Opel-BR Franz

"Eisenach braucht Presswerk"

Foto: dpa

Opel-Betriebsratschef Klaus Franz hält das Opel-Werk in Eisenach, das den erfolgreichen Kleinwagen Corsa produziert, auf Dauer nur für überlebensfähig, wenn es auch selbst Karosserieteile in einem eigenen Presswerk herstellt, statt Teile aus dem Opel-Werk Zaragossa in Spanien zu beziehen.

"Unser Werk Eisenach mit seinen rund 2.000 Mitarbeitern hat als Vorzeigewerk immer größere Wettbewerbsnachteile, denn es gibt dort kein Presswerk", bemängelt Franz. 

Die Kosten für ein eigenes Presswerk beliefen sich auf höchstens 90 Millionen Euro, während die Kosten für den Transport der Karosserieteile die Milliardengrenze weit überschritten hätten. Franz: "Wir fordern von der Europazentrale, dass dieses zukunftssichernde Investition so bald wie möglich getätigt wird, statt weiter Pressteile aus Zaragossa in Spanien ins Werk zu liefern. Die Logistikkosten seit der Gründung des Werkes 1991 belaufen sich auf irrwitzige 1,8 Milliarden Euro", kritisiert Franz. 

An der falschen Stelle gespart

"Dafür hätten wir uns schon längst ein vergoldetes Presswerk leisten können. Hier wird wieder an der falschen Stelle gespart."
Optimistisch ist der Betriebsratschef allerdings, dass Eisenach seine Produktionsziele erreichen wird, obwohl Opel derzeit spürbare Einbußen im Privatkundengeschäft verzeichnet. "Im laufenden Jahr werden wir wie geplant rund 175.000 Corsa in Eisenach fertigen."
 
Dagegen warnt Franz davor, die nächste Generation des Corsa nicht mehr in Deutschland, sondern wie bereits den Opel Antara bei der GM-Konzerntochter Daewoo in Korea zu entwickeln. "Leider zeigen uns die Vergleichstests beim Antara ein Problem bei globalen Architekturen", so Franz. Es gebe Schwierigkeiten, "die speziellen Marken-Identitäten und -Werte", zu wahren. Tatsächlich kann sich der Geländewagen im Markt noch nicht behaupten, obwohl er mit monatelangem Zeitvorsprung vor den Pendants von VW (Tiguan) und Ford (Kuga) in den Markt gekommen ist.

Verkaufsziel nicht mehr erreichbar

Nach internen Zahlen wurde der Antara bis Ende Juli nur 13.200 Mal in West- und Zentraleuropa verkauft. Damit scheint das Ziel von 50.000 Einheiten für das volle Verkaufsjahr zumindest in diesem Jahr nicht mehr erreichbar. Ein Opel-Sprecher erklärt den schwachen Marktstart damit, dass "in den ersten drei, vier Monaten" aus Gründen der Qualitätssicherung noch kein Diesel im Angebot war.

Franz ist weniger geduldig: "Dieses Mal handelt es sich glücklicherweise nur um ein Nischen-Modell, das uns zumindest einen Zeitvorsprung vor VW und Ford erlaubt hat. Allerdings habe ich dramatische Bedenken, dass die Entwicklungsverantwortung für die nächste Corsa-Generation der südkoreanischen GM-Daewoo-Sparte anvertraut werden soll. Hier dürfen wir uns keine Patzer leisten."

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