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Neue Topmotoren bei Mercedes

Mild-Hybride mit richtig Power

Mercedes Wiener Motorensymposium 2017 Foto: Torsten Seibt 11 Bilder

Auf dem Wiener Motorensymposium hat Mercedes-Benz neue Benzin-Motoren für E- und S-Klasse im Detail vorgestellt. Die Reihen-Vier- und –Sechszylinder setzen auf elektrische Unterstützung.

28.04.2017 Torsten Seibt 4 Kommentare

M264 und M256 – diese Kürzel wird man sich merken müssen, denn sie beschreiben die neuen Hochleistungsbenziner von Mercedes, die erstmals auf ein 48-Volt-Bordnetz setzen und mit Starter-Generator zum Mild-Hybrid mit mächtig Power mutieren.

Die Verdrängung geht weiter. Wie schon in den letzten Jahren baut Mercedes die kleinvolumigeren Aggregate weiter aus, um die bisherigen Sechs- und Achtzylinder zu ersetzen. Plakativ geschieht das im Herbst als Premiere im E-Klasse Coupé, das als erstes Mercedes-Modell dem M264 eine Heimat bietet.

Der Zweiliter-Vierzylinder baut zwar in Grundzügen auf der M274-Vorgängergeneration auf, ist aber dennoch grundlegend umkonstruiert worden. Durch die Umstellung auf ein 48-Volt-Bordnetz ergibt sich die Möglichkeit, eine Mild-Hybrid-Aufrüstung zu realisieren. Dabei dient ein neuer Starter-Generator nicht nur als „Lichtmaschine“ und Anlasser, sondern auch zum Rekuperieren im Schiebebetrieb und als Kraftquelle beim Beschleunigen.

Beim M264 ist der Starter-Generator mit einem ausgefuchsten Riemenantrieb an der Front des Motors montiert. Mercedes nennt die Konstruktion „Pendelriemenspanner“: Je nachdem, ob das Aggregat gerade Strom erzeugt und in die rund 1 kWh fassende Lithium-Ionen-Batterie einspeist oder ob es beim kräftigen Beschleunigen unterstützen soll, schwenkt eine Spannrolleneinheit den Antriebsriemen auf die eine oder andere Seite, um jeweils die maximale Leistungsübertragung zu gewährleisten.

160 Newtonmeter Extraschub

Maximal 12 kW rekuperiert der Starter-Generator, im anderen Arbeitsmodus kann er mit 10 kW beim Vortrieb helfen. Wichtiger als diese Zahl: Stolze 160 Newtonmeter Drehmoment kann der E-Antrieb beisteuern, so kann der Zweiliter-Benziner den Sechszylinder-Vorgänger im 320er-Modell locker ausbeschleunigen. 5,9 Sekunden für Nullhundert statt bisher 6,6 Sekunden – das ist deutlich.

Eine Neuentwicklung ist der Twinscroll-Turbolader mit elektrisch angesteuertem Wastegate-Ventil, der bereits bei niedrigen Drehzahlen für hohe Leistung bürgt. Mit 299 PS Maximalleistung ist der Motor auch in Sachen Literleistung ein ordentlicher Kracher. Durch das 48-V-Bordnetz kommt nun eine elektrische Wasserpumpe mit 550 Watt Leistung zum Einsatz, die sich bedarfsweise ansteuern lässt und so die schnellstmögliche Motorerwärmung ermöglicht.

Mercedes S-Klasse FaceliftNeuer Plug-in-Hybrid im 560 e

Ein weiterer Vorteil des Startergenerators gegenüber einem üblichen Zahnkranz-Anlasser ist der weichere und schnellere Anlassvorgang. Das ist nicht nur aus Komfortgründen ein Plus, es ermöglicht auch das bedarfsweise Abschalten des Motors im Segelbetrieb und schnellstmögliches Neustarten praktisch ohne Verzögerung. Auch mit zahlreichen speziellen Dämmmaßnahmen sowie durch neue Motorträger aus Kunststoff will Mercedes das Geräusch- und Vibrationsverhalten auf den Level eines Sechszylinders gebracht haben.

Der neue M256

Nochmals eine Schaufel drauf legt der neue M256, und zwar in jeder Beziehung. Der Dreiliter-Reihensechszylinder wird in der modellgepflegten S-Klasse Premiere feiern und dort den bisherigen Achtzylinder im S 500 ersetzen. Bei dieser Maschine konnten die Entwickler technisch in die Vollen gehen, da es sich um eine komplette Neuentwicklung handelt, ohne wie beim M264 auf eine Vorgänger-Architektur aufbauen zu müssen. So konnte der auch beim Sechszylinder verwendete Starter-Generator am Kurbelwellenausgang zum Getriebe hin mit starr integriertem Stator konstruiert werden. Das bringt etliche Vorteile wie ein nochmals schnelleres und praktisch ruckfreies Starten des Motors sowie keine Leistungsverluste über einen Riemenantrieb, der neue M256 ist ein riemenfreier Motor. Bis zu 16 kW Leistung steuert der Elektromotor bei Bedarf bei.

Entsprechend wird nicht nur die Wasserpumpe, sondern auch der Klimakompressor elektrisch angetrieben. Beim Sechszylinder sorgt das neue 48-Volt-Bordnetz außerdem für eine weitere Ladereinheit. Zusätzlich zum abgasbetriebenen Twinscroll-Lader kommt ein elektrisch betriebener Verdichter dazu, der schon bei niedrigen Drehzahlen für ausreichend Druckluft im Brennraum sorgt. Maximal lassen sich in der Hochleistungsvariante des M256 435 PS und 520 Newtonmeter abrufen, auch hier ist eine amtliche Beschleunigung garantiert: mit 4,8 Sekunden beschleunigt der künftige S500-Sechszylinder exakt so schnell wie das Vorgängermodell mit V8.

Lohn der ganzen Mühe sind nicht nur erheblich geringere Verbrauchswerte – minus 23 Prozent beim Vierzylinder, minus 25 Prozent beim Sechszylinder jeweils gegenüber den zu ersetzenden Aggregaten. Die neuen Motoren sind außerdem durch weitere Konstruktionsmerkmale wie eine optimierte Einspritzung mit neuem Kolbendesign auch in Sachen Schadstoffausstoß erheblich besser als die Vorgängermodelle. Und: Beide Motoren erhalten serienmäßig einen Partikelfilter.

Neuester Kommentar

Ist doch alles kalter Kaffee! Toyotas Voll-Hybride haben seit 2004 schon elektrisch betriebene Wasserpumpen und Klimakompressoren, keinen Anlasser mehr, keine Lichtmaschine etc. Die hier vorgestellten Mercedes Mild-Hybrid-Quatsch sind lediglich der beste Beweis, dass Mercedes es nicht schafft, ordentliche Voll-Hybride zu entwickeln!

Lecter 19. Juni 2017, 15:57 Uhr
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