Kia Ceed (2018): Fahrbericht, Preis, Marktstart

So fühlt sich das neue Kompakt-Modell an

Kia Ceed Kia Ceed Kia Ceed Kia Ceed 53 Bilder
Auto Salon Genf 2018

Generation 3 des Kia Ceed verspricht mehr Platz und Komfort, neue Motoren und automatisiertes Fahren. Wir haben den neuen koreanischen Kompaktwagen schon mal probegefahren.

Der VW up! hat sein Ausrufezeichen, die Mercedes A-Klasse ihren Bindestrich und der Kia Cee’d hatte das Apostroph. Dessen Bedeutung hatte eigentlich niemand so recht verstanden. Vielleicht ist es deswegen verschwunden, der Neue heißt jetzt nur noch „Ceed“. Der Einfachheit halber, wie Kia sagt. Und auch sonst ist beim Plattform-Bruder des Hyundai i30 einiges neu.

Kia Ceed wird breiter und tiefer

Kia Ceed 2018 Seite Foto: Wolfgang Groeger-Meier
Der Radstand bleibt derselbe (2,65 Meter), wobei sich der Frontüberhang um zwei Zentimeter verkleinert und der Hecküberhang um zwei Zentimeter vergrößert.

Der Ceed wächst 20 Millimeter in der Breite auf 1,80 Meter, duckt sich aber 23 Millimeter tiefer und kommt somit auf eine Höhe von 1,45 Meter. Der Radstand bleibt derselbe (2,65 Meter), wobei sich der Frontüberhang um zwei Zentimeter verkleinert und der Hecküberhang um zwei Zentimeter vergrößert.

Durch die zwei Zentimeter tiefere Karosserie und eine straffere Linienführung wirkt der neue Ceed tatsächlich sportlicher und schlanker als sein Vorgänger. Der Kühlergrill oder auch die „Tigernase“, wie Kia es nennt, ist wuchtiger und gibt der gesamten Modellpallette inklusive Sportage, Picanto, Venga und Co. ein Familiengesicht. LED-Tagfahrlicht ist beim Ceed Serie, erstmals nun auch bei den Rücklichtern. LED-Scheinwerfer stehen auf der Optionsliste.

Lenkradheizung und klimatisierte Vordersitze im Ceed

Kia Ceed 2018 Cockpit Foto: Wolfgang Groeger-Meier
In der höchsten Ausstattungslinie ist auf den ersten Blick wenig Hartplastik zu sehen.

Der Innenraum ist Kia-mäßig schlicht, das heißt schnörkellos. Auf den ersten Blick ist wenig Hartplastik zu sehen, wobei das ausgestellte Fahrzeug auch mit der höchsten Ausstattungslinie versehen war. Wie diese Linie heißen wird ist derzeit noch unklar, bislang hieß sie Platinum Edition. Im überwiegend schwarzen Cockpit fallen ein paar helle Akzente in mattiertem Chrom-Look ins Auge, wie zum Beispiel die Türgriffe, die untere Lenkradspeiche oder die Zierrahmen um die Belüftungsdüsen und um den Automatik-Wählhebel. Gegen Aufpreis ist ein JBL-Soundsystem erhältlich.

Mit der Bildschirm-Landschaft im Armaturenbrett hält es Kia im Ceed ebenfalls eher konservativ: Anstatt dem allgemeinen Trend zu unzähligen ineinander verschmelzenden Bildschirmen zu folgen, gibt es zwischen Drehzahlmesser links und Tacho rechts einen kleinen Bildschirm, der den Bordcomputer abbildet. Auf dem Armaturenbrett sitzt über der Mittelkonsole ein Touchscreen, je nach Ausstattungsvariante fünf bis acht Zoll groß.

Praktische Schnellwahltasten direkt unter dem Monitor führen mit einem Klick in Untermenüs wie „Media“, „Nav“ oder „Setup“. Gleich darunter finden sich die Steuerungstasten für die Klimaanlage, die je nach Ausstattungsvariante zusätzlich zu Sitz- und Lenkradheizung nun auch Symbole für die Belüftung der Vordersitze umfassen. Gegen Aufpreis ist auch eine beheizbare Frontscheibe erhältlich.

i30, Astra und 308 gegen Golf
Wer kann es mit dem Golf aufnehmen?

Ceed-Lenkrad hat weniger Tasten als zuvor

Auch wenn sich die Sitzbelüftungs-Funktion während der Sitzprobe noch nicht testen ließ, wirken die im Karomuster strukturierten Ledersitze bequem. Die mittelhohen Seitenwangen spenden auf den ersten „Sitz“ ausreichend Halt, ohne einzuengen.

