Porsche

Mehr VW-Kontrolle

Foto: ams

Der Sportwagenbauer Porsche will seinen Einfluss beim Autobauer Volkswagen mit einem dritten Aufsichtsratssitz ausbauen. Bei der Neubesetzung des VW-Aufsichtsrats im kommenden Jahr müsse Porsche als Großaktionär "mindestens drei" statt bisher zwei Sitze in dem Gremium besetzen, forderte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking am Mittwoch (6.12.) in Stuttgart. 

Ob er dabei selbst für den Vorsitz des Gremiums zur Verfügung stehen würde, ließ er offen. "Darüber zu philosophieren ist interessant, aber am Ende wird der gesamte VW-Aufsichtsrat entscheiden."

Derzeit gehören als Porsche-Vertreter Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter dem VW-Kontrollorgan an. Ob der Aufsichtsratsvorsitzende und Porsche-Großaktionär Ferdinand Piëch als Porsche-Vertreter gelten müsse, "ist eine Interpretationsfrage", sagte Wiedeking weiter.

Meldungen, Porsche habe sich im Frühjahr mit dem Land Niedersachsen als zweitgrößtem VW-Anteilseigner vereinbart, den derzeitigen VW-Aufsichtsratschef bei der turnusgemäßen Neubesetzung im kommenden Jahr nicht erneut an die Spitze des Gremiums zu wählen, wollte der Porsche-Chef nicht kommentieren. "Wenn wir 29,9 Prozent der Anteile halten, ändert das die Situation", fügte er hinzu. Porsche ist mit 27,4 Prozent der Stimmrechte größter VW-Aktionär und hat im November angekündigt, den Anteil auf 29,9 Prozent weiter aufzustocken. Zum Zeitplan der Aufstockung wollte sich Wiedeking aber nicht äußern.

Eine engere Zusammenarbeit mit dem Land Niedersachsen, das 20,8 Prozent der VW-Stimmrechte hält, schloss Wiedeking aus. Sollten die beiden Großaktionäre ihr Verhalten abstimmen, so bestehe die Gefahr, dass sie zusammengerechnet würden und dann gemeinsam ein Angebot zur VW-Komplettangebot unterbreiten müssten. Wiedeking: "In diese Falle werden wir nicht tappen." Die Zusammenarbeit bei VW werde sich daher auf die Arbeit der Vertreter beider Anteilseigner im Aufsichtsrat beschränken.

Keine VW-Übernahme geplant

Zurückgewiesen hat Wiedeking erneut Spekulationen, Porsche plane eine vollständige Übernahme des Wolfsburger Konzerns. Dies sei nicht Teil der Porsche-Planung. Auch eine Zerschlagung des VW-Konzerns und eine Übernahme der VW-Tochter Audi durch Porsche, über die ebenfalls spekuliert worden war, schloss er aus. Audi sei fest in die Synergien des VW-Konzerns integriert. "Diese Synergien aufzugeben, macht überhaupt keinen Sinn."

Heftige Kritik übt Wiedeking erneut am VW-Gesetz, dass den Einfluss aller Aktionäre auf 20 Prozent der Stimmrechte begrenzt und dem Land Niedersachsen eine Vertretung im Aufsichtsrat garantiert. "Es kann nicht sein, dass ein Aktionär wie das Land Niedersachsen ohne Wahl Plätze im Aufsichtsrat besetzen kann. Auch diese Damen und Herren müssen sich dem Votum der Aktionäre stellen." Er hoffe daher, dass das Gesetz demnächst vom Europäischen Gerichtshof aufgehoben wird.

Das Luxemburger Gericht wird am kommenden Dienstag erstmals mündlich über die Vereinbarkeit des VW-Gesetzes mit EU-Recht verhandelt. Sollten die EU-Richter das Gesetz nicht aufheben, so "gibt es auch andere Wege", deutete Wiedeking an. Einzelheiten wollte er nicht nennen. Konkrete Pläne, als Großaktionär auf anderem Wege gegen das Gesetz vorzugeben, gebe es aber nicht. "Wir haben Zeit."

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