Fahrbericht Mercedes CLS 350 d 4Matic

Gern mit gepflegtem Diesel

Mercedes 350 d 4Matic Foto: Mercedes 59 Bilder
LA Auto Show 2017

Mercedes hatte mit dem neuen CLS auf der L.A. Auto Show nicht nur die dritte Generation des Viertürer-Coupés, sondern auch zum ersten Mal seine neue Designlinie gezeigt. Wir sind jetzt den 350 d 4Matic gefahren.

Ein breiter Grill an der nach vorne geneigten Front, schmale Scheinwerfer und zweiteilige Heckleuchten: Mercedes hat den CLS komplett neu gestaltet. Bleiben darf die geschwungene Dachlinie, gehen muss der Shooting Brake. Im März 2018 kommt der Viertürer zwischen E- und S-Klasse auf den Markt.Der Grill ist unten breiter als oben, das ist optisch mehr AMG GT als E- oder S-Klasse. Dabei nutzt der CLS wie bisher den Unterbau der Mercedes-Mittelklasse, ist mit 4,99 Meter aber sechs Zentimeter länger als diese. Der flache Viertürer kommt auf einen Cw-Wert von 0,26. Sicken und Kanten hat das Team um Designchef Gorden Wagener herausmodelliert.

Sitzprobe Mercedes CLS

Für viele Betrachter dürfte der CLS einfach die schönere E-Klasse darstellen. Innen erkennen alle Sinne: Mercedes! Vieles erinnert auch an die Business-Limousine, wie wir bei einer ersten Sitzprobe am Rande der L.A. Motorshow feststellten. Etwa der so genannte Widescreen, bestehend aus den beiden nebeneinanderliegenden Bildschirmen. Das Cockpit gruppiert sich um den Fahrer, ohne ihn einzuengen. Die Bedienelemente gliederten die Mercedes-Designer gewohnt aufgeräumt, sie schaffen ein großzügiges Ambiente.

Mercedes CLS (2018) Sitzprobe Interieur Foto: Mercedes
Passt: tief integrierte Sitzposition, gelungene Ergonomie.

Tief integrierte Sitzposition

Die neuen Knopf-Satelliten auf dem Lenkrad samt der berührungsempfindlichen Blackberry-Tasten stammen von der S-Klasse. Nach kurze Eingewöhnen registriert man die tief integrierte Sitzposition – wie in einem Coupé. Man genießt die angenehme seitliche Stütze der Sitze; das harmoniert gut mit dem Selbstbewusstsein, das die sportlich gestaltete Front ausstrahlt. Und suggeriert das Gefühl, dass man in einem durchaus sportlichen Modell Platz genommen hat.

Gelungene Ergonomie

Die Ergonomie erscheint äußerst gelungen (obwohl beim ausgestellten Fahrzeug die Batterie leer war und sich deshalb die Sitze nicht verstellen ließen). Es herrscht der Eindruck eines Fahrerautos vor. Gleichzeitig präsentiert sich das Ambiente luxuriös und unaufdringlich. Kurzer Blick in den Fond unter dem betont tiefen Dach: Hier sieht es enger aus, als es tatsächlich ist; selbst ein Einmeterachtzig-Mann hat auf den Rücksitzen ausreichend Kopffreiheit – dank einer Vertiefung im Dachhimmel.

Motoren: Benziner mit Partikelfilter

Mercedes CLS (2018) Sitzprobe Neuer Reihen-6-Zylinder Foto: Mercedes
Die zum Marktstart lieferbaren Reihensechszylinder mit 286 bis 340 PS stammen aus der neuen Motorenfamilie. Allrad und Automatik sind Serie.

Zum Start kommt der neue CLS mit drei Motoren aus der neu entwickelten Reihensechszylinder-Familie. Der Benziner M 256 im CLS 450 4Matic hat drei Liter Hubraum, ein 48-Volt-Bordnetz und einen Startergenerator mit Riemenantrieb.