Das recht schlanke Lederlenkrad hat nun „nur“ noch zwölf Tasten anstatt wie zuvor 14. Jeweils sechs liegen auf einer Seite und in greifbarer Fingernähe. Mit ihnen lassen sich Telefonfunktionen, Lautstärke und Sprachsteuerung (links) sowie Bordcomputer und Assistenzsysteme (rechts) anwählen.

Amazons Alexa nicht an Bord

Als Sprachassistent dient übrigens die Sprachsteuerung des gekoppelten Smartphones, die sich entweder via Apple Carplay oder Android Auto im Fahrzeug aktivieren lässt. Kleine Enttäuschung für Technik-Fans: Amazons Alexa ist im Ceed noch nicht am Start. Ein stärkerer Prozessor soll das Infotainment im Ceed jedoch schneller und zuverlässiger laufen lassen.

Kia Ceed 2018 Fond Foto: Wolfgang Groeger-Meier
Die beiden äußeren Sitze des Fond sind gegen Aufpreis ebenfalls mit einer Sitzheizung ausgestattet

Der Fond hat eine separate Belüftung sowie Sitzheizungen auf den beiden äußeren Sitzen. Kleine Menschen haben wie immer viel Platz, bei Mitfahrern über 1,80 Metern könnte die Kopffreiheit knapp werden.

Praktisch: In der Armlehne ist ein doppelter Getränkehalter integriert. Die Rückbank lässt sich im Verhältnis 60:40 umklappen.

Die Polsterung verhindert allerdings eine ebene Gesamtfläche. Der Kofferraum hat einen doppelten Ladeboden und fasst im Vergleich zum Vorgänger 15 Liter mehr (insgesamt 395 Liter). Damit übertrifft der Ceed den aktuellen Golf VII um 15 Liter.

Kia Ceed 2018 Kofferraum Foto: Wolfgang Groeger-Meier
Der Kofferraum fasst 395 Liter Volumen, die Rückbank des Ceed lässt sich im Verhältnis 60:40 umklappen.

Kia Ceed: 1.4 Liter Benziner als Sauger und Turbo

Zum Marktstart bringt Kia drei Benziner und einen Diesel in zwei Leistungsstufen. Wie schon in der zweiten Generation steht der Einliter-Turbo-Dreizylinder 1.0 T-GDi zur Wahl, der es im Ceed auf 120 PS bringt. Außerdem ersetzt ein neuer 1.4 T-GDI mit 140 PS den bisherigen 1.6-GDI-Sauger. Kia verspricht ein „lebhafteres Triebwerk“, da der neue Vierzylinder das Drehmoment aufgrund seiner Turboaufladung über einen weiten Drehzahlbereich zur Verfügung stellen soll. Als Einstiegs-Benziner ist ein 100 PS starker Saugmotor erhältlich (1.4 MPi).

Als Diesel steht aktuell der 1.6 CRDi mit Common-Rail-Einspritzung und entweder 115 oder 136 PS aber immer 280 Newtonmetern Drehmoment zur Verfügung. Die Selbstzünder sind mit einem SCR-System ausgestattet und erfüllen die Euro-6d-Norm. Kia will mit den Diesel-Motoren im neuen WLTP-Zyklus einen Kohlenstoffdioxid-Wert von unter 110 Gramm pro Kilometer erreichen.

Kia Ceed 2018 Doppelkupplungsgetriebe Foto: Wolfgang Groeger-Meier
Die stärkeren Motoren des Ceed sind auch mit einem 7-Gang-Doppelkuppungsgetriebe kombinierbar.

Serie ist ein Sechsgang-Handschaltgetriebe, der aufgeladene 1.4 Liter Benziner sowie beide Diesel-Varianten sind auch in Verbindung mit einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe erhältlich. Die Getriebe hat Kia vom Hyundai i30 übernommen. Wer das Doppelkupplungsgetriebe wählt, hat außerdem ein Drive Mode System an Bord, das zwischen einem normalen und einem sportlichen Fahrmodus unterscheidet. Der beeinflusst auch die Kennlinien von Gasannahme und Lenkung.

Eine rein elektrische Version des Ceed sei vorerst nicht geplant, erklärte Michael Cole, CEO von Kia Europe. Die Koreaner wollen den Kompakten im kommenden Jahr allerdings zusätzlich als Mild-Hybrid (48 Volt) auf den Markt bringen. Auch über einen Plug-in-Hybrid werde nachgedacht. Bislang hat Kia den Soul EV als reines Elektroauto im Angebot, noch in diesem Jahr soll auch der Niro mit E-Antrieb kommen.


