Opel-Stellenstreichungen

Kritik an Management

Foto: dpa

Auf die massiven Stellenstreichungen bei Opel reagieren Politiker und Gewerkschafter mit Kritik am Opel- und GM-Management. Standortsicherungen und aber auch eine neue Wirtschaftspolitik werden gefordert.

Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Ursula Engelen-Kefer sieht den Grund für die Krise bei Opel in Managementfehlern. "Wenn es um Opel geht, sind sicherlich sehr zentralisierte Managemententscheidungen verantwortlich, die nicht rechtzeitige Investition in Modernisierung", sagte Engelen-Kefer am Freitag (15.10.) im ZDF. Allerdings spiele auch die "generelle Wirtschaftsflaute" eine Rolle. Es zeige sich, "wie dringend es wäre, dass wir endlich zu einer Stärkung der Binnenkonjunktur kommen".

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie Michael Rogowski macht in erster Linie die hohen Lohnstückkosten in Deutschland für die Probleme in der Wirtschaft verantwortlich. Im internationalen Vergleich der Lohnstückkosten komme man immer noch zu dem Ergebnis, "dass wir an der Spitze liegen", sagte Rogowski im Deutschlandfunk. Außerdem sei Deutschland nach wie vor ein "Spitzensteuerland" und der Arbeitsmarkt sehr reguliert. "Wenn es dann um internationale Konzerne geht, die vergleichen ihre Werke in Deutschland mit ihren Werken woanders, (...) dann passiert das eben", sagte er mit Blick auf den angekündigten massiven Stellenabbau bei
Opel.

IG Metall-Vize fordert Bestandsgarantien

Die Folgen des Verlusts von möglicherweise 4.000 Arbeitsplätzen im Bochumer Opelwerk sind für die Stadt noch gar nicht genau abschätzbar. "Das ist nicht dramatisch, sondern katastrophal", sagte Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) auf WDR 2. Sie hoffe, die Zahlen seien noch Planzahlen, über die verhandelt werden könne. Zusammen mit der Stadtspitze von Rüsselsheim wolle sie noch einmal auf den Opel-Vorstand zugehen. Bochum habe jetzt bereits eine Arbeitslosenquote von 12,3 Prozent.

In der Krise um den Autokonzern Opel rechnet IG-Metall-Vize Berthold Huber mit schmerzhaften Einschnitten. Im Bayerischen Rundfunk forderte Huber am Freitag Bestandsgarantien für alle europäischen Standorte sowie einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. "Dass man ungeschoren aus so einem Prozess ... herauskommt, dass glaubt auf unserer Seite niemand."

Huber forderte den Opel-Mutterkonzern General Motors zu raschen Verhandlungen auf. "Es ist eine unerträgliche Situation, dass tausende von Menschen in Angst gehalten werden". Er widersprach mit Blick auf den florierenden Autobauer BMW dem Argument von General Motors, in Deutschland seien die Lohnnebenkosten zu hoch. Nicht die hohen Arbeitskosten seien für die Opel-Krise verantwortlich sondern Managementfehler. "Den schuldigen immer woanders zu suchen ist unglaublich."

Clement: Rabiates Programm

Die Sanierung des Opel-Konzerns muss nach Ansicht von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) ohne betriebsbedingte Kündigungen ablaufen. Es gehe nun um einen einvernehmlichen Weg, um die jährliche Kostenreduzierung von 500 Millionen Euro bis 2006 zu erreichen. "Ganz sicher ist das auch möglich ohne betriebsbedingte Kündigungen", sagte Clement am Donnerstag dem Nachrichtensender n-tv. Es sei zu hoffen, dass sich die Vorstände wie bei KarstadtQuelle an den Kostensenkungsprogrammen beteiligen. Den von General Motors (GM) vorgelegten Sanierungsplan bezeichnete der Minister als "rabiates Programm".

Die angekündigten Stellenstreichungen markieren nach Auffassung Clements erst den Anfang der Verhandlungen zwischen Unternehmensleitung, Betriebsräten und Gewerkschaften. Jetzt komme es darauf an, dass man gemeinsam ein Lösung suche. Clement bekräftigte, Opel Europa sei ohne den Markt Deutschland nicht vorstellbar. Allein Nordrhein-Westfalen sei als Opel-Markt sieben mal so stark wie der schwedische Markt, sagte Clement. In den Standort Rüsselsheim seien in den vergangenen Jahren 720 Millionen Euro investiert worden. «Es gibt keine bessere Infrastruktur als in Rüsselsheim - zu Lande, zu Wasser, zu Luft und auf der Schiene.»

Die wirtschaftspolitische Sprecherin der Unionsbundestagsfraktion Dagmar G. Wöhrl (CSU) gab der rot-grünen Regierung eine Mitschuld an den Krisen bei Opel und KarstadtQuelle. "Es hilft nichts, wenn Minister Clement hier versucht, den Feuerwehrmann zu spielen. Durch das rot-grüne Missmanagement ist unser Standort in eine schwere Krise geraten. Wir brauchen dringend einen wirtschaftspolitischen Sanierungsplan für die Deutschland AG."

Ähnlich äußerte sich FDP-Chef Guido Westerwelle, der Opel und Karstadt als "Spitze eines Eisberges" bezeichnete. "Schon heute verlieren wir jeden Tag 1.000 Arbeitsplätze in Deutschland. Die meisten Fälle sind nicht so spektakulär wie Opel oder Karstadt, aber sie sind für unzählige kleine und mittlere Unternehmen und ihre Beschäftigten nicht weniger dramatisch." Notwendig sei eine neue Wirtschaftspolitik, die auf Wachstum setze und dem schleichenden Abzug von Arbeitsplätzen entgegensteuere.

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