auto motor und sport Logo
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Mercedes G-Klasse (2018) Weltpremiere

Infos, Daten, Preis und erste Testfahrt

Detroit 2018 Update

Die Tarnung ist vorbei, Mercedes präsentiert den neuen G. Die Gelände-Legende trägt eine Revolution unter dem Blech – und will alles besser können. Was er leistet, was er kostet, wie er fährt.

15.01.2018 Torsten Seibt, Clemens Hirschfeld 19 Kommentare Powered by

Weltpremiere in Detroit, die Salamitaktik hat ein Ende. Nach Innenraum-Präsentation und erster Mitfahrt im getarnten Vorserienmodell dürfen wir nun endlich alle Bilder zum neuen Mercedes G zeigen. Und der sieht praktisch aus wie der alte G, was auch oberstes Ziel der Designer war. Doch unter dem Blech steckt nun die modernste Technik, die Mercedes bislang in einen Offroader gebaut hat. Dazu gibt es schieren Luxus, viel mehr Platz und reichlich V8-Power.

Die 40-Jahres-Feier hat er nicht ganz geschafft, 1979 erschien der erste Mercedes G. Und bis heute baut das aktuelle Modell auf dieser Basis auf, was speziell im Hinblick auf Karosseriebreite und Fahrwerks-Layout immer mehr Kompromisse bedingte. Andererseits ist der Mercedes G eine echte Cashcow, Mercedes verdient an dem Kult-Würfel sehr gutes Geld, zumal die Kundschaft innerhalb der Baureihe überwiegend zu Top-Motoren und -Ausstattung greift.

Mercedes hat daher den folgerichtigen Schritt unternommen, den Nachfolger mit dem voraussichtlichen Baumuster-Code W464 stilistisch ganz nahe am Ursprung zu belassen. Das ist, wie unsere erste Kontaktaufnahme noch vor der Weltpremiere in Detroit belegt, absolut gelungen. Obwohl es sich um ein völlig neues Auto handelt, müssen auch Kenner des Modells zunächst zwei Mal hinsehen, um die neue G-Klasse zu identifizieren – eine tolle Leistung der Designer.

Mercedes G-Klasse Modelljahr 2018 Premiere Detroit SPERRFRIST Foto: Mercedes
Hinten bleibt es bei der Starrachse, doch vorne gibt es erstmals seit 40 Jahren eine Einzelradaufhängung.

Ginge es nur um Geländetauglichkeit, könnte Mercedes die bisherige G-Klasse des Baumuster 463 bis in alle Ewigkeit bauen. Allerdings machte dem G eine andere Entwicklung immer schwerer zu schaffen, die nahezu jährlich zunehmenden Ausstattungsumfänge. Was ursprünglich als spartanisches Militärfahrzeug für Besatzungen mit Stahlhelm (daher die Kopffreiheit...) gedacht war, hatte sich zuletzt mit dem G 65 AMG zum teuersten Serienauto der Marke entwickelt. Das mag bekanntlich etwas heißen. Die Basistechnik, allen voran die schmale Bauweise mit entsprechenden Dynamik- und Komfortdefiziten, konterkarierte den überbordenden Luxus im kantigen Gehäuse.

Genau hier haben die Entwickler angesetzt, die Karosserie und mit ihr die Spurweite nahezu unsichtbar, aber relevant verbreitert. Versprochen werden signifikant besseres Kurvenfahrverhalten (was im Vergleich zum bisherigen Modell keine große Hürde bedeutet) sowie eine erheblich bessere Fahrdynamik und -sicherheit. Bereits beim jetzigen Fahrtermin abseits aller Straßen beweist der neue G jedoch etwas anderes. Er bietet trotz effektiv nur weniger Zentimeter Breitenzuwachs ein viel besseres Raumgefühl. Und das Interieur hat S-Klasse-Niveau.

Auf erster Testfahrt mit der neuen G-Klasse

Ausprobiert haben wir eines der letzten Vorserienmodelle dort, wo es auch dem Mercedes G ein bisschen weh tut: Auf dem Schöckl. So heißt der Grazer Hausberg im Norden der steirischen Stadt, seit Beginn des Mercedes G in den 1970er Jahren werden die Geländewagen mit Stern hier einem ausgesuchten Martyrium auf der naturbelassenen Teststrecke unterzogen. Exakt 5,6 Kilometer ist der mit Felsbrocken, Geröll, Wurzeln und tiefen Schlaglöchern gespickte „Weg“ mit Steigungsraten bis zu 60 Prozent und teils enormen Schräglagen, oft nur eine Wagenbreite zwischen dichtem Baumbestand hindurch. 2.000 Kilometer, so die Maxime, muss eine G-Klasse schadensfrei auf dieser Quälpiste zurücklegen können

