Mercedes will Kleinwagen-Absatz massiv ausbauen

Foto: Carparazzi

Nachdem eine breite Kooperation mit BMW als ausgeschlossen gilt, arbeitet Daimler unter Hochdruck an einer eigenen Plattform für die Nachfolger der A- und B-Klasse. Dabei erwartet der Konzern dank neuer Varianten eine massive Absatzsteigerung.

"Es ist denkbar, künftig noch mehr Varianten zu bringen und deutlich über die 280.000 Einheiten pro Jahr wachsen. Wenn wir beispielsweise vier statt wie bislang zwei Modelle fertigen, würde es keine Verdopplung, aber ein deutliches Wachstum geben", sagt Mercedes-Produktionsvorstand Rainer Schmückle. Auch ein kleiner Bruder des kompakten Geländewagens GLK sei denkbar: "Wir werden eine Architektur mit hoher Variabilität haben. Potenziell auch für Fahrzeuge, die diesen Charakter haben." Das Segment biete in Europa "gute Möglichkeiten, sich auch als Premiumhersteller zu differenzieren. Außerdem leisten die Modelle einen Beitrag zur Senkung des CO2-Flotten-Ausstoßes".

Um eine kostensenkende Modul-Strategie zu verwirklichen, verabschiedet sich Mercedes vom Sandwich-Konzept, bei dem Motor und Getriebe vor und unter der Fahrgastzelle untergebracht sind. Schmückle: "Wir werden voraussichtlich einen Konzeptwechsel haben, weil wir für die bisherige Bauweise der A- und B-Klasse auch spezielle Aggregat-Typen gebraucht haben. Für uns ist eine Architektur wichtig, die Motoren mit anderen Baureihen teilen kann."

Rastatt nicht in Gefahr

Auch in den größeren Baureihen will Schmückle weitere Synergien heben: "Wir werden in der Tat eine Architekturannäherung zwischen S-, E- und C-Klasse sehen, zum Beispiel im Bereich der Elektronik. Dass ist aber keine Gleichmacherei: Wenn der S-Klasse- Baureihenleiter den Nachfolger definiert, hat er die Möglichkeit, eine sehr spezifische S-klasse zu entwickeln. Er nimmt sich aber bestimmte Funktionalitäten aus unserem Mercedes-Modulbaukasten heraus."

Über den Standort für ein neues Werk in Osteuropa zum Bau von Varianten der A- und B-Klasse-Nachfolger will Daimler bald entscheiden. "Voraussichtlich im zweiten Quartal" falle die Entscheidung, so Schmückle. "Zunächst legen wir das Produktkonzept fest. Dann können wir auch das Fabrikkonzept planen." Das Werk A- und B-Klasse-Werk Rastatt mit seinen rund 6.000 Mitarbeitern sei trotz dieser Pläne nicht in Gefahr. Schmückle: "Rastatt ist einer unserer wichtigsten Produktionsstandorte. Es ist überhaupt nicht die Rede davon, das Werk aufzugeben. Aber wenn wir für zusätzliche Kapazitäten einen zweiten Fertigungsstandort brauchen, dann sollte uns dieser natürlich helfen, die angestrebten Kostenziele zu erreichen. Damit wäre ein Standort in Osteuropa denkbar."

Produktivitätssteigerung um bis zu 15 Prozent pro Jahr

In den bestehenden Werken will Schmückle die Produktivität weiter ausbauen: "Wir wollen unsere Produktivität in den nächsten Jahren je nach Baureihe noch zwischen zehn und 15 Prozent steigern. Dazu optimieren wir ständig unsere Abläufe und Fahrzeug-Designs." An der relativ hohen Fertigungstiefe indes will Schmückle nichts ändern: "Sie liegt zwischen 35 und 40 Prozent. Dieser Grad an Fertigungstiefe ist für Mercedes-Benz von Vorteil, da wir Qualität und Innovationen in hohem Maße selbst in der Hand haben. Bei deutschen und europäischen Konkurrenten liegt sie um einige Prozentpunkte darunter, bei den US-Herstellern sind es sogar zehn bis 15 Prozent weniger."

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