Karmann votiert für Polen

Foto: Karmann

Update ++ Der Aufsichtsrat des Cabrio-Bauers Karmann hat sich nach Angaben des Betriebsrates am Mittwoch (21.6.) mit knapper Mehrheit für einen neuen Verdeckbau-Standort in Polen entschieden. Der Entscheidung war eine lange Diskussion in dem Gremium vorausgegangen.

Das Unternehmen selber wollte sich am Mittwoch nicht äußern. Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Bernd Lieberoth-Leden, werde erst am Freitag bei einer Pressekonferenz Stellung beziehen, sagte Unternehmenssprecher Christian Eick. Karmann produziert nach eigenen Angaben derzeit Dachsysteme in Osnabrück, Rheine (Nordrhein-Westfalen), den USA, in Mexiko und in Großbritannien.

Nach Gewerkschaftsangaben sollen künftig in Polen zwei Aufträge für Cabrioverdecke gefertigt werden. Zwar hat die Entscheidung keinen unmittelbaren Einfluss auf die Arbeitsplätze am Stammsitz in Osnabrück. Dennoch sehen die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat auf lange Sicht auch die Jobs im Inland in Gefahr. Die Kostenstrukturen in Polen seien erheblich besser als in Deutschland, hatte Karmann-Sprecher Eick im Vorfeld der Sitzung gesagt. Auch Betriebsrat und Gewerkschaft wiesen auf den enormen Preisdruck in der Autoindustrie bei der Vergabe von Aufträgen hin.

Langfristige Lösung für Osnabrück

Um die Verdeckfertigung in Osnabrück langfristig zu sichern, wolle der Betriebsrat einen Gutachter beauftragen, der die Kostenstruktur im Osnabrücker Verdeckbau mit der in Polen vergleichen soll, hieß es. Die Arbeitnehmerseite will ein Alternativkonzept erarbeiten, um den Standort in Osnabrück zu sichern. Nach den Worten von Betriebsratschef Harald Klausing gibt es durchaus Chancen, die Kosten in Osnabrück zu senken.

Nach Angaben von Betriebsratsmitglied Achim Bigus will die Arbeitnehmervertretung eine Garantie für den Verdeckbau in Osnabrück nun auch zum Thema bei den derzeit laufenden Verhandlungen um einen Sozialplan für 1.250 Beschäftigte machen. Eine solche Garantie sei Bedingung für eine Zustimmung zum Sozialplan, betonte Bigus. Wegen des schlechten Verkaufs des Sportwagens Chrysler Crossfire droht vor allem in der Sparte Fahrzeugbau in diesem Jahr noch ein größerer Stellenabbau.

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