Fahrbericht Nissan Leaf (2018)

Was kann der E-Auto-Bestseller mit mehr Reichweite?

Nissan Leaf 2018 (ZE1), Dirk Gulde Foto: www.achim-hartmann.com 40 Bilder

Der Nissan Leaf ist mit rund 300.000 Einheiten das weltweit meistverkaufte Elektroauto überhaupt. Die zweite Generation des Leaf kriegt mehr Leistung und bietet eine deutlich höherer Reichweite – zu weiter günstigem Preis. Wie fährt der Nissan Leaf Modelljahr 2018?

Seit 2011 ist Nissan mit dem Elektroauto Leaf auf dem Markt. Und weil gerade bei E-Autos die Entwicklung rasend schnell voranschreitet, war der Bestseller Leaf in einigen Punkten hinter die Konkurrenz zurückgefallen. Hier soll die Neuauflage deutlich aufholen, auch wenn sie an der sieben Jahre alten Technikplattform des Vorgängers festhält.

Bis zu 500 km Reichweite für den Leaf

09/2017, Nissan Leaf Foto: Nissan
Der neue Nissan Leaf soll aerodynamisch so geformt sein, dass seine Karoserie Null Auftrieb liefert.

Besonders in Sachen Reichweite soll der neue Nissan Leaf wieder vorne mitspielen. Die Batteriekapazität des Nissan Leaf steigt auf 40 kWh und soll so eine Reichweite von 350 Kilometern (NEFZ) ermöglichen. Später soll noch ein größerer 60-kWh-Akku nachgeschoben werden, der bis zu 500 Kilometer möglich machen soll. Generation 1 standen maximal 30 kWh für bis zu 250 km zur Verfügung.

Mehr gibt es auch in Sachen Leistung. Der Elektromotor leistet jetzt 110 kW, 30 mehr als bisher und kommt auf maximal 320 Nm (bisher 254 Nm). Den Spurt von Null auf 100 km/h absolviert der neue Nissan Leaf lautlos in 8,5 Sekunden. Die Basisvariante regelt bei 144 km/h ab, in Europa wird der Leaf mit dem großen Akku bis zu 160 km/h schnell laufen dürfen. Power-Freunde dürfen sich auf die E-Plus-Variante des neuen Nissan Leaf freuen. Die kombiniert den größeren Akku mit einem 160 kW starken Elektromotor, ist aber auch rund 90 Kilogramm schwerer als das Basismodell.

Nissan Leaf Technische Daten

Nissan Leaf Daten
Länge 4.490 mm
Breite 1.790 mm
Höhe 1.540 mm
Radstand 2.700 mm
Spurbreite vorne / hinten 1.540/1.555 mm
Bodenfreiheit 150 mm
Luftwiderstand (c Wert) 0,28
Reifen 205/55R16 oder 215/50R17
Leergewicht (min) 1.535 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 1.765 - 1.795 kg
Sitzplätze 5
E-Motor
Maximale Leistung 110 kW (150 PS)
Maximales Drehmoment 320 Nm
Höchstgeschwindigkeit 144 km/h
Batterie
Typ Lithium-Ionen-Batterie
Kapazität 40 kWh
Reichweite 378 km (NEFZ)
Ladezeit Haushaltsstecker 16 Stunden (3 kW)
22kWACLadestation 8 Stunden (6 kW)
Laden bis zu 80% (Schnellladen) 40 Minuten

Neu gestalteter Innenraum

Beim Design lehnt sich die nächste Generation des Nissan Leaf beim Micra sowie der Tokio-Studie IDS Concept an. Damit wirkt er gefälliger und passt sich der neuen Markendesignlinie an. Im Zuge der Neugestaltung wird der neue Leaf 3,5 Zentimeter länger und etwas flacher. Das verleiht ihm dynamischere Proportionen und einen verbesserten cW-Wert. Nissan spricht von cW 0,27 und Null Auftrieb. Zudem sollen spezielle Aerodynamikelemente den Leaf spurstabiler machen.