Autonomes Fahren Level 2 als Option

Auch bei den Assistenzsystemen hat sich Kia ausgiebig am Hyundai-Regal bedient. Neben den standardmäßigen sieben Airbags sind serienmäßig auch ein Fernlichtassistent, Müdigkeitswarner, Spurhalteassistent mit haptischem Feedback im Lenkrad sowie ein Notbremsassistent an Bord. Ebenfalls serienmäßig ist auch eine Gegenlenkunterstützung, die beim Bremsen in Kurven die Fahrstabilität erhöhen soll.

Kia Ceed 2018 Lenkrad Foto: Wolfgang Groeger-Meier
Viele Assistenzsysteme sind im Ceed serienmäßig, optional gibt es erstmals einen Stauassistent, der autonomes Fahren auf Level 2 ermöglicht.

Ebenfalls auf Wunsch erhältlich ist neuer Stauassistent, den die Koreaner erstmals im neuen Ceed anbieten. Dieser soll autonomes Fahren auf Level 2 ermöglichen, indem er Fahrbahnmarkierungen erkennt und die Fahrspur hält. Das System orientiert sich außerdem am vorausfahrenden Verkehr, beschleunigt, bremst und lenkt zwischen 0 und 130 km/h selbstständig. Der Fahrer muss diese Vorgänge trotzdem weiterhin überwachen.

Weitere optionale Assistenzsysteme für den Ceed sind ein adaptiver Tempomat, Totwinkelassistent, Querverkehrswarner, Fußgängererkennung sowie ein Einparkassistent zum längs und quer Einparken.

Eco Pack von Kia sorgt für sparsameren Verbrauch

Ebenfalls erhältlich ist ein „Eco Pack“, dessen Luftklappen im Kühlergrill sich nur bei Bedarf öffnen lassen. Dies soll für einen optimierten Verbrauch sorgen. Eine erweiterte Unterbodenverkleidung sowie eine um fünf Millimeter tiefergelegte Karosserie sollen für bessere Aerodynamik sorgen. Michelin-Reifen mit niedrigem Rollwiderstand sind ebenfalls im „Eco Pack“ mit inbegriffen.

Kia Ceed im Fahrbericht

Obwohl sich an den Abmessungen kaum etwas geändert hat, wirken die Proportionen nun dynamischer. Und das spiegelt sich auch beim Fahren wider. Die nun zwei Zentimeter tiefere Sitzposition passt dank vielfältiger Verstellmöglichkeiten von Lenkung und Sitz für jede Statur, die Sitze selbst sind kräftig ausgeformt und geben in Kurven genügend Seitenhalt. Den kann man als Fahrer im Ceed gut gebrauchen, denn bei Agilität und Handling unterscheidet sich der Neue deutlich von seinem Vorgänger. Das beginnt schon bei der Lenkung. Sie ist viel direkter übersetzt, selbst in engen Kurven ist umgreifen kaum nötig. Zudem fühlt sie sich nicht mehr leichtgängig-synthetisch an, sondern bietet bei nicht zu viel Servounterstützung mehr Präzision und Rückmeldung. Gleichzeitig schiebt der Ceed in Kurven nicht mehr frühzeitig über die Vorderräder, sondern folgt dem gewählten Lenkwinkel lange neutral, ohne dass das ESP hart regulierend eingreifen muss.

Kia Ceed Foto: Kia
Deutlich dynamischer abgestimmt als sein Vorgänger: der neue Kia Ceed.

Diese Wandlung zum fahragilen Fronttriebler hat mehrere Ursachen. Die neue K2-Plattform samt steiferer Karosserie, dazu viele Detailänderungen am Fahrwerk – unter anderem neue Buchsen für Lenker und Stoßdämpfer, modifizierte Federraten, andere Stabilisatoren. Nach wie vor schraubt Kia jedoch vorn McPherson-Federbeine und hinten eine Multilenkerachse unters Auto. Doch die straffere Abstimmung geht nicht zu Lasten des Komforts. Zwar bekommen die Insassen durchaus mit, wie gut oder schlecht der gerade befahrene Asphalt beschaffen ist, doch groben Stößen nimmt die ausreichend sensibel ansprechende Federung die Spitzen.

Kia Ceed Foto: Kia
Stärkstes Treibwerk beim Ceed ist aktuell der neue 1,4-Liter-Turbobenziner mit 140 PS.