„Einmal Schöckl und zurück“ bedeutet extreme Autofolter im Zeitraffer, die genannten 2.000 Kilometer auf der Marterstrecke entsprechen einem ganzen Autoleben. Gefahren wird im Schichtbetrieb, und zwar betont rechtslastig: viel Gas, wenig Bremse. Das Ganze in einem so absurden Tempo, dass ein handelsüblicher Pkw vermutlich binnen Minutenfrist in mehrere Teile zerbrechen würde. Nicht zuletzt hier wurde der Mythos Mercedes G geboren: maximale Robustheit, Ausfälle werden nicht akzeptiert. Es ist ein zwar spannender, aber auch kräftezehrender Job für die Testfahrer. Für Passagiere ist es, höflich ausgedrückt, ein bisschen unangenehm. Denn ohne Lenkrad zum festhalten ist die Mitfahrt vergleichbar mit einem Rodeoritt auf einem ziemlich schlecht gelaunten Bullen. Erste Erkenntnis: Keine Beulen, die Kopffreiheit bleibt auch beim neuen G enorm.

So geländetauglich wie der Vorgänger

SPERRFRIST Mercedes G Erlkönig W464 Mitfahrt Schöckl Graz Foto: Mercedes
Die Teststrecke am Schöckl muss jede G-Klasse bewältigen, mindestens 2.000 Kilometer ohne Schaden.

Zweite: Respekt! Denn diesem neuen G fehlt ein entscheidendes Detail des Vorgängers, die vordere Starrachse. Nun gibt es zwar durchaus auch seriöse Geländeautos mit vorderer Einzelradaufhängung, doch diese Technik hat ein Manko: Beim vollen Einfedern, wenn der Vorderwagen wie bei der hier praktizierten Fahrweise stark eintaucht, reduziert sich die Bodenfreiheit beträchtlich, so manche Ölwanne spielte bei ähnlichen Gelegenheiten schon das Lied vom Tod. Doch der G hält Abstand.

Tatsächlich fühlt sich die neue G-Klasse beim Parforceritt Richtung Tal so satt und solide an wie der Vorgänger. Nur beim behutsamen Klettern bergauf bemerkt man eine leicht verringerte Verschränkung, scharrt kurzfristig ein Rad, wo der alte G noch mit vollem Bodenkontakt durchgezogen hätte. Nichts jedoch, wovor man sich fürchten muss. Denn Mercedes hat bei der ersten komplett neuen G-Baureihe seit 1979 keine Geländetechnik eingespart, im Gegenteil. So gibt es weiterhin drei Differentialsperren für Zentraldifferential und Achsen, und die Geländeuntersetzungsstufe wurde von 2,1 auf 2,9:1 verkürzt – ein Spitzenwert im Offroad-Umfeld. Das neue Verteilergetriebe arbeitet ungesperrt leicht hecklastig, 40:60 geht die Kraft zu Vorder- und Hinterachse. Auch bei der Wattiefe (plus zehn Zentimeter) sowie den im Gelände wichtigen Rampen- und Böschungswinkelwerten hat der neue G zugelegt.

Kleine Anekdote am Rande: Die aktiven Sitze aus dem AMG-Paket, die im Testwagen eingebaut waren, funktionieren auch im Gelände. Bei fester Seitenneigung oder bei dem am Schöckl gern genommenen Parforce-Ritt quer durchs Gemüse plustern sich die Seitenwangen situationsbedingt auf und stützen so den Rücken, damit man nicht seitlich aus dem Sitz fällt.

Der G bietet mehr Platz im Innenraum

Und innen: Offenporiges Holz, sauber verarbeitetes Leder, Ambientebeleuchtung und Metallzierteile muten edel an. Und du spürst sofort, hier ist endlich mehr Platz: 38 mm mehr Bein- und Schulterfreiheit und 68 mm mehr Raum für die Ellenbogen klingen überschaubar. Im direkten Vergleich sind es Welten, denn bis auf ausreichend Kopffreiheit ging es im G-Modell immer eng zu. Da du nach wie vor hoch und dicht an der Frontscheibe sitzt, ist die Übersicht deutlich besser als in vielen modernen SUV.

