MAN scheitert mit Scania-Übernahme

Foto: MAN

Der Nutzfahrzeuge- und Maschinenbaukonzern MAN ist mit seinen milliardenschweren Übernahmepläne für den schwedischen Konkurrenten Scania gescheitert. Nach monatelangem erbittertem Widerstand aus Schweden gab MAN am Dienstagabend (23.1.) auf und zog das Angebot zurück.

Mittlerweile sei sicher, dass die Angebotsbedingungen zum Ablauf der Annahmefrist am 31. Januar nicht erreicht werden könnten, teilte MAN nach einer Vorstandssitzung in München mit. "Folglich wird MAN die Zustimmung der schwedischen Börsenaufsicht zur Rücknahme des Angebotes erbitten." Stattdessen solle nun gemeinsam mit den anderen Beteiligten eine freundliche Kombination zwischen MAN, Scania und dem Schwerlaster-Geschäft von Volkswagen ausgelotet werden, hieß es. Sowohl Scania selbst als auch VW und der zweitgrößte Scania-Aktionär Investor begrüßten die Entscheidung des Münchner Konzerns.

MAN hatte Scania für rund 10,3 Milliarden Euro übernehmen und so den größten europäischen Lastwagenhersteller schmieden wollen. Mit ihrer Offerte waren die Münchner auf heftige Gegenwehr bei dem schwedischen Konkurrenten und dessen zweitgrößtem Aktionär Investor gestoßen, die die Offerte als feindlich einstuften, weil sie aus ihrer Sicht nicht den wahren Scania-Unternehmenswert widerspiegelte. Zuletzt hatte auch VW, mit einem Stimmrechteanteil von 34 Prozent größter Scania-Aktionär, das Angebot von MAN abgelehnt und auf eine freundliche Lösung gedrungen. VW hatte sich in dem Übernahmepoker stets eine einflussreiche Rolle sichern wollen.

Gespräche mit den Scania-Aktionären Volkswagen und Investor hätten gezeigt, dass eine industrielle Logik in einem Zusammenschluss zwischen MAN, Scania und dem Geschäft mit schweren Lastwagen von VW gesehen werde, erklärte MAN. Diese Kombination könne aber nicht mit dem gegenwärtigen Angebot für Scania erreicht werden. Im Laufe dieses Jahres strebe MAN daher nun Gespräche über eine freundliche Kombination von MAN, Scania und Volkswagen Heavy Trucks an. Wann genau sich die Beteiligten wieder an einen Tisch setzen könnten, wurde zunächst nicht bekannt.

Scania selbst begrüßte die Rücknahme des Übernahmeangebotes. Pressesprecherin Cecilia Edström sagte der dpa: "Es ist klar, dass wir diesen Schritt willkommen heißen. Immerhin haben 60 Prozent unserer Anteilseigner von Beginn an Nein zum Übernahmeangebot von MAN gesagt." Zu den von MAN nun angestrebten Gespräche mit dem Ziel eines freundlichen Zusammengehens sagte die Sprecherin: "Unser Aufsichtsrat hat immer gesagt, dass wir dem nicht negativ gegenüberstehen." Es müsse aber die "langfristige industrielle Logik" einer möglichen Zusammenarbeit zum Tragen kommen. Dabei hätten ja auch die bei Scania vertretenen Gewerkschaften auf langfristige Jobgarantien bei MAN als gravierendes Hindernis hingewiesen.

Auch VW reagierte positiv auf die Entscheidung

Volkswagen habe stets bekundet, nur eine einvernehmliche Lösung zu unterstützen, hieß es. Eine solche Lösung sehe die Zusammenführung der beiden Unternehmen Scania und MAN sowie des brasilianischen Nutzfahrzeuggeschäftes von Volkswagen vor. VW sei davon überzeugt, "dass eine freundliche Lösung der beste Weg ist, um die hohen Synergiepotenziale dieses Zusammenschlusses zu realisieren", hieß es.

Der schwedische Scania-Großaktionär Investor erklärte, die Rücknahme des Angebots eröffne die Möglichkeit, denkbare industrielle Partnerschaften zwischen MAN und Scania "ohne Zeitdruck" zu diskutieren. Kontakte dazu mit MAN sowie VW seien nun für Investor "vorrangig". Die von MAN angeregten Gespräche über eine Dreierallianz zwischen MAN, Scania und der brasilianischen Lkw-Produktion von Volkswagen hätten dabei Vorrang, hieß es.

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