Arbeitsfreudige Motoren

Einen solchen Zuwachs an Dynamik kann die Motorenpalette zumindest zum Verkaufsstart nicht bieten. Stärkstes Treibwerk ist derzeit der neue 1,4-Liter-Turbobenziner mit 140 PS. Er ersetzt den 1.6 GDI-Sauger mit 135 PS und wartet mit deutlich mehr Drehmoment (242 statt 165 Nm) bei wesentlich niedrigerer Drehzahl (ab 1.500 statt bei 4.850/min) auf. Der aufgeladene Vierzylinder gefällt im Ceed mit guten Manieren, packt schon untenrum ordentlich zu und klettert motiviert die Drehzahlleiter nach oben, ist dabei aber trotz guter Dämmung kein Leisetreter. Ebenfalls mit einem Benzinpartikelfilter ist der 120 PS starke Einliter-Dreizylinder-Turbo, der sich munter ins Zeug legt und den Ceed subjektiv kaum weniger flott vorantreibt als der Vierzylinder, dabei aber naturgemäß anders klingt. Das trifft auch auf den neuen 1,6-Liter-Dieselmotor zu, wobei sich hörbares Nageln nur in abgemilderter Form in die Ohren der Insassen schleicht, solange der Motor noch nicht auf Betriebstemperatur ist. Ansonsten verhilft er in der gefahrenen Ausführung mit 136 PS dem Ceed ebenfalls zu flotten Fahrleistungen und unterstützt den dynamischen Charakter des Kia mit keineswegs dieseltypischer Drehfreude.

Kia Ceed Foto: Kia
Laut Redakteur Peter Wolkenstein legt der neue Kia Ceed die gröbsten Schwächen seines Vorgängers ab.

Teilautonomes Fahren gegen Aufpreis

Alle Motoren im neuen Ceed erfüllen die Grenzwerte der Euro 6d temp, und alle sind serienmäßig mit einem leicht und präzise schaltbaren Sechsganggetriebe ausgerüstet. Das bislang nur mit Dieselmotor angebotene Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DCT) gibt es künftig für die beiden stärksten Triebwerke, also erstmals auch für einen Benziner (1.4 T-GDI). Auf Schaltwippen am Lenkrad muss der Fahrer verzichten, der Wunsch nach manuellen Eingriffen kommt jedoch nicht allzu häufig auf. Meist legt das Getriebe unauffällig den richtigen Gang zum passenden Zeitpunkt ein. Ein per Tastendruck aktivierbarer Sportmodus ist an Bord, in dem das Getriebe früher zurückschaltet und die Lenkunterstützung abnimmt. Wer das DCT wählt, kann den Ceed als erstes Modell von Kia mit Stauassistent inklusive adaptivem Tempomat und aktivem Spurhalteassistent bestellen – und dem Ceed so im Berufsverkehr Bremsen, Anhalten, Beschleunigen und Lenken weitgehend überlassen. Beim ersten Ausprobieren funktioniert das durchaus zufriedenstellend.

Fazit

Kia hat an den richtigen Schrauben gedreht: Dank neuer, sauberer Turbobenzin- und -dieselmotoren, einem modernen Automatikgetriebe auch für den Benziner, einer großen Auswahl an Assistenzsystemen und einem deutlich agileren Fahrverhalten legt der Ceed mit dem Modellwechsel die gröbsten Schwächen des Vorgängers ab.

Neues Heft
Top Aktuell Renault-Nissan-Boss Ghosn verhaftet Vorwurf der Untreue
Beliebte Artikel 10/2018, Kia ProCeed auf dem Autosalon Paris 2018 Kia ProCeed GT und Ceed GT im Fahrbericht Shooting Brake optisch und fahrerisch knackig Kia Ceed Concept IAA 2017 Die Zukunft von Kia Ende der „Diesel-Hysterie“
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen Mansory Lamborgini Aventador S Mansory tunt Aventador S Carbon so weit das Auge reicht Lamborghini SC18 Alston Lamborghini SC18 Alston Einzelstück aus der Sportabteilung
Allrad 11/2018, DAMD Suzuki Jimny Little G Suzuki Jimny Tuning G-Klasse-Look für den Japan-Offroader Jeep Gladiator JT Pickup Jeep Wrangler Gladiator (2019) Erste Bilder durchgesickert
Oldtimer & Youngtimer Mercedes 280 SE 3.5 Cabriolet W111 (1970) Wiesenthal Mercedes-Auktion Wiesenthal Familiensammlung unterm Hammer Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Classic Carrera GT 13 Jahre alt, aber jetzt fabrikneu