Weitgehend neu gestaltet wurde auch der Innenraum. Nur noch die Klimabedieneinheit und Automatikwählhebel erinnern an den Vorgänger. Der Fahrer blickt auf einen analogen Tacho und ein flankierendes digitales Infodisplay, das über Ladezustand und Kraftfluss informiert. Das Infotainment mit sieben Zoll großem Touchscreen integriert Smartphones über Android Auto und Apple Carplay und stammt aus dem Micra. Fahrer und Beifahrer nehmen auf schicken Leder-Alcantara-Sitzen mit blau abgesetzten Ziernähten Platz. Die gut ausgeformten Wangen versprechen ausreichend Seitenhalt. Zudem sitzt man nun etwas tiefer als im alten Modell. Die Rundumsicht leidet aber unter der breiten C-Säule sowie der schmalen Heckscheibe. Abhilfe schafft da der digitale Rückspiegel, der auf Knopfdruck ein Kamerabild zeigt, das den toten Winkel fast gänzlich reduziert.

Kein volldigitales Cockpit im Nissan Leaf

Der Blick ins Cockpit überrascht: Statt auf volldigitale Instrumente wie beim Vorgänger fällt der Blick nun auf einen analogen Tacho. Daneben begrüßt den Fahrer ein digitales Display, das mit schicken Animationen über Ladezustand oder Kraftfluss informiert. Das Lenkrad unterscheidet sich nun kaum noch von anderen aktuellen Nissan-Modellen. Lediglich der Schalter für den autonomen Fahrassistenten ProPilot ist neu.

Klimaeinheit und Automatikwählknopf stammen jedoch noch von der ersten Generation des Nissan Leaf. Genau wie der Qualitätseindruck. In der Vorserienversion dominiert schwarzer Kunststoff der sich genauso hart und billig anfühlt wie er aussieht.Im Fond sitzt man ebenfalls etwas tiefer und wahlweise auch beheizt. Bein- und Kopffreiheit sind nicht schlechter als bei anderen Autos der Kompaktklasse. Der Platz im Kofferraum bleibt nahezu unverändert.

Nissan Leaf fährt teilautonom

Der neue Nissan Leaf mit autonomen Fahrfunktionen. Der sogenannte ProPilot im neuen Nissan Leaf kann im einspurigen Autobahnverkehr per Knopfdruck bis Tempo 160 die Steuerung von Lenkung, Gaspedal und Bremsen übernehmen und so den Fahrer im Kolonnenverkehr und in Staus unterstützen. Der ProPilot kann den Leaf auch alleine einparken.

Fahrbericht Nissan Leaf (2018)

Erfolg macht träge? Von wegen. Im Vergleich zu seinem 300 000 Mal verkauften Vorgänger soll sich der Leaf in über 100 Details verbessert haben. Darunter Kleinigkeiten wie die höher postierte und dadurch leichter erreichbare Ladeklappe, aber auch Aufwendigeres wie die um 15 Prozent verbesserte Karosseriesteifigkeit.

Am meisten dürften sich Elektrofahrer jedoch über die größere Batterie freuen: Trotz nahezu identischer Abmessungen fasst das im Boden untergebrachte Akku-Pack jetzt 40 statt 30 kWh. Die Norm-Reichweite nach NEFZ stieg dadurch um rund 120 auf 378 km. Nach dem neuen, deutlich realistischeren Fahrzyklus WLTP sind dies immer noch 270 km, womit der neue Leaf genug Reserven für die meisten Lebenslagen bietet.

Lade-System abseits des Mainstream

Geladen wird der Leaf über einen Typ-2-Stecker mit bis zu 6,6 kW Wechselstrom (AC). Im Gegensatz zu Kooperationspartner Renault bietet Nissan keine stärkeren AC-Lader an. Von den in Deutschland verbreiteten Dreiphasen-Ladern mit 11- und 22-kW profitiert der Leaf also nicht. Soll es mal schneller gehen, muss einer von derzeit 600 Chademo-Säulen in Deutschland angesteuert werden, die mit 50 kW Gleichstrom 80 Prozent des Akkus in 40 Minuten füllen.

