Le Mans-Vorschau GTE-Klasse

Die Favoritenfrage

AF Corse - Ferrari 458 Italia - 24h-Rennen - Le Mans 2014 - Qualifikation - GTE-Klasse Foto: xpb 15 Bilder

Wer hat in der GTE-Klasse die Nase vorne? Nach dem Zeittraining könnte man die Frage relativ klar beantworten: Ferrari. Doch die Italiener haben nur ein stark besetztes Auto am Start, ebenso wie der im Zeittraining drittplatzierte Aston Martin. Diesen beiden Solisten stehen mit Corvette und Porsche zwei Zweiwagen-Werksteams gegenüber, deren Übermacht nicht nur quantitativ zu begründen ist.

Die Rundenzeiten aus dem Zeittraining sprechen nicht die volle Wahrheit. Porsche beispielsweise hatte am Donnerstag schlicht Pech – oder einen schlechten Tag. Trotz des sechsten und siebten Startplatzes in der GTE-Pro-Klasse und einem Rückstand von gut zwei Sekunden auf die Ferrari-Pole-Zeit wird man mit Porsche im Rennen rechnen müssen. Das Qualifying wurde bei einem Auto durch einen Unfall kompromittiert, beim anderen durch einen weiteren Antriebswellenschaden, der jedoch in der Tat für Alarmstimmung bei der Zuverlässigkeit sorgen sollte.

"Wir haben durch diese Umstände leider nicht unsere volle Performance zeigen können", so Teamchef Olaf Manthey. Bei Porsche geht man davon aus, dass im optimalen Fall eine Rundenzeit von 3.54 Minuten drin gewesen wäre – was für einen zweiten oder dritten Startplatz gereicht hätte.

Porsche geht zuversichtlich ins 24h-Rennen

Abgesehen von den Antriebswellenschäden ist man bei Porsche zuversichtlich, was die Haltbarkeit betrifft. Doppels-Stints auf einem Reifensatz sind machbar, eventuell auch Triple-Stints, wenn es nicht zu heiß ist. Bei der Reichweite liegen alle vier Wettbewerber mit 14 Runden auf dem gleichen Niveau.

Zwei Sachen machen Porsche Sorgen: die Ferrari-Zeiten sind sehr gut, so gut, dass man befürchten muss, die FIA sei bei der Homologation des neuen Le-Mans-Ferrari-Kits eventuell einen Schritt zu weit gegangen. Und zweitens erscheint es offensichtlich, dass Aston Martin auf einmal bei den Topspeedwerten Anschluss gefunden hat. Die Theorie lautet schon seit dem Start der Saison, dass Aston Martin wegen des großen Restriktors mit dem Power-Mapping für den Motor einen bekömmlichen Spielraum hat. Mit dem Mapping könnten die Briten den Drop bei der Reifennutzung sozusagen überspielen, indem man mehr Power im zweiten oder dritten Stint mit einem Reifensatz freigibt.

Als Hauptgegner hat man bei Porsche Corvette identifiziert. Das amerikanische Werksteam bringt wie Porsche zwei gleich stark besetzte Rennwagen an den Start, während Ferrari und Aston Martin nur über ein jeweils gut besetztes Auto verfügen. "Bei zwei Autos kann man die Setup- und Reifenabstimmungsarbeit im Training ebenso splitten wie die Strategie im Rennen", sagt Olaf Manthey. Diesen Vorteil werden diese beiden Teams sicher zu nutzen wissen.

Corvette C7.R schnell und zuverlässig

Auch bei Corvette hat man primär Porsche auf der Rechnung. Die neue Corvette C7.R ist schnell und zuverlässig, und schafft dank Direkteinspritzung auch 14 Runden. Im Zeittraining tauchten allerdings Probleme bei der Reifennutzung auf. Ein Werksfahrer enthüllte: "Ich kann mir nicht vorstellen, wie irgendein Wettbewerber in diesem Feld mit den aktuellen GTE-Reifen Dreifachstints fahren will."

Ferrari ist der einzige Kandidat, der theoretisch mit einer Tankfüllung sogar 15 Runden schaffen könnte, aber der Benefit scheint zu gering, um es wirklich anzustreben. Bei den Slick-Reifen sind die Italiener sortiert, aber sie fürchten den Regen: "Die Regenreifen funktionieren auf unserem Auto überhaupt nicht, und wir wissen nicht, warum", so ein Ingenieur bei AF Corse. Aston Martin schafft nach langem Hin und Her nun doch 14 Runden, dafür musste der Tank durch Anbauteile vergrößert werden.

Power haben die Briten dank der großen Restriktoren genug, und beim Reifenverschleiß waren sie schon immer sehr gut. Aber bei Ferrari und Aston Martin bleibt ein großes Problem: Mit nur einem Auto kann aus einem Siegkandidat schnell ein Totalausfall werden. "Ich glaube, man braucht ein gutes Auto und ein Zweiwagenteam, um hier zu gewinnen", so Corvette-Teamchef Doug Fehan.

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