Auf dem Armaturenbrett finden sich nun Design-Elemente der G-Klasse-Front wieder. Die seitlichen Belüftungsdüsen ahmen die Form der Rundscheinwerfer nach. Passend dazu sind die Hochtöner der optionalen Burmester-Surround-Soundlage den Haubenblinkern nachempfunden. Geblieben sind dagegen der Haltegriff vor dem Beifahrer und die drei verchromten Schalter für die Differenzialsperren in der Mittelkonsole. Die analoge Uhr ist aber so weit nach unten gerückt, dass sie sich allenfalls vom Fond aus ablesen lässt.

Digital-Instrumente nur optional

Mercedes G-Klasse 2018 Cockpit Foto: Daimler

Serienmäßig zeigen analoge Rundinstrumente Geschwindigkeit und Drehzahl im Cockpit an. Optional bekommt der Geländewagen das so genannte Widescreen-Cockpit, das wir schon aus E-, S- und der künftigen A-Klasse kennen. Hier verschmelzen zwei 12,3 Zoll großen Displays unter einem gemeinsamen Deckglas zu einer Anzeigeeinheit, deren Optik sich in den drei Stilen – „Classic“, „Sport“ und „Progressive“ – individuell anpassen lässt.

Da sich das Infotainmentsystem via Touch-Feldern am Lenkrad bedienen lässt, können die Hände auch dort bleiben. Feedback bekommt der Fahrer durch haptische Impulse und akustische Signale, weshalb das System auf der Straße oder im Gelände „blind“ bedienbar ist. Dazu lassen sich häufig genutzte Aufgaben auf Direktwahltasten vor dem Controller legen. Die Tasten für die Fahrassistenz-Systeme liegen jetzt oberhalb des Lichtdrehschalters.

Mehr Sitzkomfort für alle

Spürbar komfortabler fast schon sportlich sind die Ledersitze vorne mit serienmäßiger Memory-Funktion, Komfortkopfstützen und Sitzheizung. Das optionale Aktiv-Multikontursitz-Paket sorgt noch schneller für einen warmen Hintern, massiert und kühlt bei Bedarf den Körper. Zudem bietet diese Variante eine elektrisch einstellbare Lordosenstütze und für Fahrer und Beifahrer. Für verbesserten Seitenhalt sorgen in die Seite der Sitzauflagen und -lehnen integrierte Luftkammern, die je nach Fahrsituation stufenlos gefüllt oder geleert werden.

Noch deutlicher wird er Komfortgewinn, wenn wir hinten einsteigen. Der Türausschnitt ist deutlich gewachsen. Die Beine müssen nicht mehr wie früher angezogen werden, weil die Füße nun unter Fahrer- beziehungsweise Beifahrersitz verschwinden – 15 Zentimeter Raumgewinn sprechen für sich. Nach den einst, im wahrsten Sinne des Wortes billigen Plätzen, fühlt sich die Rückbank dank serienmäßiger Sitzheizung und Lederbespannung jedenfalls nicht mehr an. Die Neigung der Rückenlehne lässt sich in unzähligen Positionen verstellen und im Verhältnis 60:40 umklappen. Auch der Kofferraum bleibt üppig bemessen und durch die seitlich öffnende Klappe sehr gut nutzbar.

SPERRFRIST Mercedes G Erlkönig W464 Mitfahrt Schöckl Graz
Gelände-Testfahrt mit der neuen G-Klasse 1:45 Min.

Für Kleinkram gibt es jetzt zahlreiche Ablagen. In den hinteren Türen könnte man problemlos eine Wasserflasche verstauen. Unter der vorderen Armauflage befindet sich ein beleuchtetes Fach und optional eine kabellose Smartphone-Ladestation. Vor dem Comand-Controller sind jetzt zwei herausnehmbare Cupholder.

Hier ist jetzt Platz, da der Automatikwählhebel hinter das Lenkrad gewandert ist. Sie ahnen es, der Handschalter ist damit endgültig Geschichte. Immerhin wird die Feststellbremse nach wie vor per Hand und nicht elektronisch per Taste bedient.

Zahlreiche Ausstattungsvarianten für die G-Klasse

Mercedes verspricht unzählige Individualisierungsmöglichkeiten. Möglich wird das durch den hohen manuellen Anteil in der Produktion. Zur Demonstration bekommen wir jetzt eine VR-Brille aufgesetzt: Während sich die G-Klasse virtuell durchs Gelände ackert, schauen wir uns die Ausstattungsvarianten Classic, Digital und Designo genauer an.