So laden Ampera-e, Tesla und Co.
Reichweite durch Schnellladung

Der größere Akku versorgt einen stärkeren Motor, dessen 150 PS für zackige Fahrleistungen sorgen. So spurtet der 1,5-Tonner in 7,9 Sekunden auf Tempo 100, wobei besonders der unmittelbare Antritt bei niedrigen Geschwindigkeiten begeistert und selbst Fahrer deutlich stärkerer Verbrenner-Modellen verblüfft.

Im Vergleich zum eher gemütlichen Vorgänger fällt zudem die gefühlvollere Lenkung auf, die um die Mittellage direkter anspricht. Auf kurvigen Passstraßen profitiert der äußerst leise Stromer zudem von seinem niedrigen Schwerpunkt. Die gewichtigste Komponente eines E-Autos ist eben seine Batterie und die sitzt im Nissan besonders tief.

Nissan Leaf E-Pedal Foto: Nissan
Beschleunigen, bremsen, anhalten mit nur einem Pedal - dem neuen E-Pedal.

Zum Fahren genügt jetzt auch im Leaf ein Pedal

Auf Wunsch lässt sich der straff gefederte Leaf mit nur einem Pedal fahren: Die per Knopfdruck aktivierbare E-Pedal-Funktion sorgt dafür, dass der Viertürer seine volle Rekuperationsbremse nutzt, sobald der Fahrer vom „Gas“ geht. Die elektrische Bremswirkung von bis zu 0,2 g reicht bei etwas vorausschauender Fahrweise fast immer aus, nur im Notfall müssen die mechanischen Stopper über das Bremspedal hinzugezogen werden. BMW-i3-Fahrer kennen das.

Neu ist zudem das Pro-Pilot genannte Assistenzsystem, eine Kombination aus radarbasiertem Abstandstempomat und Spurhalter mit Lenkeingriff – vor allem bei zähem Verkehr eine Hilfe.

Interieur und Infotainment mit Schwächen

Trotz der über 100 Verbesserungen ist nicht alles perfekt am neuen Leaf: Die hoch postierte Rückbank zwingt Mitfahrer in eine unbequeme Haltung, zudem fehlt es an Kopffreiheit. Die vorderen Sessel sind da schon deutlich bequemer, allerdings lässt sich das Lenkrad nach wie vor nur in der Höhe verstellen und nicht in der Weite. Die perfekte Sitzposition findet so nicht jeder. Für ein so futuristisches Auto wie den Leaf enttäuscht zudem das Infotainment-System. Dass die Kartenanzeige antiquiert wirkt, lässt sich noch verschmerzen, nicht jedoch, dass schnelle und zuverlässige Online-Stauwarner fehlen. Und wer auf der Suche nach einer Ladesäule ist und wissen will, ob die gerade frei ist, muss weiterhin auf Handy-Apps zurückgreifen. Immerhin unterstützt das System Apple Carplay und Android Auto.

Fazit und Preis

Download Nissan Leaf Preisliste (PDF, 0,63 MByte) Kostenlos

Dass die Qualitätsanmutung vieler Oberflächen, Schalter oder Verkleidungen wie im Vorgänger eher schlicht wirken, bestreiten die Nissan-Verantwortlichen gar nicht. Der Plan, ein vollwertiges, agiles und bezahlbares E-Auto mit hoher Reichweite auf die Straße zu bringen, ist schließlich voll und ganz aufgegangen: Mit Preisen ab 31.950 Euro gehört der Neue zu den günstigsten Elektroautos der 40-kWh-Klasse. Gute Voraussetzungen also, dass auch der neue Nissan Leaf wieder zu den besonders erfolgreichen E-Autos gehören wird.

Zum Marktstart hat Nissan das Sondermodell Leaf 2.Zero Edition aufgelegt. Die limitierte Sonderedition ist ab einer monatlichen Rate von 295 Euro bestellbar. Darin inbegriffen ist auch eine 22-kW-AC-Wallbox (3-phasig) fürs heimische Nachladen. Der Kaufpreis für den Leaf 2.Zero Edition beträgt 34.950 Euro. Die ersten Fahrzeuge rollen Anfang 2018 zu den deutschen Kunden.

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