Technik-Konferenz RISE (2018)

Auch China will autonom fahren

Daimler auf der RISE in Hongkong 2018 Daimler auf der RISE in Hongkong 2018 Daimler auf der RISE in Hongkong 2018 Daimler auf der RISE in Hongkong 2018 7 Bilder

Auf der RISE-Konferenz trafen sich Experten von Didi, Amazon, Microsoft und auch Daimler-Boss Dieter Zetsche, um über Mobilität der Zukunft und künstliche Intelligenz zu diskutieren.

Die etablierten Autohersteller müssen sich blicken lassen. Nicht mehr so selbstverständlich auf konventionellen Messe-Formaten wie der IAA in Frankfurt, der Auto Show in Detroit oder auf dem Genfer Automobilsalon. Nein, sie müssen sich nach neuen Formaten umschauen, um auf dem sich stark ändernden Feld der Mobilität weiter ein gefragter Player zu sein. Daimler-Boss Dieter Zetsche sah man so in den letzten Jahren nicht nur auf der Digitalmesse CES in Las Vegas oder dem Vernetzungs-Festival South-by-South-West in Austin. Dieses Jahr besuchte er auch zum ersten Mal die RISE-Konferenz in Hongkong, um vor einem überwiegend jungen Publikum zu signalisieren, dass die Marke mit ihrer langen Tradition bei der Reise in die Zukunft dabei ist: „Wir sind das erste Unternehmen, das eine Lizenz für Tests mit autonom fahrenden Fahrzeugen in Peking erhalten hat. Das ist nicht die einfachste Herausforderung, aber eine gute Chance, über die wir glücklich sind, denn China ist für uns der größte Markt. Wenn wir uns entscheiden, autonom fahren zu wollen, müssen wir vorher sicherstellen, dass es in China funktioniert.“

Gibt es noch Zweifel an der Zukunft von Robotaxis oder Fahrvermittlungsdiensten, wie wir sie in Europa bislang fast nur in Form von Uber kennen? In China nicht – diesen Eindruck gewinnt man zumindest, wenn man sich zwei Tage auf der RISE umschaut. Nehmen wir Grab, in Europa nahezu unbekannt, in Südostasien aber zuletzt durch eine Investitionsspritze von Toyota in die Schlagzeilen geraten: Rund eine Milliarde US-Dollar investiert der japanische Hersteller in diesen Tagen, um dem Uber-Konkurrent auf die Beine zu helfen. Das ist die höchste Summe, die ein Autohersteller je in einen Mitfahrdienst gesteckt hat. Wobei – Uber-Konkurrent ist falsch: Grab hat alle Aktivitäten des US-Anbieter in Südostasien übernommen. Und es geht längst nicht nur um den reinen Fahrdienst für Personen. Grab will sein Angebot auch auf Essens- und Lebensmittellieferungen ausbauen und Bezahldienste anbieten.

Autonomes Fahren soll Stau um 20 Prozent reduzieren

Daimler auf der RISE in Hongkong 2018 Foto: MediaPortal Daimler AG
Dieter Zetsche erörtert auf der RISE, wie künstliche Intelligenz und lernende Maschinen bei Kundenwünschen helfen.

Da wo Grab noch hinwill, ist Didi längst: Schließlich ist das chinesische Firmenkonsortium weltweit bereits der größte Anbieter von Fahrdienstleistungen und erreicht mit seinen Service-Dienstleistungen – nach Angaben von Didi-Vertreter Bob Zhang – bereits 80 Prozent der Weltbevölkerung, obwohl das Unternehmen erst 2012 gegründet wurde. „Unsere Mission ist es, weltweit die Führerschaft auf dem Transportgebiet zu übernehmen“, führte Zheng vor den vielen Besuchern aus. Das autonome Fahren sieht er als absolute Chance – um den Stau in den Städten um bis zu 20 Prozent zu reduzieren. Ethische Diskussionen, wie sie bei uns stattfinden, haben hier keinen Raum. Man glaubt an die neue Technologie.

Doch das künstliche Intelligenz durchaus Fluch und Segen in einem sein kann, verdeutlichte Microsoft-Chef Brad Smith eindringlich: „Wir können es uns nicht leisten, auf diese Welt nicht mit kritischen Augen zu schauen. Die ultimative Frage ist nicht, was Computer können, sondern was sie können sollen“, so der Boss des Internet-Giganten. „Wir brauchen eine global geführte Diskussion darüber und müssen uns die Frage stellen, ob wir uns nicht wie in der Medizin einem hypokratischen Eid verschreiben sollten.“

Keine Angst vor dem Robo-Zahnarzt

Recht hat er. Dass die Robotik trotzdem noch in den Kinderschuhen steckt, bewies eher eindrucksvoll Hanson Robotics auf der Bühne. Deren künstlicher Roboter Sophia, geformt wie eine Traumfrau mit hohen Wangenknochen und schmaler Nase wollte nicht so recht. Über ein Krächzen kam sie auf der Bühne lange Zeit nicht heraus. Beeindruckender war da schon die Botschaft der South China Morning Post: Dort wurde von einem Zahnarzt-Roboter berichtet, der vor kurzem ein 3D-Zahnimplantat in einen menschlichen Kiefer erfolgreich eingesetzt hat – ohne Zutun. Hier wurde der neuen Technik also im wahrsten Sinne des Wortes auf den Zahn gefühlt.

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