Schon in der Classic-Ausstattung nehmen wir serienmäßig auf Ledersitzen in schwarz, braun oder beige Platz. Im Unterschied zu den höheren Linien schauen wir auf das analoge Cockpit. Aber schon das Grund-Interieur lässt sich mit insgesamt sieben Farben individualisieren. Drei davon sind eine Nappa-Leder-Kombinationen aus schwarz und den „Designo“-Manufaktur-Farben platinweiß, yachtblau oder classicrot.

Mercedes G-Klasse 2018 Cockpit Foto: Daimler

Die Digital-Ausstattung unterscheidet sich durch das digitale Widescreen-Cockpit. Wie in der Klassik-Ausstattung können auch ein schwarzer Dachhimmel sowie Luftdüsen in Silvershadow geordert werden. Zusätzlich werden in einem Plus-Paket Türverkleidungen, Teile der Mittelkonsole, die Instrumententafel sowie die gesamte Polsterung mit rautenförmig gesteppten Nappa-Leder überzogen.

Ein Albtraum für Offroad-Fans dürfte das (wahlweise) helle Interieur in Designo-Ausstattung sein, dass die G-Klasse vom Boden bis in den Dachhimmel in macchiatobeige kleidet. Wer jetzt noch nicht genug hat kann die G-Klasse mit der AMG Line in kontrastierende rote Ziernähten auf Sitzen, Instrumententafel, Türen und Mittelkonsole sowie rote Gurten veredeln. Dazu gehört auch ein unten abgeflachtes Lenkrad.

Neuer Mercedes G 500 mit 422 PS

Ein Mix aus neuer und bewährter Technik kümmert sich um den Vortrieb des neuen Mercedes G. Zur Premiere macht der G 500 den Anfang, weitere Motorisierungen werden folgen. Im Maschinenraum blickt man auf den bereits aus dem Vorgänger bekannten Vierliter-Biturbo-V8, der 422 PS locker macht und mit 610 Newtonmeter in die Wandlerautomatik wütet. Die ist wiederum neu, es kommt eine speziell für den Offroadeinsatz abgestimmte 9G-Tronic zum Einsatz.

Der neue G wächst vor allem in die Breite, wo er um stolze 121 Millimeter zulegt. Innen kommen davon 68 Millimeter Ellbogenfreiheit an, was sich nach weniger liest als es sich anfühlt. Die zusätzliche Länge (53 Millimeter) und geänderte Konstruktion bringt hinten 150 und vorne 38 Millimeter mehr Beinfreiheit, der Wagen fühlt sich auf allen Plätzen viel luftiger an als der Vorgänger. Die Geländewerte wurden ebenfalls verbessert, so beträgt die Bodenfreiheit zwischen den Achsen jetzt 24,1 cm, plus 6 Millimeter. Weitere Eckdaten: Maximale Wattiefe von jetzt 70 cm, 10 Zentimeter zusätzlich, Böschungswinkel hinten: 30°; vorne: 31°, plus 1°; Rampenwinkel: 26°, plus 1°

Leichter und kaum teurer

Gleichzeitig soll der neue G 500 170 Kilo weniger wiegen als das Vorgängermodell. Dabei helfen unter anderem neue hochfeste Stähle sowie Aluminium, das bei den Türen, der Motorhaube und den Kotflügeln zum Einsatz kommt. Die Torsionssteifigkeit soll dank des neuen Materialmix und optimierter Konstruktion um 55 Prozent über der des Vorgängers liegen. Und durch das geringere Gewicht, das neue Getriebe und die bessere Aerodynamik sinkt der Verbrauch des G500 von 12,3 auf „nur noch“ 11,1 Liter pro 100 Kilometer.

Die wichtigste Info zum Schluss: Der Preis. Hier macht der G 500 den Anfang, weitere Modelle wie ein Diesel oder eine AMG-Version sind noch nicht verkündet. Der neue G 500 wird einen Grundpreis von 107.041 Euro aufweisen. Das sind rund 350 Euro mehr als für das gleichnamige Vorgängermodell, woraus man auch gewisse Rückschlüsse auf das weitere Modellprogramm und dessen Preise ziehen kann.

Anzeige
Mercedes G-Klasse Mercedes-Benz G-Klasse ab 0 € im Monat Sixt Neuwagen: Leasing & Vario-Finanzierung Jetzt Fahrzeug konfigurieren
Mercedes G-Klasse Mercedes Bei Kauf bis zu 12,00% Rabatt Jetzt Fahrzeug konfigurieren
Neuester Kommentar

Rundrechteckig
Eigentlich egal wie man es schreibt, gibts ja eh nicht

Lahmyluu 15. Januar 2018, 20:52 Uhr
Neues Heft
Gebrauchtwagen Angebote