Mercedes F 600 Hygenius

Wie vom andern Stern

Foto: Daimler-Chrysler 8 Bilder

Auf der Tokio Motor Show präsentiert Mercedes mit dem F 600 Hygenius ein Forschungsauto zum Brennstoffzellen-Antrieb. Es basiert auf der B-Klasse, ist innen ebenso modern wie flexibel und soll umgerechnet weniger als drei Liter pro 100 Kilometer verbrauchen.

Seit Autos mit Hybridantrieb zumindest in der Ankündigung der Automobilhersteller wie Pilze aus dem Boden schießen, ist es um die Brennstoffzelle noch stiller geworden. Deren Serienreife wurde vor zehn Jahren speziell von Mercedes sehr euphorisch bereits für 2005 hinausposaunt. Inzwischen geht man vom Jahr 2012 aus - andere Firmen sind da noch vorsichtiger.

Um die Flamme am Lodern zu halten, schickt Mercedes zur Tokio Motor Show einen interessanten Entwicklungsträger. Der viersitzige F 600 auf Basis der B-Klasse trägt in seinem Unterboden statt Nickel-Metallhydrid-Batterien erstmals eine doppelt so starke Lithium-Ionen-Batterie, die Mercedes künftig auch bei Hybrid-Autos einsetzen will.

Diese Hochleistungsbatterie speichert die Energie, die zum Beispiel beim Bremsen anfällt, und stellt sie später wieder zur Verfügung. So kommt der Elektro-Motor beim Rangieren allein mit Batterie-Strom aus. Erst beim Beschleunigen liefert die Brennstoffzelle durch die chemische Reaktion von Wasserstoff und Luft gemeinsam mit der Batterie Energie. Mercedes nennt für den F 600 Eckwerte wie 115 PS sowie 350 Nm Drehmoment. Die Dauerleistung des E-Werks im Heck beträgt 82 PS, sein Drehmoment beträgt 250 Nm.

Die Antriebstechnik wurde kompakter und alltagstauglicher

Im Innenraum wartet der F600 mit hoher Flexibilität auf: Die Rückenlehnen des Beifahrersitzes und der Einzelsitze im Fond können nach vorne geschwenkt werden, so dass auf den Polstern Isofix-Kindersitze entgegen der Fahrtrichtung installierbar sind. Außerdem ist das hintere Gestühl in Längs- wie Querrichtung verschiebbar.

Der Fahrersitz verfügt über ein geteiltes Rückenpolster und lässt sich elektrisch dem Körper anpassen. Zweigeteilt ist auch die Heckklappe, wobei sich der Ladeboden herausziehen lässt.

Wie vom anderen Stern wirkt das Cockpit. Der zentrale Menüknopf erkennt, welche Person ihn anfasst und nimmt automatisch die individuellen Einstellungen vor. Der Bildschirm im Cockpit schwenkt per Knopfdruck zur Seite, um den Fahrer nicht zu stören. Ein virtuelles Display erleichtert die Ablesbarkeit. Für häufig genutzte Systeme wie Radio und Navigation stehen große Tasten bereit.

Im Falle eines Unfalls bietet der F 600 aktive Kniepolster und Kopfstützen mit automatisch ausfahrenden Seitenwangen. Zur Unfallmeidung sollen Videokameras in den Außenspiegeln beitragen, die dafür sorgen, dass die Türen automatisch blockiert werden, sobald sich ein Auto oder Fahrrad von hinten nähert.

Der Fortschritt in der Brennstoffzellen-Entwicklung liegt beim F 600 vor allem in der höheren Leistungsdichte der Power-Einheit und im geringeren Platzbedarf. Auch bei Kaltstartverhalten (bis minus 25 Grad), Kühlung, Gewicht und Alltagstauglichkeit konnten Verbesserungen erreicht werden.

Bezogen auf das Energie-Äquivalent von Diesel soll sich der F 600 mit 2,9 Litern auf 100 Kilometer begnügen. Mal sehen, was sich bis zur wirklichen Serienreife der Brennstoffzellen-Technik noch so alles tut.

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