Meinung: Pro & Contra

Die VW-Perfektion

VW-Perfektion, Jörn Thomas, Sebastian Renz Foto: Dino Eisele 40 Bilder

Sie gewinnen die meisten Vergleichstests, lassen sich bei Platzangebot, Komfort, Sicherheit und Effizienz nichts vorwerfen – und doch polarisieren die Volkswagen.

Jörn Thomas steht auf Qualität bis ins Detail

Billy Wilder hatte drei Regeln fürs Filmemachen. "Erstens: Du sollst nicht langweilen. Zweitens: Du sollst nicht langweilen. Drittens: Du sollst nicht langweilen." Genau: Regeln fürs Filmemachen, nicht für Automobile. Wenn bei denen "nicht langweilen" bedeutet, dass mich hibbelige Lenkungen, knarzende Kunststoffe, kryptische Bedienung und unablesbare Instrumente plagen, lasse ich mich widerstandslos langweilen.

Und gebe zu, besonders wohltuend gelingt dies Volkswagen. Nicht nur die frischen VW Polo, Golf und Passat, selbst erfahrene Zirkuspferde wie Touran oder Tiguan haben es einfach drauf. Einsteigen, passt. Das beginnt beim Package, dem gelungenen Verhältnis von Innen- zu Außenabmessungen. Kaum jemand bekommt das so hin. Praktische Ablagen, in automobiler Vorzeit klares Franzosen-Privileg, kommen inzwischen aus Wolfsburg. Dicke Buddeln verschwinden in Türtaschen, der Kleinkram in der Mittelablage.

Auch die Technik, früher bei VW bisweilen dröge und – sagen wir mal – traditionspflegend, gibt sich schon länger modern und zeitgemäß. Modern, nicht modisch. Killefitz à la V5, Fünfventiler und G-Lader ins Museum verklappt, Doppelkuppler und Direkteinspritzer demokratisiert. Will man ihnen da vorwerfen, das Happy Face gegen den strengen Blick getauscht zu haben? Oder gar, sich keine ausgeprägten Höhen und Tiefen zu erlauben? Auf die Tiefen kann ich verzichten – und erinnere selbst als Nicht-Kicker an unsere WM-Elf: Teamplayer. Und an die Brasilianer: toll, so ein Neymar. Blöd, wenn er fehlt. Ups, 1:7.

Das Team ist der Star. Funktioniert auch bei Autos hervorragend. Für spannende Höhen und Tiefen hat man Hobbys – oder Familie. Das Auto darf ruhig perfekt sein.

Sebastian Renz – Das Beste ist nicht die Summe der Stärken

Ich weiß, Jörn, VW-Ingenieure sind wohl die falschen Adressaten, wenn es darum geht, Billy Wilders drei Grundregeln auf das Arbeitsleben zu übertragen. Wir nicht. In den letzten drei Ausgaben hatte ich drei VW-Modelle in drei Vergleichstests: Passat, Polo und Golf. Wenn Sie lieber Leser sagen, Sie ahnten immer im Voraus, wer da vorn liegen würde, möchte ich ergänzen: Ich auch.

Wenn wir nach der ganzen Messerei, den Verbrauchs- und Vergleichsfahrten die Punkte verteilt hatten und uns fragten, was denn jedes Auto ausmache, gipfelte es bei den VW gern in der "Summe der Eigenschaften". Nach solchen Kriterien kaufe ich alles Mögliche, aber auch immer ein Auto?

Weil ein Golf alles sehr gut kann, sehr gut federt, sehr gut beschleunigt, sehr gut verarbeitet ist, sehr gute Sitze hat, bis in die Flaschenablagen sehr gut durchkonstruiert ist, werden Stärken zum Durchschnitt – einem hervorragenden. Und fragten Sie, welchen Kompakten Sie denn Ihrer Schwiegermutter/Tochter/Schwippschwägerin empfehlen sollten, wäre es immer der Golf. Aber unter uns wäre es der Ford Focus, trotz herber Federung und dem nicht direkt weltbesten Infotainment. Weil er über verschlungene Landstraßen randaliert mit seiner grandiosen direkten Lenkung, Lastwechselschwüngen und dem schnaubenden Turbomotor. Klar nerven mich die Schwächen, doch nichts, was uns wirklich begeistert, ist ohne Makel. Am vergnüglichsten sind mir meine objektiv schlechtesten Autos in Erinnerung: BX, Kangoo, Subaru 1.800 Super Station, die erstaunliche Schwächen mit grandiosen Stärken ausglichen. Mit ihnen habe ich mich nie gelangweilt, immer etwas erlebt. Perfektion dagegen ist kein Erlebnis, nur ein Zustand.

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