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Ronald Reagans Präsidenten-Limousine

Attentat, Rettung und präsidiale Autokorsos

Am 6. Februar 2018 wäre der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan 107 Jahre alt geworden. Wir haben uns seine Präsidenten-Limousine in der Ronald-Reagan-Bibliothek angesehen.

06.02.2018 Gregor Hebermehl Kommentare

Seine erste Präsidenten-Limousine wurde Ronald Reagan beinahe zum Verhängnis: Am 30. März 1981 schoss der Attentäter John Hinckley, Jr. vor dem Hilton Hotel in Washington sechsmal auf Reagan, um die Aufmerksamkeit der von ihm vergötterten Schauspielerin Jodie Foster zu erregen.

Dabei verletzte Hinckley durch direkte Treffer den Pressesprecher des Weißen Hauses, James Brady, der Hirnschäden und Lähmungen davontrug, den Polizisten Thomas K. Delahanty sowie den Secret-Service-Beamten Timothy McCarthy. Der fünfte Schuss prallte an der kugelsicheren Scheibe der Präsidenten-Limousine ab und drang, zunächst unbemerkt, durch die Lunge des neben der Limousine stehenden Präsidenten.

Sein Caddy rettete Reagan das Leben

Einer seiner Sicherheitsleute schubste den Präsidenten sofort in die geschützte Limousine, wobei Reagan ein paar Rippen brachen, und ließ den Wagen zurück Richtung Weißes Haus rasen. Kurz danach bemerkte Secret-Service-Agent Jerry Parr, dass Reagan blutete – und ließ die schwer gepanzerte Limousine sofort zum George Washington University Hospital umleiten. Mit großer Wahrscheinlichkeit rettete diese Aktion dem Präsidenten das Leben – auch wenn die Ärzte im Hospital zunächst von einem Herzinfarkt ausgingen und die kleine schwach blutende Wunde übersahen. In dieser lebensbedrohlichen Situation bewies Reagan Humor: „Bitte sagen Sie mir, dass Sie alle Republikaner sind.“ meinte er kurz vor der Vollnarkose zu dem Chirurgenteam, das ihn gleich operieren würde.

Ronald Reagan wurde schnell wieder gesund und Attentäter John Hinckley kam in eine geschlossene psychiatrische Anstalt – aus der er am 10. September 2016 unter strengen Auflagen entlassen wurde.

1984er Cadillac, Präsidenten-Limousine von Ronald Reagan Foto: Gregor Hebermehl
6,64 Meter lang: Die Cadillac-Präsidentenlimousine, die Ronald Reagan ab 1984 nutzte.

1984er Cadillac als State-of-the-Art-Panzerlimousine

1984 bekam Ronald Reagan eine neue gepanzerte Limousine, hergestellt von Cadillac. Diese Limousine steht heute in der Ronald Reagan Presidential Library, die ein paar Meilen nordwestlich von L.A. im Simi Valley liegt. Die sogenannte „presidental parade limousine“ steht dort zusammen mit einem vorausfahrenden Polizeifahrzeug des LAPD (Los Angeles Police Department), Polizeimotorrädern und einem Folgefahrzeug unter der rechten Tragfläche der Air Force One – einer umgebauten Boeing 707, die von 1973 bis 2001 die US-Präsidenten Richard Nixon, Jimmy Carter, Gerald Ford, Ronald Reagan, George H.W. Bush, Bill Clinton und George W. Bush flog. Während Gäste das Präsidentenflugzeug auch von innen besichtigen können, darf man die Fahrzeugflotte nicht berühren.

Im Flugzeug steht eine elektrische Schreibmaschine des Typs IBM Selectric II. Auf dieser Maschine schrieb Reagan seine Rede mit dem berühmten Satz: „Mr. Gorbachev, tear down this wall!“ („Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!“). Die Rede hielt der US-Präsident am 12. Juni 1987 direkt an der Berliner Mauer auf der Westseite des Brandenburger Tores. Damals galt ein Fallen der innerdeutschen Grenze auf beiden Seiten der Mauer als sehr unwahrscheinlich – aber etwas mehr als zwei Jahre später, am 9. November 1989, öffnet die damalige DDR ihre Grenzen und die Teilung Deutschlands neigte sich ihrem Ende zu.

Dem Stabschef des Weißen Hauses Howard Baker war Reagans Aufruf an den damligen Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) Michail Gorbatschow zu extrem und nicht präsidial genug. Aber Reagan ließ sich nicht abbringen: Der Geschichte gewordene Satz blieb Teil seiner Rede.

