auto motor und sport Logo
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Studie zur Elektromobilität von KPMG

CEOs sind sich einig: "Das E-Auto wird scheitern"

BMW i3, Mercedes B-Klasse Electric Drive, VW e-Golf, Frontansicht Foto: Arturo Rivas 43 Bilder

Viele Bosse der größten Autokonzerne der Welt sind sich sicher: Das batterie-elektrische Auto hat, so wie wir es jetzt kennen, keine Zukunft. Das besagt eine Studie von KPMG. Doch warum sollten Elektroautos scheitern, gerade jetzt?

10.01.2018 Roman Domes

Eine sehr umfangreiche Studie der Unternehmensberatung KPMG zeigt, was viele vielleicht schon vermutet haben: Nicht einmal die Chefs der größten Autokonzerne der Welt glauben an das Elektroauto.

Infrastruktur als größtes E-Auto-Problem

Es sind jedoch nicht die Reichweite oder der Preis, die dem E-Auto im Weg stehen. Sondern die Infrastruktur. Insgesamt 72 Prozent der 229 befragten hochrangigen Manager glauben, dass das Elektroauto deshalb scheitern wird. Mit „Infrastruktur“ ist das Ladenetz gemeint, sprich die Anzahl an Ladesäulen in einem bestimmten Umkreis. Zwar läuft der Ausbau in Großstädten und an Autobahn-Rastplätzen, ländliche Regionen werden allerdings benachteiligt.

Doch Infrastruktur meint mehr als nur den Ausbau mit Ladestationen: Es geht auch um die Energieversorgung an sich, um die Furcht vor sogenannten „Black Outs“, wenn zum Beispiel alle E-Auto-Besitzer abends ihr Fahrzeug laden wollen und das Stromnetz an seine Grenzen kommt.

Filtert man nach westeuropäischen Managern von Unternehmen mit mehr als einer Milliarde Euro Umsatz, sind es immer noch noch 70 Prozent, die eine fehlende Infrastruktur für das künftige Scheitern von E-Autos verantwortlich machen.

Kommt der „Battery Swap“ zurück?

KPMG hat auch Lösungsvorschläge für die genannten Schwierigkeiten. Zum Beispiel einen ausgewogenen Mix zwischen „zuhause aufladen“ und „während der Arbeit aufladen“, beziehungsweise „unterwegs aufladen“. Zusätzlich müsse in Erwägung gezogen werden, induktives Laden für E-Autos anzubieten und nach Lösung zu suchen, die Wind- oder Sonnenenergie schneller nutzbar machen. Nur so könne man schaffen, die punktuelle Last vom Stromnetz zu nehmen.

Eine weitere Möglichkeit, den Ladevorgang für den Kunden attraktiver zu gestalten, wurde schon einmal getestet: Das Unternehmen aus Israel hieß „Better Place“ und versuchte, den Batterietausch („Battery Swap“) bei E-Autos zu etablieren. Vielleicht war der Zeitpunkt falsch gewählt: Better Place wurde 2007 gegründet und meldete 2013 Insolvenz an.

Der chinesische Hersteller „NIO“ bietet jedoch genau das wieder an: einen Tausch der gesamten Batterie in wenigen Minuten. Das ändert nichts daran, dass die getauschen Akkus wieder geladen werden müssen, erspart aber dem Kunden eine Menge Zeit. 60 Prozent der Manager sind der Meinung, dass der Ladevorgang/Tausch bei einem E-Auto nicht länger dauern dürfte als das konventionelle Betanken mit Sprit.

FCEV besser als BEV?

Bleibt noch die Frage zu beantworten, was die Zukunft ist: reine batteriebetriebene Elektro-Autos (BEV) oder solche, die mit einer Brennstoffzelle Strom erzeugen (FCEV)? FCEV haben in den vergangenen Jahren wieder an Wichtigkeit gewonnen, nachdem sie manche schon abgeschrieben hatten.

