Korruptionsskandal

VW zeigt Faurecia-Chef an

Foto: Faurecia

Der Korruptionsskandal in der Autoindustrie spitzt sich zu. VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder fordert nun die Ablösung des in die Affäre verwickelten Chefs des
französischen Zulieferers Faurecia, Pierre Lévi.

Laut "Spiegel online" teilte Pischetsrieder Jean Martin Folz, dem Chef der Faurecia-Mutter PSA, in einem Brief mit, dass der VW-Konzern nicht mehr mit Lévi zusammenarbeiten werde. Ein VW-Sprecher in Wolfsburg bestätigte am Mittwoch (26.7.), Pischetsrieder habe "vor einiger Zeit" im Fall Faurecia einen Brief an Folz geschrieben. Auch eine PSA-Sprecherin bestätigte, Folz habe einen Brief aus Wolfsburg bekommen und darauf geantwortet. Zum Inhalt des Briefwechsels wollten sich beide Unternehmen nicht äußern.

Nach Informationen der "Frankfurter Rundschau" soll Lévi bereits ein Geständnis abgelegt haben. "Wie es heißt, hat Lévi frühzeitig von den illegalen Praktiken gewusst, ist aber bis zu den Ermittlungen der Justiz nicht aktiv geworden", berichtet die Zeitung in ihrer Donnerstagausgabe. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft habe die Vorwürfe gegen Lévi weder bestätigen noch dementieren wollen. Auch "Spiegel online" berichtete unter Berufung auf Ermittlungen der Staatsanwälte, Lévi sei über Schmiergeldzahlungen seines Unternehmens an Einkäufer von VW, Audi, Seat, Ford und BMW informiert gewesen. Den Ermittlern liege unter anderem ein handschriftliches Fax vor, in dem ein Faurecia-Manager Lévi über die Zahlungen informiert hatte.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Focus" steht Lévi kurz vor dem Rücktritt. "Es ist eher eine Frage von Stunden als von Tagen", zitiert ”Focus online" einen Faurecia-Manager. Eine PSA-Sprecherin wollte dies nicht kommentierten.

PSA-Chef Folz sagte in Paris, sein Unternehmen wolle vollständig mit den deutschen Ermittlern zusammenarbeiten. PSA (Peugeot, Citroën) hält 71,5 Prozent der Anteile an Faurecia. VW ist nach PSA einer der wichtigsten Auftraggeber von Faurecia. Der Zulieferer hatte 2005 rote Zahlen geschrieben.

Jährlich Schmiergelder in sechstelliger Höhe

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt wirft Faurecia vor, seit 1998 Schmiergelder im Umfang von zuletzt 600 000 bis 800 000 Euro jährlich an mehrere Mitarbeiter der Einkaufsabteilungen von deutschen Automobilkonzernen gezahlt zu haben. Im Gegenzug soll Faurecia bei der Auftragsvergabe bevorzugt worden sein.

In dem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Frankfurt stehen 20 Beschuldigte von Zulieferfirmen und von Autokonzernen im Visier, darunter zwei Einkaufsleiter von VW und ein Mitarbeiter der Tochter Audi. Ein VW-Einkaufsleiter ist inzwischen ausgeschieden, ein anderer beurlaubt. Die Ermittlungen sollen sich auch gegen Faurecia-Chef Lévi richten.

Unterdessen stellte VW Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt. Die Anzeige richte sich gegen "alle möglichen zum Nachteil der Volkswagen Aktiengesellschaft handelnden Personen wegen aller in Betracht kommenden Straftaten", teilte VW in Wolfsburg mit. Pischetsrieder sagte, VW dulde "keine illegalen Machenschaften" und gehe mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen jeden vor, der Recht und Gesetz verletze und dem Unternehmen schade. "Das gilt
sowohl für Mitarbeiter unseres Hauses als auch für die unserer Geschäftspartner."

Pischetsrieder sagte, VW stelle sich schützend vor die vielen tausend Mitarbeiter und Geschäftspartner, die jeden Tag ihre Arbeit professionell und ohne jeden Tadel verrichteten. "Gegen die wenigen schwarzen Schafe aber, die mit teils hoher krimineller Energie dem Unternehmen wirtschaftliche Nachteile zufügen, werden wir mit aller Härte vorgehen."

Ermittlungen gegen BMW-Mitarbeiter

Neben der Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt auch die Staatsanwaltschaft München wegen des Verdachts auf Bestechung, und zwar gegen insgesamt vier Faurecia-Mitarbeiter - einer in München, einer im niedersächsischen Stadthagen sowie zwei in Frankreich. Es sollen, vermutlich über mehrere Jahre hinweg, Summen im "sechsstelligen Bereich" geflossen sein, wie Oberstaatsanwalt Anton Winkler sagte.

In diesem Zusammenhang ermittelt die Staatsanwaltschaft München wegen Korruptionsverdachts bereits seit längerem auch gegen zwei ehemalige BMW-Mitarbeiter. Einer von ihnen, ein früherer Einkaufsmanager des Autobauers, ist noch immer in Untersuchungshaft. Dabei geht es um mögliche Schmiergeldzahlungen auch von Faurecia.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft will das Ermittlungsverfahren gegen Faurecia an einem Ort bündeln. "Es laufen Gespräche zwischen der Münchner Staatsanwaltschaft und uns über die Zusammenlegung des Verfahrens", sagte Oberstaatsanwalt Thomas Bechtel in Frankfurt.

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