Traumwagen Pontiac GTO

Muscle-Car-Ikone

Pontiac GTO, Frontansicht, Franz-Peter Hudek Foto: Hardy Mutschler 5 Bilder

Weil Franz-Peter Hudek die sportive US-Marke mag, die 2009 eingestellt wurde, zählt der Pontiac GTO zu seinen Traumschiffen. Der GTO wurde von 1964 bis 1974 gebaut und gehört zu den Muscle-Car-Ikonen.

Der letzte Pontiac, ein weißer G6, der aussah wie die chinesische Kopie eines koreanischen Mittelklasse-Autos, lief am 25. November 2009 in Orion/Michigan vom Band. Mit dem Auflösen des US-Händlernetzes erfolgte ein Jahr später das offizielle Ende von Pontiac. Damit starb nach 82 Jahren eine Marke, die zuletzt mit dem Slogan "We build excitement - Wir bauen Begeisterung" vor allem junge, leistungsorientierte Kunden ansprach. Entsprechend schlicht und leicht zu merken geriet der Name des wohl legendärsten Pontiac-Modells: GTO, sprich: Dschi, Ti, Au.

Ein bisschen Grandezza zu erkennen

Und da steht er nun vor mir, ein weißer Pontiac GTO von 1966 mit schwarzem Vinyldach und zeittypischen Cragar-Felgen. Das kleinere Holzlenkrad und die im 225/70-Format maßvoll vergrößerte Reifen-Dimension sind nicht ganz serienmäßig, stören aber den dezentsportlichen Auftritt nicht im Geringsten. Man kann an der lang gestreckten Coupé-Karosserie sogar ein gewisses Maß an Leichtigkeit und Grandezza entdecken.

Der Grund: Mit einem Leergewicht von 1.640 Kilogramm bei einer Wagenlänge von 5,2 Meter trägt der Pontiac GTO kein Gramm Fett auf seinen sanft geschwungenen Hüften. Ein voll ausgestatteter moderner Opel Astra Diesel Kombi wiegt kaum weniger, muss aber auf einen 6,4-Liter-V8 mit 365 SAE-PS schmerzlich verzichten. Und auch auf die drei Doppelvergaser der "Tripower"-Option mit ihren drei verchromten Luftfilterchen. Einfach niedlich.

Nein, dieser Pontiac GTO ist keine Proll-Kiste, kein giftgrüner Charger oder blutoranger Challenger, sondern ein Gentleman-Sportler, den man auch mit Handschuhen und ladenneuer Wildleder-Jacke fahren kann. Denn nicht nur sein Name, sondern auch das mit Walnuss-Furnier gestaltete Armaturentbrett, vier Rundinstrumente und eine Reihe verchromter Dreh- und Zugknöpfe erinnern an das entfernte Italien.

Gefühl beim Anfahren: Mehr Boot als Auto

Keine Frage, hier haben sich die Designer und Produktmanager um Chef-Entwickler John DeLorean wirklich Mühe gegeben, um das brave, mittelgroße Le Mans-Coupé in einen Familiensportler zu verwandeln, der den doppelt so teuren Kinderkram von Jaguar, Maserati und Porsche in Grund und Boden fuhr - zumindest von der roten Ampel weg und solange es geradeaus ging. Vom Stand auf 100 km/h vergehen im Pontiac GTO gerade mal sieben Sekunden: Der V8 röhrt und rauscht, die Nase hebt sich, die Reifen im langen Heck quieken gequält - wir legen im Renntempo ab, mehr Boot als Auto.

Dieser Pontiac GTO ist tatsächlich ein Traumwagen. Nicht nur für mich, sondern für jeden, der sich von der Automobil-Leidenschaft der Pontiac-Leute aus den Sechzigern mitreißen lässt, ohne auf Platz und Komfort verzichten zu müssen. Denn das große Coupé ist auch eine verdammt bequeme Kiste. Speziell durch die Dreigang-Automatik und durch den immer souverän agierenden V8-Motor mit bis zu 575 Newtonmeter (SAE) Drehmoment kann man sich voll auf seine netten Mitfahrer oder die Straße konzentrieren.

Extrem leichtgängige Pontiac GT-Lenkung

Nur die extrem leichtgängige und gefühllose Lenkung erfordert zu Beginn der ersten GTO-Touren eine gewisse Konzentration. Das soft abgestimmte Fahrwerk des Pontiac GTO lässt gut beherrschbare Schräglagen zu, und die Bremsen zeigen sich der V8-Power mehr als gewachsen: Bei niederen Geschwindigkeiten erlebe ich sogar den stahlharten Bremsruck wie von einer plötzlich gespannten Ankerkette.

Dass das Coupé noch aus der guten, alten Chrom- und Metall-Ära stammt, macht diesen Pontiac GTO umso attraktiver. Front und Heck tragen wuchtige Chrom-Stoßstangen. Verchromte Masken lassen die weit außen und hochkant positionierten Doppelschweinwerfer noch markanter erscheinen. Sie betonen die enorme Breite des Pontiac. Dazu einige Meter an Chrom-Zierleisten, während die für 1966 typischen, jeweils neunfach gegliederten Rücklichtschlitze bereits den chromfreien Minimal-Look einführten.

Ab 1968 komplett neue Karosserie

So erhielt der Pontiac GTO ab 1968 eine komplett neue Karosserie mit in Wagenfarbe lackierter Kunststoffnase. Innen fing das schwarze Sicherheitsarmaturenbrett zu wuchern an, dem eines der vier Rundinstrumente geopfert wurde.

Mit Blick auf diesen herrlichen, weißen Pontiac GTO mit seinen 365 SAE-PS bedaure ich es sehr, dass es diese (phasenweise) charismatische Marke nicht mehr gibt. Wenigstens hinterließen die Pontiac-Fahrer von einst genügend rollendes Material. So entstanden 1966 vom GTO, den es nur als Coupé oder Cabrio gab, 96.946 Einheiten. Zum Vergleich: Die Sechszylinder-Basisversion Tempest Le Mans mit 165 SAE-PS kam als Coupé und Cabrio ungefähr auf die gleich Stückzahl.

Die Botschaft von Pontiac war klar: Power to the people!

Technische Daten
Pontiac GTO Hardtop Coupé
Höchstgeschwindigkeit 190 km/h
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