Opel-Chef-Wechsel

Stracke folgt auf Reilly

Karl-Friedrich Stracke Foto: Opel

Überraschender Chefwechsel beim Autobauer Opel: Der Brite Nick Reilly verlässt zum 1. April den Chefsessel und soll Vorsitzender des Aufsichtsrates der Adam Opel AG werden. Nachfolger an der Unternehmensspitze wird der Chefentwickler der Opel-Mutter General Motors (GM), Karl-Friedrich Stracke, wie der Autobauer am Donnerstag (17.3.) mitteilte.

Reilly (61) wird gleichzeitig weiter das GM-Europageschäft mit den Marken Opel/Vauxhall, Chevrolet und Cadillac leiten. Damit hat Opel praktisch wieder eine Art Doppelspitze. Stracke (54) muss an den neuen Chefaufseher Reilly berichten - und ist zum Erfolg verdammt. Denn Opel muss endlich zurück in die Gewinnzone. Das Management in Detroit hat das mehrfach klar eingefordert: Während der US-Autokonzern wieder Milliarden verdient, steckt die deutsche Tochter in den roten Zahlen fest.

GM will Gewinne sehen

Die Personalrochade wurde von GM-Chef Dan Akerson beschlossen. Er begründete den Schritt am Donnerstag so: "Der europäische Markt und unser Geschäft in Europa sind äußerst wichtig für GM. Diese Personalentscheidung bringt uns die beste Führungsmannschaft in einer Zeit, in der das Unternehmen auf Wachstum und Profitabilität ausgerichtet ist."
 
Der Aufsichtsrat muss dem Wechsel noch zustimmen. Der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Walter Borst soll dem Gremium weiter angehören.
 
Das Führungskonstrukt erinnert an frühere Zeiten, als GM eine Europazentrale in der Schweiz hatte und Opel nur eine Marke von GM Europe (GME) war. Damals war der heutige Tata-Manager Carl-Peter Forster GM-Europa-Chef und saß dem Opel-Aufsichtsrat vor - so wie nun Reilly. Der Brite versprach aber: "Ich habe nicht vor, zur alten bürokratischen Struktur von GME zurückzukehren", sagte Reilly in einer kurzfristig einberufenen Telefonkonferenz. Zudem war Opel damals nicht mehr als eine deutsche Marke im Konzernverbund. Heute ist Opel eine Aktiengesellschaft, zu der sämtliche Produktionsstätten in Europa gehören.
 
Reilly erklärte, der Ingenieur Stracke werde das Tagesgeschäft leiten. Er selbst werde sich um langfristige Strategien kümmern: "Ich werde in Rüsselsheim bleiben und eng mit Karl zusammenarbeiten."
 
Der Brite war im November 2009 zum Chef von GM Europe mit den Hauptmarken Opel/Vauxhall ernannt worden. Mitte Januar 2010 trat er die Nachfolge von Hans Demant an der Opel-Spitze an. Er sollte das Überleben des damals kriselnden Autobauers sichern und Opel zurück in die schwarzen Zahlen lenken. Bislang hatte er für das laufende Jahr operativ die Gewinnschwelle angepeilt, nach Restruktrierungskosten aber ein Minus von 500 Millionen Euro angekündigt. 2012 soll Opel dann wieder Geld verdienen.
 
Der Nordhesse Stracke arbeitet seit 1979 bei Opel und GM. Seit 2009 verantwortete er als GM-Chefentwickler den globalen Produkt- und Technologiebereich. Unter seiner Führung haben Ingenieure und Techniker unter anderem die Elektrofahrzeuge Opel Ampera und Chevrolet Volt mit Reichweitenverlängerung entwickelt. Als Sanierer hat er sich bisher aber nicht hervorgetan.
 
Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vermutet, dass GM mit dem Führungswechsel versucht, sein angekratztes Image aufzupolieren: "Man will Opel verjüngen und hat nun wieder eine deutsche Gallionsfigur. Zudem wird gezeigt, dass die Marke Opel von deutscher Ingenieurstechnik getrieben wird."
 

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