Der Elektromotor unterstützt mit 22 PS und 200 Nm beim Beschleunigen. Weil der Benziner ausgeschaltet werden kann, sobald der Fahrer vom Gas geht, hilft der Mildhybrid außerdem beim Sprit sparen. Partikel, die bei Benzinmotoren mit Direkteinspritzung typischerweise entstehen, fängt ein Filter auf.

Der Diesel hat ebenfalls drei Liter Hubraum. Es gibt ihn in zwei Leistungsstufen mit 286 und 340 PS. Der 350d 4Matic kommt auf 600 Nm, der 400d 4Matic auf 700 Nm. Beide Motoren verfügen über Stufenaufladung und variable Ventilsteuerung. Alle zum Marktstart lieferbaren Motoren haben serienmäßig Allrad und Automatik.

Ab August 2018 wird Mercedes noch den AMG CLS 53 4Matic+ nachschieben. Hier kommt der Turbo-Dreiliter-Benziner mit E-Untzerstützung auf 435 PS + 22 E-PS

Mercedes bietet drei Fahrwerksvarianten an: Serienmäßig hat der neue CLS ein Fahrwerk mit Stahlfedern und 18-Zoll-Rädern. Gegen Aufpreis sind adaptive Dämpfer oder ein Luftfederfahrwerk lieferbar. Bei beiden Options-Fahrwerken kann der Fahrer mit dem Fahrdynamik-Schalter zwischen komfortablen und straffen Kennlinien wählen.

Wellness gegen Aufpreis

Gegen Aufpreis bietet der CLS wie die S-Klasse eine Auswahl von sechs Wellness-Programmen. Jedes der sechs Energizing-Profile kombiniert die Steuerung von Klimaautomatik, Massagesitzen, Sitz- und Lenkradheizung sowie Beduftung und Licht- sowie Musikstimmung so, dass der Fahrer fit und in guter Stimmung bleiben soll. Über die Massagefunktion des Sitzes können außerdem die Muskeln entspannt oder aktiviert werden.

Assistenz und Sicherheit

Serienmäßig achtet der CLS auf das Einhalten der Spur und die Konzentration des Fahrers, bremst zur Not selbst. Kurz vor einem Crash strafft Presafe die Gurte, schließt Schiebedach und Fenster, bereitet das Gehör mit einem Rauschen auf das Unfallgeräusch vor.

Mercedes CLS (2018) Sitzprobe Cockpit Foto: Mercedes
Die beiden Bildschirme und die runden Lüftungsdüsen kennen wir von E- und S-Klasse.

Das Aufpreis-Angebot an Assistenz-Systemen orientiert sich an dem der S-Klasse: Mit dem Fahrerassistenz-Paket hält der CLS Abstand, Geschwindigkeit und Spur, folgt je nach Ausstattung im Stau bis 30 km/h automatisch dem vorausfahrenden Fahrzeug. Der Kreuzungsassistent erkennt entgegenkommende Autos, warnt und bremst vor Kollisionen.

Der aktive Spurhalteassistent unterstützt beim Überholen und Ausweichen. Neben den Bildern und Signalen von Kameras und Radarsensoren nutzen die Assistenzsysteme auch Karten- und Navigationsdaten.

Die optionalen Multibeam-LED-Scheinwerfer nutzen laut Mercedes die maximal zulässige Lichtstärke; das Fernlicht soll 650 Meter weit reichen – ein Wert wie bei Laserlampen.

Fahrbericht des Mercedes CLS 350 d 4Matic

Wir sitzen im CLS 350d, und der ist trotz der akuellen Diesel-Misere eine richtig gute Wahl. Wie in anderen Mercedes-Modellen auch, glänzt der Sechszylinder hier mit feinem, seidigen Lauf. Und beweist einmal mehr, dass die Physik sich selbst von noch so aufwendiger Technik nicht austricksen lässt. Den perfekten Massenausgleich eines Reihensechsers kriegt kein noch so gepamperter Vierzylinder hin. Im gepflegtem Ambiente des CLS fällt der geschmeidige Motorlauf umso mehr auf.

