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Leichtbau bei Audi

Interview mit Lutz-Eike Elend

„Wir nutzen die Prinzipien der Bionik“

Interview mit Lutz-Eike Elend, Leiter des Audi-Leichtbauzentrums, über die Natur als Lehrmeister.

Das Problem kennt wahrscheinlich jeder, der sich zuhause hin und wieder auf die Waage stellt: Leichter zu werden ist verdammt schwer. Was inspiriert Sie beim Bau neuer und gewichtsreduzierter Automobile?

Elend: Für uns ist die Natur die größte Inspiration und gleichzeitig der beste Lehrmeister. Schauen Sie sich einen Vogel an: Die Knochen sind hohl, das Skelett macht nur acht bis neun Prozent der Gesamtmasse aus – ein echtes Leichtbau-Wunder.

Gibt es folglich bald auch fliegende Autos von Audi?

Elend: Nein, darum geht es nicht. Unser Credo lautet: der richtige Werkstoff am richtigen Ort, und dies nur in der notwendigen Menge. Auf diese Weise gelingt es uns, unsere Audi-Modelle möglichst leicht und nicht nur dynamisch zu machen. Der Multimaterial-Mix sorgt auch dafür, dass unsere Autos immer effizienter werden und zugleich bezahlbar bleiben.

Apropos bezahlbar: Was halten Sie vom Hype um den Werkstoff CFK, also kohlefaserverstärkten Kunststoff?

Elend: Als faserverstärkter Kunststoff zählt Carbon zu den Materialien, die neben Stahl, Aluminium und Magnesium den Fahrzeugbau in Zukunft bestimmen werden. Schon heute findet sich CFK in unserem Supersportwagen Audi R8 wieder. Wir arbeiten intensiv daran, Verfahren für die automatisierte Verarbeitung der Fasern und für das Recycling zu entwickeln. Das sind die entscheidenden Schlüssel für den künftigen Einsatz in der Großserie. Auch hier gilt: Leichtbau ist kein Selbstzweck, sondern muss sich am Nutzen für Fahrdynamik und Umwelt messen lassen.

Wie leicht kann ein Serienauto unter der Verwendung künftiger Techniken denn werden?

Elend: Mit dem Audi TT Ultra Concept gibt es eine aktuelle Technikstudie, die beweist: Mit dem optimalen Materialmix ist ein Gesamtgewicht von weniger als 1000 Kilogramm möglich – natürlich unter Berücksichtigung der Anforderungen an Komfort und Sicherheit, die auch bei uns im Leichtbau eine zentrale Rolle spielen.
Und dann sind da noch die Herausforderungen der Elektromobilität.

Welche Aufgabe kommt der Karosserie künftig im Gesamtfahrzeug zu?

Elend: Die Karosserie ist das integrative Element jedes Automobils. Als solches wird sie in Zukunft zusätzliche Aufgaben übernehmen. Diese reichen von einzelnen Funktionen bis hin zur Integration ganzer Systeme, beispielsweise des Tanks oder des Fahrwerks. Auch die Treibhausgas-Gesamtbilanz und die Ressourcenschonung werden künftig eine zentrale Rolle spielen. Hier arbeiten wir aktuell unter anderem am Recycling von Materialien und an CO2-neutralen Kunststoffen. Sie sehen: Leichtbau bedeutet weit mehr, als nur die Kilos zu zählen.

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