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Online-Autoaufkäufer im Test

Alternative für den Gebrauchtwagen-Verkauf?

Online-Autokäufer, Luca Leicht Foto: Dino Eisele 2 Bilder

Sind Online-Autoaufkäufer wie www.wirkaufendeinauto.de so gut, wie sie versprechen? Wir haben den Selbstversuch gemacht.

17.11.2016 5 Kommentare Powered by

Wer schon einmal versucht hat, seinen Wagen zu verkaufen, kennt das Dilemma. Zum einen will man den besten Preis für den Gebrauchten erzielen, zum anderen soll das alte Blech möglichst zügig vom Hof. Das Wichtigste aber: Der Abschied vom Alteisen soll keine Nerven kosten. Telefonanrufe mit der scheinbar obligatorischen Frage „Was ist der letzte Preis?“ sind daher ebenso ärgerlich wie der fünfte Interessent, der sich für Samstagvormittag ankündigt und dann unentschuldigt nicht erscheint.

Eine verführerische Alternative können daher Internetportale wie www.wirkaufendeinauto.de (WKDA) sein, die mit einem stressfreien und vor allem schnellen Autoverkauf werben – nur 30 Minuten, so das Versprechen der Berliner. Mit einem sieben Jahre alten Golf VI haben wir den Versuch gewagt und nach anfänglichen Schwierigkeiten einen passablen Preis erzielt. Doch alles schön der Reihe nach.

Denn so verlockend das Angebot aus dem Netz auch klingt, so negativ sind die Stimmen in manchen Kommentarzeilen. „Abzocke“, „Lockangebot“ und „Betrug“ sind dabei oft die nettesten Beschreibungen der Erlebnisse von gefrusteten Autoverkäufern. Der Vorwurf: Das erste Angebot im Internet sei systematisch viel höher als das nach der Besichtigung. „Mir wurden über 20 Prozent zwischen dem ersten und zweiten Angebot abgezogen“, berichtet auto motor und sport-Leser Markus Seib. „Online wurden mir 10.800 Euro suggeriert. Plus Sonderausstattung“, erklärt er, und Extras habe sein scheckheftgepflegter Golf Highline mit 1.4 TSI-Motor reichlich. Standheizung, automatisches Einparken, Bi-Xenon, Schiebedach, Kurvenlicht und das Soundpaket biete der Wagen des Baujahrs 2010. „Aufgrund der Formulierung ging ich davon aus, dass der Preis durch die Sonderausstattung noch steigt, am Ende wurden aber nur noch 8.500 Euro angeboten.“ Ein Vorwurf, den viele Verkäufer dem Portal machen. Von einem anderen Händler bekam Seib später immerhin 10.000 Euro.

Das erste Angebot klingt gut

Als wir die Website mit den Daten unseres 2.0 TDI-Golfs und seinen knapp 180.000 Kilometern füttern, spuckt das System einen potenziellen Kaufpreis von 5.700 Euro plus Sonderausstattung aus. Das klingt vielversprechend, den genauen Preis könne man aber erst beim Termin vor Ort ermitteln. Schiebedach und derlei Extras hat unser Golf nicht, dafür aber jede Menge Kampfspuren. Eine faustgroße Delle im Kotflügel, Kratzer an nahezu allen Blechteilen und die ramponierten Stoßstangen vorn und hinten sind dabei nur die offensichtlichsten. Zudem wurde der Innenraum von drei Sprösslingen im Lego-Duplo- bis E-Jugend-Alter malträtiert. Im Winter haben die Kanten der Ski und Snowboards beim Ausflug in die Berge die eine oder andere Kerbe im Plastik hinterlassen. Eine Augenweide ist das sieben Jahre alte Auto also bei Weitem nicht mehr. Technisch aber, das bestätigt auch ein erst kürzlich erstelltes Gutachten, steht der scheckheftgepflegte 2.0 TDI noch da wie eine Eins.

Die Odyssee beginnt

Nach wenigen Klicks durchs Menü steht der Termin für 8 Uhr. Direkt im Anschluss machen wir das erste Mal mit dem nervigen Anrufroboter Bekanntschaft, der den bereits fixiert geglaubten Termin noch einmal bestätigt. Wäre das also auch geklärt.

Kaum bei der WKDA-Filiale angekommen, werden wir prompt wieder vom Hof geschickt. Das Bewertungssystem sei seit dem Vorabend um 19.30 Uhr nicht zu erreichen und daher auch keine Bewertung oder Preisermittlung möglich. „Sie müssen telefonisch einen neuen Termin vereinbaren“, erklärt der WKDA-Mitarbeiter, der uns auch sagt, dass 95 Prozent der Autos aus Deutschland ins Ausland gehen und das Unternehmen Deutschlands größter Gebrauchtwagenhändler mit über 300 Filialen sei.