Mehr als 75 Prozent aller Manager glauben, dass das FCEV dem BEV zumindest teilweise überlegen sei und letztlich der Durchbruch für Elektrofahrzeuge sein wird. Weiterhin vermutet man in den Chefetagen, dass beide Gattungen eine Zeit lang parallel existieren werden bis sich eine der beiden Technologien durchsetzt.

Toyota Mirai im TestBrennstoffzelle im Alltag

Die Brennstoffzelle hat einen großen Vorteil gegenüber batteriebetriebenen E-Autos. Der Wasserstoff, der zum Betrieb von FCEV nötig ist, kann relativ einfach transportiert und in Tanks gespeichert werden – so wie heute Benzin. Die Gewinnung ist aufwendig und auch nicht gerade energiesparend, aber geht es um das „Erlebnis beim Nachtanken“, kommen die FCEV den konventionellen Verbrenner-Autos nahe. Doch es gibt ebenso einige Nachteile: Die Brennstoffzelle ist noch lange nicht so etabliert wie Elektroautos mit normalen Batterien. Hinzu kommen die hohen Produktionskosten für den Antrieb.

Ein Trend setzt sich fort: Auch 2017 sahen die weltweiten Auto-Bosse ein deutsches Unternehmen als Spitzenreiter bei der Elektromobilität: BMW. Tesla folgt auf dem zweiten Platz, während sich BYD (Build Your Dream) aus China vom zehnten auf den dritten Rang katapultierte.

In der Bildergalerie stellen wir Ihnen alle Elektroautos und Hybride vor, die für die Förderprämie der Bundesregierung zugelassen sind.

Neuester Kommentar

2018 02 18

Sehr interessanter Artikel. Was mich sehr, sehr verwirrt:
Im Artikel wird das Elektroauto fleissig gebasht und rechts in der netten
Werbeleiste las ich neben Fossilwerbung unter anderem:

o Neues VW-EMobilitätsressort entsteht
o Fisker EMotion 2019 Sitzproben werden schon beworben
o Porsche Mission E Werbung
o Hyundai Kona Elektro kommt 2018
o Hyundai Ionic Elektroauto hat 1 (EIN) Jahr Wartezeit

Ja sag einmal - sind die Manager bei VW, Porsche, Hyundai etc. alle Volltrottel
dass sie bewusst auf das falsche Pferd - ähh - Antriebskonzept setzen?

Oder ist es doch so dass hier ein Sektor im kommen ist der sich auch durch noch so
heftiges Pfeifen im Wald nicht mehr bremsen lässt?

Ich erinnere mich mit ganz schön viel Amusement an den 36-Minuten-Vortrag vom
Zukunftsforscher Lars Thomsen bei einer AVL-Tagung vor etwa fünf Jahren, wo er das
Losbrechen des Elektroautosektors vorausgesagt hat.
(In YouTube unter genannten Suchbegriffen noch aufrufbar)

Und das Geheule und Gesudere der deutschen Automanager in China 2017 um die Elektroautoquoten zu
verhindern war so was von peinlich dass ich heute noch rot werde wenn ich daran denke.

Aber was solls: Auch die Kutschenbauer werden vor 100 Jahren versucht haben das Automobil zu
verhindern.

Und es ist mir die Erzählung erinnerlich dass am Anfang der Automobilität im Ortsgebiet jemand
eine rote Warnflagge schwenkend vor dem Auto hergehen musste um vor dieser Gefahr zu warnen.

Beim Elektroauto ist ja nur irgendein elektronisches Geräusch bei Schleichfahrt zur Warnung
vorgeschrieben, ich bin schon auf die Leute gespannt die sich darüber aufregen.

Wir werden sehen was die nächsten Jahre bringen, hoffen wir dass wir auch auf dem
Elektroautosektor stark bleiben, also die intelligenteren Manager an dieser KPMG-Studie
hoffentlich nicht teilgenommen haben, sonst müsste ich mir ganz große Sorgen machen um die
Arbeitsplätze in der europäischen Autoindustrie und ihren Zulieferern.

Kranawetter Sepp 18. Februar 2018, 19:25 Uhr
Neues Heft
WhatsApp Newsletter
WhatsApp Newsletter
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden