Rolls-Royce Ghost, Gebrauchtwagen-Check
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Rolls-Royce Ghost, Gebrauchtwagen-Check 13 Bilder

Reportage: Rolls-Royce Gebrauchtwagen

Luxus aus zweiter Hand

Irgendwann landet auch ein Rolls-Royce im Diesseits des Gebrauchtwagen-Geschäfts. Was dann mit den Luxus-Wagen passiert? auto motor und sport schaut sich zusammen mit Oldtimer-Gutachterin und Automobil-Ingenieurin Laura Kukuk den Bewertungsprozess an.

Glamour? Kein bisschen. Eine Werkstatt wie viele andere auch, autorisierter Service-Betrieb für BMW, Mini. Und eben: Rolls-Royce. Gelegen in einem Gewerbegebiet eines kleinen Städtchens einige Kilometer südlich von München. Im überschaubar großen Ausstellungsraum parken drei ziemlich unüberschaubar große britische Luxuswagen, einer davon: Ein Gebrauchtwagen. Ein Phantom Coupé, also so etwa das exklusivste des Exklusiven, als Neuwagen mit Sonderausstattung gerne mal eine halbe Million Euro teuer. Oder mehr. „Davon sind in Deutschland vielleicht 15 Stück zugelassen“, sagt Robert Müller, dessen bayerischer Zungenschlag heftigst mit seinem Titel Ownership Service Manager kontrastiert.

Nun, er arbeitet eben bei Rolls-Royce München. „Momentan ist das Coupé noch im Besitz unseres Kunden. Sobald sich ein Interessent findet, kaufen wir es an und bewerten es“, erklärt Müller, verschwindet kurz in den hinteren Büroräumen. Auf einem der Schreibtische steht ein Teller, darauf eine unbenutzte Papier-Serviette, die das Cockpit eines BMW 7er, Baureihe E32 zeigt. Man ist offenbar schon länger im Geschäft. Dieser 7er wurde von 1986 bis 1994 gebaut.

Gefühlt ein Neuwagen

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Wolfgang Groeger-Meier
Daniel Karlsson, Master Technican bei Rolls-Royce München, kennt die Modelle des britischen Luxus-Herstellers in- und auswendig. Eine normale Begutachtung dauert für ihn daher nur rund drei Stunden.

Provenance nennt sich das Gebrauchtwagen-Programm von Rolls-Royce, „Herkunft“ also, und gilt vorrangig für alle unter BMW-Regie gebauten Fahrzeuge, also ab 2003. Die Herkunft muss absolut nachvollziehbar sein, denn der Gebrauchtwagen-Käufer soll sich so fühlen, als erwerbe er einen neuen Rolls. „Da gelten dann die entsprechenden Garantie-Umfänge. Und falls gewünscht, berücksichtigen wir auch neue Sonderausstattungen“, ergänzt Müller. Sein Kollege Daniel Karlsson, Master Technican bei Rolls-Royce München, kümmert sich heute allerdings nicht um den Phantom, sondern um einen Ghost Black Badge, die sportliche Ausprägung der „kleine“ Limousine sozusagen. „Wie lange dauert denn der gesamte Prozess?“ möchte Laura Kukuk wissen. Die Automobil-Ingenieurin setzt sich im elterlichen Betrieb häufig mit Oldtimern aller Marken, aber auch modernen Exoten auseinander, bewertet Klassiker bei Concours-Veranstaltungen und forscht freiberuflich nach der Historie besonderer Automobile – jüngst bei einem BMW 503 Cabrio, das möglicherweise mal ein Coupé war.

Daniels Antwort jedenfalls verblüfft sie: „Rund drei Stunden.“ Das die Bewertung nicht mehr Zeit in Anspruch nimmt, läge daran, dass sich Daniel ausschließlich mit Rolls-Modellen auseinandersetzt. „Ich kenne die Fahrzeuge in- und auswendig, weiß genau, wie ich vorgehen muss.“ „Tja, und ich fange praktisch jedes Mal von vorne an, weil es immer andere Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller sind. Und eine im Computer hinterlegte Service-Historie gibt’s auch eher selten“, berichtet Laura. Ihre Arbeit nehme schon mal Tage in Anspruch. Bei einem Concours dagegen muss es schnell gehen: „Da bleiben höchsten 15 Minuten für die Bewertung.“

Hektische Vorbesitzer

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Wolfgang Groeger-Meier
Wichtig ist, das Fahrzeug immer aus allen möglichen Blickwinkeln bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen zu prüfen. Und da es heute sehr gute Karosseriebauer und Lackierer gibt, ist eine Lackstärkenmessung unumgänglich.

Daniel will die Limousine auf die Hebebühne fahren, nachdem die erste Lackprüfung bei Tageslicht stattfand. „Schon beim Öffnen der Tür kann ich spüren, ob der Vorbesitzer ein Hektiker war oder nicht“, sagt er. Wie das? So ganz genau kann Daniel das nicht beschreiben. „Es fühlt sich an wie ein leichtes Klicken. Das deutet auf einen stark beanspruchten Schließzapfen hin, der Vorbesitzer hat die Tür also immer zugeschlagen und nicht die elektrische Zuziehhilfe benutzt.“ Aha. Weitere Merkmale des Hektikers: Eine abgewetzte Fahrersitzwange. Und Macken in der B-Säule. „Die kommen davon, dass der Regenschirm nicht ganz in das Fach in der Tür geschoben wurde. Der Griff steht also ein bisschen vor, Tür zu, Macke drin.“ Ob das bei Skoda wohl genau so ist? Schließlich stecken auch im Superb Regenschirme. Wer weiß.

Ob denn der Schirm auch auf Dichtigkeit geprüft wird? „Die sind dicht, glaub mir“, antwortet Daniel. Und das ich nicht wissen wolle, was so ein Schirm kostet. Die Bühne fährt auf halbe Höhe, der zweite Check der aufwändigen Lackierung steht an. „Wichtig ist, immer aus allen möglichen Blickwinkeln bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen zu prüfen“, referiert Laura. „Auf jeden Fall. Und da es heute sehr gute Karosseriebauer und Lackierer gibt, ist eine Lackstärkenmessung unumgänglich“, ergänzt Daniel. „Ja, und dann gibt es immer wieder Kunden, die behaupten, dass eine zu geringe Lackdichte genau so gehöre“, weiß Kukuk. Bei einem Rolls-Royce müssen zwischen 140 und 150 Mikrometer drauf sein. Und wenn tatsächlich einen Rolls-Royce einmal das Schicksal ereilte, mit einem anderen Fahrzeug oder Gegenstand kollidieren zu müssen, dann sollte der Schaden in einer Vertragswerkstatt repariert worden sein. Ansonsten gibt’s keinen Provenance-Status.

Lieber reparieren als tauschen

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Wolfgang Groeger-Meier
Daniel entdeckt auch noch so kleine Mängel im Innenraum. Kleinste Beschädigungen des Leders an der Rückseite des Lenkrads beispielsweise. Wäre ein Tausch notwendig, kann das bis zu 5.000 Euro kosten.

Was bringt der überhaupt? „Gegenüber Fahrzeugen, die von freien Händlern angeboten werden, dem Käufer ein Maximum an Sicherheit und eben das Gefühl, einen Neuwagen zu erwerben“, erklärt Robert Müller. Und nebenbei rund 15.000 Euro mehr Umsatz, denn soviel kosten Provenance-Fahrzeuge gegenüber anderen mehr. Daniel hat den Ghost inzwischen auf der Bühne ganz nach oben gefahren, die Unterbodenverkleidungen demontiert. Keine Beschädigungen. Sieht alles gut aus, nirgends rieselt etwas heraus, das nicht herausrieseln sollte. Sand, Schotter, Kies etwa. Oder Essensreste. Wie bitte? „Ja, wir sollten mal für einen bekannten Kunden einen Wagen zurücknehmen. Er berichtet, dass er Marder in seiner Garage hatte.

Tatsächlich fanden wir allerlei Essensreste in den entlegensten Winkeln der Karosserie“, erzählt der Meister-Mechaniker. Seltsamerweise löste aber nach Geschäftsschluss immer mal wieder die Alarmanlage der Werkstatt aus. Bald war klar: Die Tiere bewohnen den Rolls noch immer. „Den letzten von vieren habe ich mit einem Endoskop und einer Greifzange aus dem Auto geholt“, sagt Daniel. Eine Woche habe es gedauert, alle Tiere lebend zu bergen. Angeknabbert haben sie übrigens nichts. Nur eben in der Karosserie gewohnt. Inzwischen arbeitet sich Daniel durch den Innenraum, Laura beeindruckt die Perfektion: „Mit welcher Routine er kleineste Details entdeckt, ist irre.“ Kleinste Beschädigungen des Leders an der Rückseite des Lenkrads beispielsweise. Wäre ein Tausch notwendig, kann das bis zu 5.000 Euro kosten. „Generell gilt: Lieber reparieren als tauschen, speziell im Karosseriebereich. Komponenten tauschen ist immer nur die allerletzte Option, da so der originale Charakter verloren geht“, sagt Robert Müller.

Bei einer Felge kann aber schon mal eine kleine Macke drin bleiben, das ließe sich in einem Autoleben nun mal nicht vermeiden. Bei den speziellen, mit Carbon veredelten Felgen der Black-Badge-Modelle gibt es eine Neue übrigens nur im Tausch gegen die Alte, um Nachrüstungen zu vermeiden. Kostet dann auch mal eben gut 4.000 Euro. Die alte Felge wird dann geschreddert. Als Daniel und Laura von der Probefahrt zurückkommen, weiß der Mechaniker, dass der Ghost ein Provenance-Siegel bekommen kann. Und Laura, die eigentlich auf kleine, leichte Sportwagen wie ihre Lotus Elise 111S Mk. 1 steht, welch wunderbar isoliertes, besonderes Fahrgefühl ein Rolls-Royce bietet. Übrigens: Der Ghost gehört einem Kunden, der seinen Leasing-Vertrag lieber auf ein Coupé wandeln möchte. Während der Phantom noch als Auto auf Lebenszeit gedacht war, kam die Marke mit der Einsteiger-Baureihe also auch in der ganz und gar unglamourösen Welt des Firmen-Leasings an.

Verkehr Politik & Wirtschaft Jozef Kaban, Chefdesigner BMW, Designchef BMW Ehemaliger BMW-Designchef Jozef Kaban verlässt Rolls-Royce

Der Slowake hört auf: Das Kommen und Gehen in BMWs Designabteilung hält an.

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