Porsche und Volkswagen

Fusion für dieses Jahr gerät in Gefahr

Die Fusion von Porsche und Volkswagen gerät in Gefahr. Durch die länger als geplant andauernden Ermittlungsverfahren gegen zwei ehemalige Porsche-Vorstände sei die Wahrscheinlichkeit, die Fusion wie bisher vorgesehen im laufenden Jahr auf den Weg zu bringen, von 70 auf 50 Prozent gesunken, teilte Porsche am späten Mittwochabend (23.2.) in Stuttgart mit.

Das Projekt könnte aber auch ganz scheitern: "Kommt es zu wesentlichen Verzögerungen des Verschmelzungsprozesses gegenüber dem Zeitplan der Grundlagenvereinbarung, sinkt nach Einschätzung des Vorstands der Porsche SE auch die Wahrscheinlichkeit eines Gelingens der Verschmelzung insgesamt", hieß es in der Erklärung weiter.

Fusion könnte sich verzögern

Der frühere Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking und sein Finanzchef Holger Härter waren wegen ihrer Finanzspekulationen ins Zwielicht geraten. Sie hatten versucht, Volkswagen zu übernehmen.
 
Der Vorstand der Porsche SE selbst geht derzeit allerdings trotz der juristischen Probleme weiter davon aus, dass eine Verschmelzung - gegebenenfalls auch noch nach 2011 - gelingen kann. Mit dem Abschluss der Ermittlungsverfahren gegen die früheren Porsche-Vorstände sei frühestens zu Beginn des Jahres 2012 zu rechnen. Der Ausgang der Verfahren habe Bedeutung für die zum Zwecke der Verschmelzung der Porsche SE auf die Volkswagen AG vorzunehmende Bewertung möglicher Schadensersatzansprüche wegen angeblicher Marktmanipulation. "Die in der Grundlagenvereinbarung vorgesehenen rechtlichen und steuerlichen Prüfungen der Verschmelzung der Porsche SE auf die Volkswagen AG werden sich dadurch voraussichtlich verzögern."
 
Damit verringere sich aus Sicht des Porsche Vorstands auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Verschmelzung noch im Zeitplan der Grundlagenvereinbarung gelingen wird - die erforderlichen Hauptversammlungsbeschlüsse zur Verschmelzung also noch in 2011 gefasst werden -, von bisher 70 Prozent auf 50 Prozent.

Weiter Untreue-Verdacht gegen Wiedeking und Härter

Zuvor hatten die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, dass schwere Vorwürfe gegen Ex-Porschechef Wiedeking fallen gelassen worden seien.
Gleichzeitig werde aber wegen des "Anfangsverdachts" der Untreue ein neues Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet. Das Verfahren soll sich den Berichten zufolge auch gegen Härter richten. Das Führungsduo soll bei den riskanten Aktiengeschäften in Milliardenhöhe Vermögen des Sportwagen-Konzerns auf unlautere Weise gefährdet haben.
 
Die Übernahmeschlacht zwischen Porsche und Volkswagen läuft seit September 2007. Lange Zeit sah der deutlich kleinere Sportwagenbauer Porsche wie der sichere Sieger aus. Wiedeking und Härter gelang es über waghalsige Finanzkonstruktionen, Porsche 2008 den Zugriff auf gut 74 Prozent der VW-Stammaktien zu sichern. Sie lösten damit Kurskapriolen bei den VW-Aktien aus. Doch in der Wirtschaftskrise platzte die Finanzierung und damit auch die Träume Wiedekings. Er und sein Finanzvorstand mussten den Platz räumen und Volkswagen war am Drücker. Die Wolfsburger sicherten sich 49,9 Prozent an der Porsche AG.
 
Zudem einigte sich Volkswagen mit der Porsche SE auf die Schaffung eines integrierten Autombilkonzerns unter der Führung der Wolfsburger. VW-Chef Martin Winterkorn will Porsche als zehnte Marke in den Konzern integrieren. An diesen Plänen dürfte sich ungeachtet der aktuellen juristischen Probleme nichts ändern, da die Wolfsburger im Falle einer gescheiterten Verschmelzung der Porsche SE auf die Volkswagen AG die restlichen Anteile an der Porsche AG immer noch direkt erwerben könnte. Fraglich ist dann, was aus der Holding Porsche SE, die vor allem den Familien Porsche und Piech gehört, wird.

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