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Kostenloser Nahverkehr für saubere Luft in Städten

Kommunen kalkulieren mit Milliarden

Stadtbahn U-Bahn ÖPNV Bahn und Bus Foto: A. Of 24 Bilder

Gratis Bus und Bahn fahren – die Reaktionen auf die Idee der geschäftsführenden Bundesregierung sind ganz unterschiedlich. Ein Überblick.

14.02.2018 Andreas Of Kommentare

Fünf Städte sollen den Nahverkehr kostenlos anbieten: In Bonn, Essen, Herrenberg, Reutlingen und Mannheim sollen Bürger Bus und Bahn nutzen können, ohne einen Fahrschein zu bezahlen. Mit dieser Idee wollen Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), Verkehrsminister Christian Schmidt (CSU) und Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) die Luftverschmutzung in Städten reduzieren und Brüssel besänftigen. Denn die EU-Kommission „könnte vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) klagen, sollte Deutschland die Luftqualität in den Städten nicht verbessern. Letzte Konsequenzen könnten Fahrverbote sein“, schreibt Spiegel Online.

Zu den Maßnahmen, die Hendricks, Schmidt und Altmaier in einem Brief an EU-Umweltkommissar Karmenu Vella schickten, gehören laut Politico auch Niedrigemissionszonen für Schwerlastverkehr und limitierte Fahrverbote.

Die Idee: kostenlos Bus und Bahn fahren

Messstelle am Neckartor, Stuttgart Stickoxid und Feinstaub 2017 Luft-Studie: besser, nicht gut

Für Aufsehen und ganz unterschiedliche Reaktionen sorgte jedoch die von Piraten und Linken bekannte Idee, eines kostenlosen Nahverkehrs. Denn der sei keinesfalls gratis zu haben: Der Hamburger Verkehrsverbund HVV etwa hat 2017 für 830 Millionen Euro Fahrkarten verkauft. „Das ist etwa eine Elphi pro Jahr“, sagte ein Sprecher. Die Elbphilharmonie hat etwa 800 Millionen Euro gekostet.

Die Kosten: eine Elbphilharmonie pro Jahr

Teuer und langwierig könnte auch das Schaffen zusätzlicher Kapazitäten werden: Schon jetzt befördere der HVV 770,5 Millionen Fahrgäste pro Jahr. Würde diese Zahl steigen, müssten neue Fahrzeuge und Strecken her, auch das kostet Geld. Der Verband deutscher Verkehrsunternehmen rechnet mit Kosten von zwei Milliarden Euro pro Jahr. Dazu kämen Investitionen in neue Busse und Bahnen.

Die Reaktionen: skeptisch

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) fordert für den kostenlosen Nahverkehr Geld vom Bund und vermutet eine Nebelkerze. Er sei ebenso überrascht von der Idee wie der Deutsche Städtetag, schreibt Spiegel Online. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter bezeichnete die Idee laut Spiegel Online als „vage“ und „Gaukelei“. Der Bonner Oberbürgermeister Ashok Sridharan forderte mehr Busse und Bahnen.

Skeptisch zeigte sich laut n-tv der Präsident des Verbandes kommunaler Unternehmen und Oberbürgermeister von Mainz, Michael Ebling: „Der Bund muss sagen, wie er so etwas bezahlen möchte.“ Allerdings nannte Ebeling die Idee auch eine „visionäre Vorstellung, die auf jeden Fall mehrere Testballons braucht.“

Die Praxis: mit Schwierigkeiten

In der estnischen Hauptstadt Tallin wird der kostenlose öffentliche Nahverkehr schon getestet. Dort seien zwar weniger Autos auf den Straßen, allerdings würden auch Fahrradfahrer umsteigen. Die nötigen Kapazitätserhöhungen durch die vielen Umsteiger habe die Stadt nicht finanzieren können, schreibt Spiegel Online. In der US-Stadt Portland, die den kostenlosen Nahverkehr 2012 einstellte, hätten ebenfalls Finanzierungslücken die Busse ausgebremst.

Sehen Sie in der Galerie: Die 2017er Ergebnisse der Schadstoff-Messstationen in deutschen Städten

Neuester Kommentar

Infrastruktur kostet Geld, in Skandiavien ist man in grossen Städten schon seit Jahren erfolgreich mit einer Innenstadtmaut, Können die Skandinavier besser denken oder an was liegt es,
dass unsere Politiker nur noch zu spät zu extremen Lösungen kommen.
Öfter mal übern Zaun gucken hilft !

dietmarseyerle 18. Februar 2018, 14:48 Uhr
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