Sonst macht der Dreiliter-Selbstzünder wenig Aufhebens um sein Tun, er kooperiert bestens mit der Neungangautomatik und dem 4Matic-Allradantrieb (beides Serie). Manuelle Eingriffe sind kaum je vonnöten, die Paddels am Lenkrad dienen meist dem Spieltrieb des Fahrers.

Den kann er im neuen CLS ohnehin voll ausleben, jedenfalls dann, wenn er die Widescreen-Option für 1.011 Euro Aufpreis gewählt hat. Er verfügt dann über die neueste Generation des Mercedes-Bediensystems, und die wird mit fortschreitender Komplexität nicht unbedingt einfacher.

Volles Assistenzpaket

Überzeugend agieren unter anderem die teilautonomen Fahrsysteme, die Soft- und Hardware erreicht im CLS einen neuen Reifegrad.

Dazu zählt etwa das unterstützte Landstraßenfahren mit aktivem Lenkassistenten und Distronic. So fährt der CLS mit erstaunlichem Tempo fast autonom durch die Landschaft, orientiert sich dabei auch an Navidaten, so dass er Kurven, Steigungen und Gefälle antizipieren kann. Besonders im Sportmodus legt der CLS dabei ein derartiges Tempo vor, wie es sich viele Alltagsnutzer wohl nicht zurrauten.

Nützlich dabei ein weiteres Feature: Ermahnt das System den Fahrer, das Lenkrad selbst wieder zu übernehmen, reicht leichtes Berühren der touchsensitiven Taste in der linken Lenkradspeiche und der CLS fährt weiter autonom.

Bei so vielen neuen Funktionen gerät beinahe etwas Wesentliches in Vergessenheit: der Fahrkomfort. Doch auch i dieser Disziplin zeigt sich der CLS äußerst talentiert. Mit dem optionalen Air Body Control-Fahrwerk (2.261 Euro) bügelt das Coupé sehr elegant und gelassen über große und kleine Unebenheiten. Feines Ansprechen, wenig Karosseriebewegung und geschmeidiges Abrollen zeichnen das Luftfahrwerk aus.

Ausstattung und Preise

Die ab dem Marktstart im März 2018 ein Jahr lang erhältliche Edition 1 hat Multibeam LED serienmäßig. Das Sondermodell ist außen an einem Diamantgrill und schwarzen 20-Zoll-Vielspeichen-Rädern zu erkennen. An den Kotflügeln ist eine Plakette mit dem Schriftzug „Edition 1“ angebracht.

Neue Mercedes A-Klasse W177 (2018)
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Die Sitze sind mit schwarzem Nappaleder bezogen und im Mittelfeld rautenförmig abgesteppt. Kupferfarbene Kontrastnähte ziehen sich über Sitze, Mittelkonsole, Armelehnen und Instrumententafel. Das Zierelement in Türen und Mittelkonsole besteht aus offenporiger, schwarzer Esche. In Armaturenbrettmitte sitzt eine Analoguhr im IWC-Design. Ambientebeleuchtung, Memory-Paket und Spiegel-Paket sowie 40:20:40 teilbare Rücksitzlehnen sind serienmäßig.

Bestellt werden kann der neue Mercedes CLS ab sofort. Die Preise starten ab 68.128 Euro für den 350d 4Matic. Der 400 d 4Matic kostet ab 72.507 Euro, der 450 4Matic kostet ab 70.906 Euro. Für das AMG Line-Paket berechnet Mercedes 2.737 Euro, das Edition 1-Paket kostet für alle Motiorisierungen 12.495 Euro Aufpreis. Das Widescreen-Cockpit will mit 1.012 Euro extra bezahlt werden.

Fazit

68.172 Euro kostet momentan die preiswerteste Version des neuen Mercedes CLS, ein teures Auto, daran wird der angekündigte Vierzylinder-Benziner wohl nicht viel ändern. Doch das elegante Coupé hat auch einiges zu bieten: topaktuelle Fahrerassistenz, hochmoderne Motoren und feinste Oberklassen-Fahrkultur. Das können sie halt bei Mercedes.

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