoth-Leden hatte das Unternehmen kurz zuvor überraschend auf eigenen Wunsch verlassen. Zu den Hintergründen seines Rücktritts schweigen beide Seiten. Im Unternehmensumfeld heißt es, das Verhältnis von Lieberoth-Leden und der Arbeitnehmerseite sei für eine konstruktive Zusammenarbeit in Zukunft stark belastet gewesen. Branchenkenner vermuten, der Karmann-Chef habe sich mit einem härteren Restrukturierungsplan nicht durchsetzen können.

Dass Karmann trotz der lahmenden Auftragsproduktion in diesem Jahr nicht in die Verlustzone rutscht, verdankt das Unternehmen den anderen erfolgreichen Geschäftszweigen. So wächst das US-Geschäft mit Dachsystemen weiter. Bis Ende dieses Jahres liefert Karmann rund 24.000 Dachmodule für den Pontiac G6 aus. 2007 läuft ein zweites, volumenstarkes Projekt an, ein drittes sei in Aussicht, sagt der Sprecher der Geschäftsführung Peter Harbig. Zudem wird im neuen Werk im polnischen Zary ab 2008 der Serienanlauf zweier Dachsysteme starten. Karmann strebt die weltweite Marktführerschaft bei Dachsystemen an, will im US-Markt ab 2008 wichtigster Anbieter werden. Um entsprechende Projekte auch bei weiteren japanischen Herstellern - Karmann baut bereits das Dach des Nissan Micra CC - an Land ziehen zu können, eröffnet der Dachsystemespezialist in der kommenden Woche ein eigenes Büro in Yokohama.

Weitere Wachstumsfelder von Karmann sind die Bereiche Betriebsmittelbau und Kleinstserien. Motto: Über eigene Innovationen zu neuen Aufträgen. So entwickelt das Unternehmen derzeit eine Lösung zum Transport von Ski in Cabrios. Das Umklappen der Rückbank ist dort aus Gründen der Karosseriesteifigkeit ein Problem. Bei den Kleinstserien sollen sich nach dem Anlauf der Produktion des Spyker Spider weitere Aufträge anbahnen. Harbig sieht die Zukunft der Auftragsproduktion von Karmann eher in Stückzahlbereichen von höchstens 20.000 Einheiten pro Jahr. Die Zeiten von Aufträgen über 50.000 Einheiten seien vorbei. Kleinere Brötchen werden auch beim Ausblick für das Geschäftsjahr 2007 gebacken: Finanzchef Karmann kalkuliert wieder mit einer schwarzen Null

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