Kommentar zu SUV-Assistenzsystemen

Schöne, neue Welt

Land Rover Discovery Vision Concept Foto: Land Rover 9 Bilder

Glauben wir den Marketingstrategen, dann werden wir bald nur noch virtuell ins Gelände fahren. Eine gruselige Vorstellung.

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Laserstrahlen vermessen die Wassertiefe einer bevorstehenden Flussdurchquerung. Kamera-Augen blicken angestrengt in jeden Winkel rund um das Auto, derweil sich eine Meute von Steuercomputern darüber austauscht, ob vorne rechts jetzt doch nicht besser noch drei Newtonmeter Drehmoment extra zugeteilt werden sollten. Ohne jedes Zutun schließen und öffnen sich Differentialsperren, greifen die Radbremsen einzeln ein. Wir geben per Knopfdruck ein Tempo vor und der Wagen fährt bergauf, bergab, einfach so. Demnächst können wir dabei auch Zeitung lesen, denn selbst das Lenken wird von einem Assistenten übernommen.

Die Offroad-Assistenzsysteme werden immer absurder

Das ist nicht nur Zukunft, sondern zum größten Teil bereits Gegenwart. Die Hersteller von Offroadern versuchen sich gegenseitig mit immer absurderen Assistenzsystemen zu übertreffen. In Zeiten, in denen Design, Qualität oder Leistung der verschiedenen Marken immer weniger Unterscheidungsmerkmale bieten, sollen es die Assistenzsysteme richten, je mehr Dreibuchstaben-Kürzel an Bord sind, desto besser.
 
Die Hersteller befinden sich momentan auf einem ausgesprochen breiten Holzweg. Sie versuchen, die Assistenzeritis aus dem Straßenbetrieb auch ins Gelände zu transportieren. Was im Straßenverkehr aus Sicherheitsgründen eventuell durchaus Sinn ergibt, ist im Offroad-Betrieb zum Teil bestenfalls hochgradig albern. Wer kognitiv so große Defizite hat, dass man ihm eine „durchsichtige Motorhaube“ in die Windschutzscheibe projizieren muss, dem könnte mit einem der üblichen Geländewagen-Fahrlehrgänge sicher mehr geholfen werden.
 
Doch künftig, so die neueste Idee eines Herstellers, werden wir den Geländewagen auch aus sicherer Entfernung per Smartphone-App über Hindernisse steuern können, wenn uns eine Hügelformation zu gewagt erscheint, um im Fahrzeug sitzen zu bleiben. Wer den hippen Drohnen-Piloten allerdings anschließend seinem Auto hinterherträgt, ist noch nicht geklärt, zu Fuß gehen scheint ja eher ausgeschlossen.

Einfach mal aussteigen

Denn ansonsten könnte man ja das tun, was Generationen von Geländewagenfahrern völlig selbstverständlich praktizierten und praktizieren. Aussteigen, Situation erfassen, bei Bedarf auch einmal eine Wasserdurchfahrt zu Fuß durchqueren (Vorsicht, reale Welt, nasse Füße nicht ausgeschlossen). Eben die Lage einschätzen und anschließend die Fahrweise darauf einstellen, völlig analog und ohne Elektronik-Assistenz.
 
Insofern unterscheiden wir Geländewagen(!)-Fahrer uns gar nicht so sehr von den Kollegen aus der Sportwagen-Fraktion. Wir hätten gerne einfach aufgebaute, leichte, zuverlässige und stabile Fahrzeuge. Keinen Overkill an Elektronik und keine drei Tonnen schweren Sänften mit virtueller Steuerung vom Sofa aus, denen mit mehreren hundert PS eine gewisse Restdynamik appliziert wird.
 
Aber diese Zeiten sind wohl leider, mit ganz wenigen Ausnahmen, vorbei.

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