Knaus Tabbert

Investor rettet Wohnwagenhersteller

Foto: Knaus Tabbert

Der insolvente Wohnwagen-Spezialist Knaus Tabbert wird von den für ihre Liebe zu den Camping-Mobilen berühmten Niederländern gerettet. Voraussetzung war eine Bürgschaft des Freistaats Bayern über 28 Millionen Euro.

Der niederländische Investor HTP übernimmt alle drei Werke des Unternehmens und sichert damit mehr als 1.000 Arbeitsplätze, davon 670 in den zwei deutschen Fabriken. Allerdings werden durch die Übernahme etwa 400 Mitarbeiter ihre Jobs verlieren, wie Insolvenzverwalter Michael Jaffé am Donnerstag (1.1.) am Unternehmenssitz im niederbayerischen Jandelsbrunn mitteilte.


HTP setzt auf Wachstum

Mit der Übernahme des Geschäfts zum 1. Januar durch die HTP Investments BV könne Knaus Tabbert die Produktion für die Saison 2009 bald wieder anlaufen lassen, sagte Jaffé. Vor der rund dreimonatigen Insolvenz hatte der Hersteller von Reisemobilen und Wohnwagen insgesamt mehr als 1.600 Beschäftigte, zuletzt arbeiteten noch rund 1.400 Männer und Frauen dort.

HTP kündigte an, Knaus Tabbert zu einem führenden Unternehmen auf dem europäischen Wohnwagen- und Wohnmobilmarkt machen zu wollen. "Wir verfolgen dabei eine Wachstumsstrategie, die sowohl auf organisches wie auf Wachstum durch Zukäufe setzt", erklärte Wim De Pundert von HTP. "Deshalb wollen wir an allen drei Standorten investieren." Das niederländische Unternehmen mit Sitz in Venlo ist auf die Übernahme von Betrieben in Umbruchsituationen spezialisiert. HTP hat etwa 8.000 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als zwei Milliarden Euro.

Bürgschaft vom Land Bayern

Die Niederlande sind der wichtigste Auslandsmarkt für die deutschen Wohnwagen-Hersteller: Im ersten Halbjahr ging nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes jeder vierte exportierte Camping-Anhänger in das Nachbarland.

Um den Verkauf zu ermöglichen, bot der Freistaat Bayern für ein Darlehen von 28 Millionen Euro eine Landesbürgschaft an. "Nur durch eine Bürgschaft, mit der die erforderlichen Kredite abgesichert werden, ist angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen eine Übernahmelösung möglich", begründete Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) laut Mitteilung die Bürgschaft.

Auch die hessische Landesregierung habe ihre Bereitschaft erklärt, eine Beitrag zur Rettung des Unternehmens zu leisten. Knaus Tabbert hat außer am Stammsitz im Bayerischen Wald zwei weitere Werke in Sinntal-Mottgers in Hessen und in Ungarn. Alle Fabriken werden von HTP weitergeführt. Der dritte Standort im ungarischen Nagyoroszi hatte bisher bereits profitabel produziert und ist von der bevorstehenden Rationalisierung kaum betroffen.

"Wir haben damit unser Ziel, den Erhalt aller drei Standorte der Knaus Tabbert Group und einer möglichst großen Zahl von Arbeitsplätzen erreicht", sagte Jaffé. Die Rettung des Unternehmens sei extrem schwierig gewesen, die Bemühungen hätten mehrfach vor dem Aus gestanden.

Jaffé hatte bis Ende Dezember mit drei möglichen Investoren parallel verhandelt. Die anderen Interessenten wollten die Werke allerdings nur pachten, HTP bot dagegen den Kauf an. Dies sei ein klares Bekenntnis zum Erhalt der Fertigung, erklärte Jaffé.

Das Unternehmen musste im Oktober Insolvenz anmelden, nachdem die Banken wegen schlechter Geschäftszahlen einen Übergangskredit für die Wintermonate verweigerten.

In Jandelsbrunn werden künftig 465 Mitarbeiter bei Knaus Tabbert arbeiten, in Mottgers werden es 205 sein. Auch alle Auszubildenden sollen übernommen werden. Knapp 100 Beschäftigte sollen zunächst einmal nur Zeitverträge erhalten. Laut Jaffé sei dies aber nur eine Option, um gegebenenfalls auf weitere negative Einflüsse der Rezession reagieren zu können. Ziel sei, diese Arbeitsverträge später in unbefristete umzuwandeln.

Die Knaus Tabbert Group GmbH war 2001 durch die Fusion der Konkurrenten Knaus und Tabbert (Sinntal) entstanden. Tabbert war bereits 1934 gegründet worden, und Knaus baute seit 1960 Camping-Fahrzeuge. Neben den weiterhin separat vertriebenen Marken Knaus und Tabbert gehören auch andere im Caravan-Bereich bekannte Marken wie Eifelland, Wilk oder Weinsberg zu der Unternehmensgruppe.

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