Der Identitätsverlust bei Mini

Verliert der Mini seinen Charakter?

Mini JCW, Seitenansicht Foto: Hans-Dieter Seufert 19 Bilder

Stefan Helmreich hat nichts gegen den Ausbau von Modellpaletten, solange der Kern der Marke authentisch bleibt. Mini hat das beim jüngsten Modellwechsel nicht geschafft - und wird die Quittung kriegen.

Aus unserem vornehmlich emotionalen Blickwinkel übersehen wir ganz gern mal einen wichtigen Aspekt: nämlich dass es der Automobilindustrie nicht ausschließlich um Bespaßung geht - weder um unsere noch um die der Kunden -, sondern, so tragisch das sein mag, auch ums Geldverdienen.

SUV eignen sich zum Beispiel noch immer hervorragend dazu. Bentley wird deshalb einen bringen, Lamborghini auch, und Porsche führt mittlerweile sogar schon deren zwei. Keine Frage, das muss keiner gut finden, selbst innerhalb der jeweiligen Unternehmen tun das längst nicht alle, aber man kann es verstehen - zumindest mit Blick auf Marktentwicklung und Verkaufsstatistik. Außerdem erfüllen solche Volumenmodelle auch noch einen anderen Zweck, einen sehr edlen sogar: Sie schützen und finanzieren den Markenkern. Im Klartext: So ein Cayenne verkauft sich zwar auch deshalb so prima, weil es einen 911er gibt, mit seiner Rendite stellt er andersrum aber auch sicher, dass es weiterhin noch einen 911er gibt.

Keine Marke ohne Werte

Eine Win-win-Situation? Nein, in Wahrheit ist es eine Abhängigkeit, und eine, die nur funktioniert, solange beide Seiten ihren Teil dazu beitragen: die Ikonen die Markenwerte, alle anderen das Volumen. Mit Mini gibt es jedoch einen Hersteller, der das anscheinend ganz anders sieht – und gerade mit Feuereifer an dem Ast sägt, auf dem mittlerweile eine ganze Horde an Modellen sitzt. Das Problem sind dabei nicht die ganzen Country- und Pacemänner, die man heutzutage – wie gesagt – wohl einfach fürs Überleben braucht. Das Problem ist der Mini selbst, der Dreh- und Angelpunkt, der nunmehr weder mini noch Mini ist.

Nicht falsch verstehen, es geht mir nicht darum, den Ur-Mini herbeizusehnen, da wird ja auch viel verklärt. Nein, es geht einzig und allein um seine Reinkarnation, den New Mini, der Sorgen bereitet – ernste Sorgen, und nicht nur uns Autotestern, sondern auch vielen, vielen Fans. Dabei ist er bis zuletzt so ein großartiges Auto gewesen, ein herzerfrischendes. Ja, er war nie ganz der Alte, wie sollte er auch, aber er war dessen perfekte Übersetzung in den Kontext des 21. Jahrhunderts. Klein, quirlig, zuckersüß und im Benehmen schon mal ein bisschen frech. Wie ein Gokart würde er fahren, haben einige Kollegen gern über ihn geschrieben, was grundsätzlich natürlich Käse ist, aber er fuhr wie ein Mini, fühlte sich so an und sah so aus.

Mini - Feeling geht bei aktuellen Modellen verloren

Letzteres gelingt – mit Abstrichen – auch der neuen dritten Generation, alles andere gelingt ihr nicht. Was stört, ist vor allem die Distanz zwischen Fahrer und Schnauze. Bis zuletzt klebte man direkt hinter der Scheibe, die Füße praktisch auf Höhe der Vorderachse, die Räder in greifbarer Nähe. Und jetzt plötzlich geht der Mini auf Abstand: Die Knollennase, die klobigen Zweilitermotoren der Sportversionen, die unförmige Viertür-Version – all das könnte man ihm womöglich noch verzeihen. Nur verlagerte man auch die Fahrersitzposition, und zwar nach hinten, sodass du dir darin nun wie – und das ist der Punkt – in jedem anderen stinknormalen Kleinwagen vorkommst.

Freilich gibt es Gründe dafür: gleichteilpolitische, plattformstrategische und infolgedessen betriebswirtschaftliche, nur dürfen die nicht zum Selbstzweck werden. Konkret: Mini teilt sich mit den künftigen BMW 1er-Modellen die Architektur. Und auch wenn das zunächst wie eine rentable Maßnahme aussieht, kostet es die Identität – für beide Seiten, aber mit unterschiedlichen Folgen. Für den 1er ist das – in Anführungszeichen – nur der Hinterradantrieb. Klar, dessen Wegfall wird Gezeter geben, doch das wird sich legen. Für den Mini ist Identität jedoch Existenzgrundlage – und deshalb muss sie schleunigst wieder her.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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