Lewis Booth

"Unsere Werke sind ausgelastet"

Foto: Ford

Interview mit Ford-Europa-Chef Lewis Booth über Sanierung, Synergien und Absatz.

Herr Booth, die Restrukturierung von Ford in Europa kommt in die Gänge. Im ersten Halbjahr 2007 haben Sie einen Vorsteuergewinn von 481 Millionen Dollar erzielt, während Ford in Nordamerika immer noch dicke Verluste einfährt. Wie geht es weiter?
Booth: Wir sind in Europa auf dem richtigen Weg. Im Mittelpunkt der Sanierungsstrategie stehen aufregende Produkte, wie wir sie auch auf der IAA zeigen werden - etwa der Kuga und das Ford Verve-Konzeptmodell.

Welche europäischen Modelle wollen Sie in die USA exportieren?
Booth: Ford-Chef Alan Mullaly ist gerade dabei, Synergien zwischen den einzelnen Regionen zu identifizieren. Sein Ziel ist es, die Zusammenarbeit voranzutreiben. Ein breiter Export aus Europa in die USA ist bei der derzeitigen Euro-Stärke zum US-Dollar sicher kein Bestandteil dieser Strategie. Allerdings eröffnet die auf der IAA vorgestellte Studie des Ford Verve eine Serie von drei Konzeptfahrzeugen, die auf den Schlüsselmärkten Europa, Asien und Nordamerika ihre Premiere feiern werden. Auf den Markt kommt der neue Kleinwagen Mitte 2008. Binnen zwölf bis 18 Monaten wird er weltweit verfügbar sein.

Warum lohnt es sich für General Motors Europe, in Westeuropa produzierte Modelle in die USA zu exportieren - und bei Ihnen nicht?
Booth: Wir können uns im Gegensatz zum Wettbewerb nicht über schlecht ausgelastete Fabriken beklagen.

Wo liegt Ihre Kapazitätsauslastung denn derzeit?
Booth: Unsere Kapazitätsauslastung liegt derzeit bei rund 100 Prozent. Unsere Werke in Europa sind voll ausgelastet.

Wie wollen Sie dieses Luxusproblem handhaben?
Booth: Wir hoffen, dass wir im September den Zuschlag für das rumänische Werk Craiova erhalten, das uns zusätzliche Kapazitäten verschaffen wird. Daneben versuchen wir mit unseren bestehenden sieben europäischen Werken weiterhin am Maximum zu produzieren.

Das Europageschäft bestreitet rund 30 Prozent des globalen Ford-Absatzes. Im Juli konnten Sie hier einen Marktanteil von 8,2 Prozent erzielen. Was ist das Ziel für das Gesamtjahr?
Booth: Diesen Marktanteil wollen wir halten, wie schon in den vergangenen vier Jahren. Wichtiger ist uns aber, dass wir profitabel sein wollen, genauer gesagt noch profitabler als vergangenes Jahr. Und das ist eine besondere Herausforderung, wenn man den Rückenwind unserer japanischen Konkurrenten berücksichtigt, die von der Yen-Schwäche zum Euro im Export massiv profitieren.

Wie kommen Sie beim Verkauf der PAG-Marken Jaguar und Land Rover voran?
Booth: Bislang haben wir keinen Partner ausgewählt, wir stehen aber im engen Austausch mit möglichen Bietern.

Werden Sie die Entscheidung auf der IAA verkünden?
Booth: Wir beabsichtigen, den Bieterprozess bald abzuschließen, spätestens jedoch Anfang 2008.

Welchen Preis erhoffen Sie sich? Wird er ähnlich hoch sein wie für Aston Martin?
Booth: Der Aston Martin-Preis ist kein Anhaltspunkt, was sich schon allein aus der Größe der Unternehmen zeigt: Aston Martin produziert dieses Jahr rund 7.000 Einheiten, Jaguar und Land Rover zusammen rund 300.000. Aston Martin steht auf gesunden Beinen, das Jaguar-Geschäft steht bekanntlich noch vor Herausforderungen. Wir brauchen hier noch weitere Nischenprodukte, eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit und niedrigere Gesamtkosten.

Kommen wir zum Thema Umwelt, das die diesjährige IAA dominieren wird: Wie begegnen Sie dem Problem der CO2-Emissionen?
Booth: Wir arbeiten bereits intensiv an dem Thema. So bieten wir schon heute Bio-Ethanol-Fahrzeuge an und werden in zwei, drei Jahren auch Stop-Start-Systeme in unseren Fahrzeugen anbieten können.

Was ist mit Hybrid-Fahrzeugen?
Booth: Das ist derzeit nicht geplant. Unser Hauptaugenmerk wird in den kommenden drei bis fünf Jahren auf verbrauchsoptimierten Diesel-Motoren liegen.

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