Rußfilter

Nachrüstung nicht in Sicht

Diesel-Käufer aller Marken dürfen sich bald über den Rußfilter freuen. Eine Nachrüstung älterer Modelle scheitert aber an den Kosten.

Käufer zukünftiger Dieselmodelle dürfen sich dank Rußfilter über einen Partikelausstoß nahe der Messbarkeitsgrenze freuen. Doch es könnte auch Verlierer des technischen Fortschritts geben: jene Kunden, die sich – auch auf die Argumentation der Hersteller vertrauend – noch in jüngster Zeit für einen Diesel ohne Filter entschieden haben. „Beim Katalysator Mitte der achtziger Jahre ist die Entwicklung ganz schnell umgeschlagen“, erinnert sich Carsten Bräuer von der Sachverständigenorganisation Dekra in Stuttgart. „Es lief schleppend an, aber bald wurde er serienmäßig. Heute sind Autos ohne Katalysator unverkäuflich.“

Nachrüstung käme zu teuer

Gegenüber den Anfängen der Abgasreinigung bei Benzinern gibt es freilich einen gravierenden Unterschied: Während man den Katalysator zumindest in ungeregelten Varianten nachrüsten konnte, um den Wertverlust des Autos in Grenzen zu halten, sind solche Lösungen beim Partikelfilter nicht in Sicht. Die Branche ist sich einig, dass ein nachträglicher Einbau an technischen und wirtschaftlichen Zwängen scheitert: „Ohne zusätzliches Motormanagement geht nichts“, sagt Joachim Schommers, Leiter der Dieselentwicklung bei Daimler-Chrysler in Stuttgart. „Benötigt würde ein ganz neues Motorsteuergerät, und dieser Aufwand wäre viel zu hoch.“

Das Problem liegt in der Regeneration des Filters. Damit er nicht verstopft, müssen die Rückstände regelmäßig abgebrannt werden. Dafür ist eine bestimmte Mindesttemperatur der Abgase nötig, die aber bei Teillast, etwa im Stadtverkehr, nicht erreicht wird. „Dafür bräuchte man eine Mehrfacheinspritzung“, sagt Richard Bauder, Dieselchef bei Audi in Ingolstadt. Bei modernen Diesel-Direkteinspritzern wären entsprechende Modifikationen zwar theoretisch möglich. Die dafür anfallenden Kosten hält aber auch Zulieferer Bosch aus Gerlingen bei Stuttgart für unverhältnismäßig. „Wir denken derzeit nicht an eine Nachrüstlösung“, so Sprecher Richard Backhaus.

Greenpeace hält dagegen

Das sieht Greenpeace in Hamburg ganz anders: Die Umweltschützer sorgten im vergangenen Jahr für Aufsehen, als sie in Zusammenarbeit mit dem TÜV in Essen ein Nachrüstsystem für einen Mercedes C 220 CDI präsentierten. Inzwischen ist das Fahrzeug nach Angaben von Greenpeace-Mitarbeiter Günter Hubmann 60.000 Kilometer gelaufen – ohne Probleme und unter konstanter Einhaltung der günstigen Emissionswerte. „Wir lassen die Abgase alle 5.000 Kilometer vom TÜV testen“, so Hubmann.

Hubmann räumt zwar ein, dass die Verbrennungstemperatur ein Knackpunkt des Systems sei. Bei einigermaßen gemischtem Fahrbetrieb gebe es aber viel weniger Probleme als von den Herstellern behauptet. „Auf längeren Strecken kann sich der Filter immer wieder frei brennen.“ Die Kosten für den Einbau, der neben dem Filter auch einen Tank und eine Einspritzanlage für das Additiv umfasste, beziffert Hubmann auf rund 1.000 Euro – Kosten, die sich bei Serienfertigung deutlich senken ließen. Dass noch kein Zulieferer entsprechende Systeme zum Nachrüsten auf dem Markt gebracht hat, führt er auf den Druck der Automobilindustrie zurück.

Dagegen beharrt man bei Mercedes darauf, die Greenpeace-Lösung nachgebaut und als untauglich verworfen zu haben. Von Umweltschützern lassen sich Automobilhersteller eben nur ungern ins Handwerk pfuschen. Ob sie auf den Druck ihrer Stammkunden genauso reagieren, dürfte die Zukunft zeigen.

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