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Die 1984er-Präsidentenlimousine ist stark gepanzert, hat ein um 76 Millimeter erhöhtes Dach, eine Telefonanlage, Heckstoßstangen-Plattformen und Haltegriffe für Sicherheitsagenten sowie zwei spezielle Frontscheinwerfer, die ausschließlich zum Beleuchten der an den vorderen Kotflügel-Standartenhaltern wehenden Flaggen gedacht waren. Den Antrieb übernimmt ein 8,2-Liter-Motor, für die Krafteinteilung ist eine Dreigang-Automatik des Typs Turbo-HydroMatic 400 zuständig. Der Wagen ist 6,64 Meter lang, zwei Meter breit, hat einen Radstand von 4,1 Metern und eine Bodenfreiheit von 190 Millimetern. Ronald Reagan nutzte diese Limousine erstmals bei der Feier zu seinem 73. Geburtstag in seiner Heimatstadt Dixon (Illinois).

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Geschützt durch einen Autokorso

Der Präsidentenlimousine voraus fuhren normale Polizeifahrzeuge. Ab 1982 nutzte das LAPD für diesen Zweck zu Streifenwagen umgebaute Chevrolet Impalas. Bereits seit 1976 setzte das LAPD Escort-Motorräder von Kawasaki für den Schutz des Präsidenten ein. Hinter dem Präsidenten fuhr ein massiger 1986er Chevrolet Suburban als so genanntes Follow-up Car oder Chase Car. In diesem Fahrzeug saßen Sicherheitskräfte, zudem waren dort Kommunikationsanlagen untergebracht. Alle genannten Fahrzeuge sind in der Ronald-Reagan-Bibliothek zu besichtigen.

1986er Chevrolet Suburban, Follow-up Car Presidental Motorcade Foto: Gregor Hebermehl
Follow-up oder Chase Car: Dieser Chevrolet Suburban von 1986 folgte im Autokorso der Limousine des US-Präsidenten. In dem großen SUV saßen Sicherheitsleute, zudem war dort zusätzliche Kommunikationstechnik untergebracht.

Die Geschichte von motorisierten Fahrzeugen, die dem Schutz des US-Präsidenten dienen, geht auf das Jahr 1907 zurück. Damals folgten Agenten des United States Secret Service in einem Auto der von Pferden gezogenen Kutsche des Präsidenten Theodore Roosevelt. Der von 1909 bis 1913 amtierende US-Präsident William Taft war der erste, der selber in einem Auto gefahren wurde. Echte Präsidenten-Autokorsos bildete der Secret Service ab dem Jahr 1945, seit den 1960ern fliegt die Limousine weltweit zu den Terminen des Präsidenten mit. 1971 baute der Secret Service dann ein spezielles Trainingsgelände für Übungen zum Schutz des US-Präsidenten in seiner Limousine.

1982er Chevrolet Impala, LAPD Foto: Gregor Hebermehl
Der Präsidenten-Limousine fuhren seit 1982 normale Streifenwagen des Typs Chevrolet Impala voraus, bereits seit 1976 setzte das LAPD Motorräder von Kawasaki als zusätzliche Schutz-Escorte für den US-Präsidenten ein.

Ronald Reagan bei konservativen Amerikanern bis heute beliebt

Ronald Reagan gilt vielen Republikanern als der beste Präsident, den die USA bisher hatte. Am 6. Februar 1911 in Tampico im US-Bundesstaat Illinois geboren, war Reagan erst Sportkommentator beim Rundfunk und Schauspieler, bevor er sich der großen Politik zuwandte. Von 1966 bis 1974 war Reagan Gouverneur Kaliforniens, dann von 1981 bis 1989 der 40. Präsident der Vereinigten Staaten – im Vorwahlkampf setzte er sich gegen den ehemaligen CIA-Direktor und späteren US-Präsidenten George H. W. Bush klar durch.

Mit 69 Jahren war Reagan seinerzeit der älteste Präsident bei Amtsantritt – und konnte besonders viele Stimmen von jüngeren Wählern auf sich vereinigen. Inzwischen hat der aktuelle US-Präsident Donald Trump, der im Januar 2017 zu seinem Amtsantritt 70 Jahre alt war, Reagan diesen Altersrekord abgenommen.

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Sehr interessanter Artikel.

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