Mille Miglia 2007

Meilen-Steine

Foto: Mutschler 22 Bilder

Die Jubiläums-Mille Miglia war eine der besten – und zugleich die letzte unter der Regie von Costantino Franchi. Mit dabei: Thorsten Dörr, Gewinner des MM-Wettbewerbs, in einem Mercedes-Benz 220 a von 1955.

Seit fast 1000 Jahren steht vor den Toren von Brescia die alte Benediktinerabtei Sant‘ Eufemia della Fonte: ein trutziger, beinahe quadratischer Gebäudekomplex, der lange Zeit als Kornspeicher diente und später dem Verfall preisgegeben wurde - bis Mille Miglia-Organisator Costantino Franchi vor 17 Jahren auf die Idee kam, in dem alten Gemäuer das traditionelle Abendessen der Teilnehmer kurz vor dem Start auszurichten.

Vom Geröllfeld zum Museum

"Meine Güte, was sah das hier früher aus", sagt Prinz Leopold von Bayern, "überall Geröll und Gerümpel." Nur ein einziger Flügel war damals notdürftig hergerichtet und provisorisch mit Tischen und Bänken ausgestattet. Wer mal austreten musste, verschwand kurzerhand im Gebüsch hinter dem nächsten Trümmerhaufen.

Heute dagegen präsentieren sich die ehrwürdigen Mauern aufwendig restauriert und beherbergen das MM-Museum, eines der schönsten Automobilmuseen überhaupt. Den Innenhof, in dem die 375 Klassiker auf ihren Auftritt warten, bedeckt feiner Sandsteingrus. Und der einst baufällige Bereich, in dem die Teilnehmer tafeln, ist sauber verputzt. „Toll, was Franchi daraus gemacht hat“, meint Prinz Leopold.

Eine Rallye mit Geschichte

In der Tat - und es ist ein steinernes Sinnbild für das, was der Rechtsanwalt aus Brescia in den vergangenen 30 Jahren aus der Mille Miglia gemacht hat. 1977, zwei Jahrzehnte, nachdem das letzte 1000-Meilen-Rennen durch Italien gebraust war, hatten der damals 29-jährige Franchi und seine Freunde Beppe Lucchini, Vittorio Palazzani, Manuel Vigliani, Gino Danieli und Enzo Ziletti eine Gleichmäßigkeitsrallye organisiert, um das 50. Jubiläum des ersten Rennens 1927 zu feiern. "Wir hatten lediglich 50 Fahrzeuge erwartet, tatsächlich kamen über 100", erinnert sich Franchi.

Die zweite Mille Miglia storico ging 1982 an den Start.

Nummer drei folgte 1984. Seit 1986 tobt das Feld jährlich über die Apenninen-Halbinsel und hat sich längst zum berühmtesten Oldtimer-Rennen der Welt entwickelt - mit einem Budget von mehreren Millionen Euro, einer meterlangen Sponsorliste und einer Prominentendichte, die allenfalls in Monaco übertroffen wird. Mit der 25. Ausgabe hat die moderne Mille Miglia zudem in diesem Jahr das historische Vorbild um einen Zähler überrundet.

Mit Wehmut am Start

Dennoch rollen etliche Teilnehmer nach dem Abendessen mit leichter Wehmut zum Start auf die Viale Venezia. Zum ersten Mal nämlich hatten Franchi und seine Freunde bei der alle fünf Jahre anberaumten Ausschreibung des Automobilclubs von Brescia, der die Rechte an der Mille Miglia innehält, das Nachsehen: Von 2008 bis 2012 wird eine neue Organisation namens ATI, ein Zusammenschluss von Mac-Events, Meet Communicazione und Sanremorally, das Rennen veranstalten.

Zum Abschluss strahlt die Sonne

Vielleicht geben sich deshalb alle Beteiligten nochmals besondere Mühe, um die diesjährige Veranstaltung zu einem herausragenden Ereignis werden zu lassen - angefangen bei Petrus, der von Brescia über Ferrara bis Rom einen azurblauen Himmel ohne eine einzige Wolke spannt.

"Faszinierend, wie viele Menschen so spät noch unterwegs sind", meint Motor Klassik-Leser Thorsten Dörr, nachdem wir um 23.42 Uhr im Mercedes 220a über die Startrampe in die Nacht gerollt sind und begeistert begrüßt werden.

Aufmerksamkeit ist uns Gewiß

Die schwarze Limousine, die deutlich tiefer über dem Boden kauert als ein Serienfahrzeug und ohne Chromstoßstangen entsprechend ernsthaft daherrollt, hatte bereits bei der Fahrzeugabnahme auf der Piazza Loggia immer wieder für Aufsehen gesorgt. Gelassen röhrt der 85 PS starke Sechszylinder über die nächtlichen Straßen Richtung Ferrara; das Fahrwerk erlaubt eine überraschend forsche Gangart, die Bremsen packend beruhigend kräftig zu.

Übersicht: Mille Miglia 2007
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