Porsche 911 Targa

Streitgespräch Pro und Contra Targa

Porsche 911 Carrera Targa, Baujahr 1987 Foto: Achim Hartmann 6 Bilder

"Ein Targa ist das bessere Cabrio", meint  Porsche 911 Targa-Fahrer Christian Bangemann im Schlagabtausch gegen Porsche 911 Coupé-Fahrer und Motor Klassik Redakteur Hans-Jörg Götzl: "Echte Sportwagen haben kein Loch im Dach."

Ein Plädoyer von Christian Bangemann für den Porsche 911 Targa

Zugegeben, es war Liebe auf den zweiten Blick. Eigentlich wollte ich ein Vollcabrio. Offensichtlich habe ich mich dann doch für einen Targa entschieden - Baujahr 1984, aus erster Hand. Beim Besichtigungstermin im schwäbischen Hinterland sprach einfach zu viel für dieses Auto, und öffnen ließ es sich ja auch, irgendwie. Wobei ich die Fummelei mit dem herausnehmbaren Dach beim ersten Versuch erschreckend unpraktisch fand, beim zweiten und dritten übrigens immer noch. Zudem saut man sich beim Abnehmen ganz leicht Hände und Kleidung ein, wenn das mit künstlicher Elefantenhaut bespannte Dach nicht picobello sauber ist. Für Freunde heller Jacken gilt deshalb: Ärmelschoner kaufen.

Der 911-Experte, den ich bei der Begutachtung dabei hatte, gab mir noch vor Ort den Tipp, dass sich so ein Bügel-Auto mit wenig Aufwand in ein echtes Cabrio verwandeln ließe. Er hätte sogar ein gutes Verdeck mit Gestänge an der Hand und würde mich beim Umbau unterstützen. Danke noch einmal für dieses Angebot. Heute, fünf Jahre später, ist der Bügel immer noch dran, und ich trage beim Targa fahren gern gedeckte, dunkle Farben.

Dass sich ein Cabrio viel schneller enthaupten lässt, stört mich nicht, im Gegenteil. Mit dem Basteln habe ich mich längst arrangiert, es steigert sogar die Vorfreude auf die offene Fahrt - so, wie das Zelebrieren des Kohle-Anheizens an den bald folgenden Grillgenuss denken lässt. Wobei ich nicht unbedingt sagen würde, Cabrio-Fahrer seien die fixen Gasgriller, Targa-Fahrer hingegen die Freunde des vollmundigen, rauchigen Geschmacks, und die deshalb über Holzkohle garen.

Offenes Fahren im Targa ist auch bei einstelligen Temperaturen ein Genuss

Unter ästhetischen Gesichtspunkten fällt der ein wenig grob in Form geklopfte Targa gegenüber dem Coupé oder dem Cabrio etwas ab. Doch wen juckt es, wenn man an Bord ist und das Dach abgebaut im Kofferraum liegt? Der im Nacken stehende, dicke Bügel, der die Verwindungssteifigkeit erhöht und bei einem Überschlag verhindert, dass der Straßenbelag die Frisur ruiniert, ist sofort nach dem Schließen der Tür vergessen. Aber wer denkt an das Äußerste, wenn er zu einer Genussfahrt aufbricht?

Denken wir doch lieber an die Cabrio-Saison, die kürzer ist als jene des Targa. Denn Heckscheibe und Bügel beruhigen bei ihm den Luftstrom im Auto, sie bilden ein quasi natürliches Windschott, ohne den stets improvisiert wirkenden Auftritt der Cabrio-Luftbremse. So ist offenes Fahren im Targa auch bei einstelligen Temperaturen ein Genuss. Und, ganz ehrlich, was soll es, bei kühlem Wetter im Cabrio mit hochgeklapptem Windschott herumzurollen und dazu die Seitenscheiben an den oberen Anschlag zu fahren? Dann tut es doch auch ein Auto mit Schiebedach.