Nach 25 Minuten Warteschleife, unzähligen Bandansagen und einer verwirrenden automatischen Anrufvermittlung tönt endlich die Stimme eines echten Menschen aus dem Hörer. Als wir nach dem Systemausfall fragen und wann der nächste Termin frei sei, hören wir ungläubiges Kichern und die Worte „Davon weiß ich nichts. Ich bin erst seit drei Minuten da. Einen Moment bitte“ und landen wieder bei der Warteschleifenmusik. Weitere drei Minuten später die Info: „Wir haben keinen Systemausfall. Am besten fahren Sie in eine andere Filiale. Darf ich einen neuen Termin vereinbaren?“

Gesagt getan, nach gut 40 Minuten und zwei weiteren musikalisch fragwürdigen Unterbrechungen steht noch am selben Tag ein Termin in einer anderen Filiale. Prima. Die Sache mit den 30 Minuten wäre hiermit allerdings endgültig passé.

Beim zweiten Termin klappt dann alles wie am Schnürchen, wenn auch ohne Hebebühne und Probefahrt. „Das brauchen wir nicht“, erklärt der Mitarbeiter zu unserem Erstaunen und startet pünktlich um 10.30 Uhr die Besichtigung samt Foto-Arie, bei der er akribisch jeden Kratzer dokumentiert und das Angebot dem 15.000 Händler starken Netz von WKDA zur Verfügung stellt.

37 Minuten später erhalten wir ein Angebot von knapp 5.100 Euro und fünf Tage Bedenkzeit. Das sind zwar zwölf Prozent unter dem ersten Angebot, dennoch ein sehr fairer Preis – gerade wegen der vielen Mängel.

So verkaufen Sie Ihren Gebrauchten richtig

Richtiger Zeitpunkt: Im Frühjahr und im Sommer lassen sich Autos leichter für den Verkauf präsentieren als im Winter. Zudem ist ein Gebrauchter knapp unter 100.000 km Laufleistung gefragter als knapp darüber.

Auto aufbereiten: Dazu gehört die Außen- und Innenreinigung sowie das Entfernen alter Vignetten samt Kleberrückständen. Zudem lohnt es sich, den Öl-, Wischwasser- und Kühlwasserstand zu prüfen und kleine Schäden reparieren zu lassen. Der Besuch beim Beulendoktor ist oft günstiger als erwartet und steigert den Preis.

Realistisches Preisniveau: In Autobörsen finden Sie einen Anhaltspunkt, was Ihr Wagen wert sein könnte. Doch Vorsicht: Ein zu hoher Preis verschreckt die Käufer; ist er zu niedrig, verschenken Sie bares Geld.

Fotos und Beschreibung: Beim Verkauf über Online-Börsen sind aussagekräftige Bilder und Infos wichtig. Fotografieren Sie das Auto bei Tageslicht vor einem neutralen, hellen Hintergrund von allen Seiten sowie schräg von vorn und hinten samt Zubehör. Detailaufnahmen von Schäden ersparen später Diskussionen. Bei der Beschreibung sind potenzielle Käufer für jede Info dankbar: Ist es ein Raucherauto, sind Schäden bekannt, welche Reparaturen wurden gemacht? Informieren Sie ehrlich und umfassend. Das schafft Vertrauen.

Papiere parat halten: Das gilt für Sie und den möglichen Käufer. Neben den Fahrzeugpapieren sind auch Serviceheft, HU-Bescheinigung, ABE und Gutachten wichtig. Für eine Probefahrt sollten Sie zwingend den Führerschein und die Personalien kontrollieren.

Fazit

Nervenschonend war auch dieser Autoverkauf nicht. Abgesehen vom Hin und Her am Telefon und bei der Terminvereinbarung haben wir aber ein faires Angebot bekommen – und mit weniger Zeitaufwand wohl bislang noch kein Auto verkauft. Das 30-Minuten- Versprechen wurde dennoch gebrochen. Außerdem liegt der Verdacht nahe, dass nicht jeder so gut wegkommt. Es scheint, als wären Autos in einem schlechten Zustand vergleichsweise besser an den Mann zu bringen als gepflegte. Die Online-Plattform bietet eine Ergänzung zum etablierten System, eine Alternative ist sie nicht.

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Zur Korrektur das Unternehmen befindet sich in Königs Wusterhausen.

c.herbert 21. November 2017, 12:48 Uhr
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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