Kenner greifen dagegen gleich zum Fahrzeug mit herausnehmbarem Dachteil, zumal wenn sie gelegentlich zu dritt oder viert unterwegs sein wollen. Mein Junior sitzt beim Offenfahren begeistert in Reihe zwei, kann den Himmel sehen, ohne von einer fiesen Kaltluftwalze malträtiert zu werden - so führe ich ihn ans alte Blech heran. Er wird sich später - genau wie ich - gelegentlich am Scheren-Mechanismus des Daches die Finger klemmen und den Targa trotzdem lieben, vielleicht sogar schon auf den ersten Blick.

Ein Plädoyer gegen den Porsche 911 Targa

Vergangenes Wochenende habe ich meinen Wagen aus dem Winterschlaf geholt: Batterie rein, drei Mal pumpen, schon brabbelte der Boxermotor erwartungsvoll los. Nach ausgiebiger Probefahrt stand der 1972er 911 anschließend vor dem Haus in der Frühjahrssonne, ich sah ihn von oben verliebt an und dachte einmal mehr, dass der gute Ferdinand Alexander Porsche zu Beginn der Sechziger einen verdammt guten Job gemacht hat. Diese Coupé-Linie ist einfach perfekt, was sich im Übrigen auch daran zeigt, dass kleine Kinder und sportlich angehauchte Gebrauchtwagenhändler beim Thema Sportwagen immer die Silhouette eines Neunelfers malen.

So. Womit wir beim Thema sind: Der Targa-Bügel und das Dach ruinieren auf unverantwortliche Weise die Form eines der gelungensten und zeitlosesten Karosserie-Entwürfe überhaupt. Plump und grobschlächtig ragt da dieser gewaltige Bügel aus der filigranen Karosserie, und ich weiß gar nicht, was ich schlimmer finden soll - die frühen Softwindow-Versionen, bei denen der Bügel zum Henkel wird, oder die späteren mit fest montierter Heckscheibe wie bei meinem ansonsten sehr geschätzten Kollegen Christian. Dass man den Bügel während der Fahrt nicht sieht, sondern lediglich die Schäfchenwolken direkt über sich oder wahlweise den gestirnten Himmel, ist beileibe kein Trost. Schließlich will ich irgendwann anhalten, ein Getränk zu mir nehmen und dabei voller Glück auf dieses wunderbare Auto schauen. Doch dann steht da dem glücklichen Blick der Bügel im Weg.

Targa-Faher schätzen die eigentliche Faszination 911er  gar nicht

Dazu nährt der Verweis auf die Unsichtbarkeit des Targa-Bügels beim Fahren und die dafür eingehandelten schönen Schäfchenwolken in mir einen schlimmen Verdacht: Hier hat womöglich der eine oder andere Targa-Fahrer den Wagen nicht wirklich verstanden. Entgegen manchen Missbrauchs auf dem Boulevard ist der 911 schließlich immer noch und zu allererst ein Sportwagen, ohne Wenn und Aber. Und Sportwagen haben kein Loch im Dach. Weshalb ich übrigens auch Schiebedächer doof finde. Das nur am Rande.

Im Ernstfall jedenfalls - auf der Nordschleife beispielsweise - zeigt sich die Coupé-Karosserie doch deutlich verwindungssteifer als die Targa-Variante. Und darauf kommt es bei einem Sportwagen eben auch an - neben einem agilen Antrieb, guten Bremsen und zielgenauem Fahrwerk. Irgendwie werde ich den Gedanken nicht los, dass die Targa-Fahrer die eigentliche Faszination eines 911 gar nicht zu schätzen wissen - diesen herrlichen Sechszylinder- Boxermotor mit allen seinen Lebensäußerungen vom Leerlaufbrabbeln über melodisches Singen bis hin zum bösen Brüllen bei 7.000, diese zielgenaue Lenkung und dieses Urvertrauen, dass das Auto genau das macht, was man will. Was sich auch im Sprachgebrauch andeutet: Während normale 911-Fahrer ihren Wagen wahlweise als Elfer oder Neunelfer bezeichnen, sprechen Targa-Fahrer vom, na ja, Targa halt. Dabei ist auch ein Targa zuvorderst ein 911 - und wäre somit zumindest als Zweitporsche interessant.

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