Saab

Wechselbad der Gewühle

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Saab wird unter Führung von GM Europa anders ausgerichtet. Die neue Strategie: Abkehr von den Kompaktwagen-Plänen, stattdessen Stärkung des Premium-Segments und eine neue SUV-Strategie.

Das Schicksal des schwedischen GM-Ablegers Saab entscheidet sich bis März. Es ist aber davon auszugehen, dass General Motors trotz jahrelangem Mismanagement und der chronisch hohen Verluste weiter an der skandinavischen Vorzeige-Marke festhalten wird.

Voraussetzung ist allerdings, dass die im GM-Verbund verfügbaren Plattformen und Antriebsaggregate von Saab voll und ganz genutzt werden und nicht – wie bislang – viel Geld in Zusatzausgaben wie eine Saab-spezifische Motorelektronik fließt, die der Kunde gar nicht wahrnimmt.

Bis zu 240.000 Einheiten kann Saab in Trollhättan jährlich produzieren. Jetzt liegt mangels Auslastung weit mehr als ein Drittel der Kapazität brach. Allen ist klar: Mit nur zwei Baureihen (9-3 und 9-5), die viel zu nah beeinander liegen, und den beiden unglückseligen Kooperations-Vehikeln 9-2x (mit Subaru) und 9-7x (mit Chevrolet) für den US-Markt besitzt Saab keine Chance.

Für den Turnaround-Plan hat Saab Ende 2004 insgesamt fünf neue Modelle in groß angelegten geheimen Kundenbefragungen (Car Clinics) getestet. Entgegen urprünglicher Absichten, das Saab-Portfolio mit einem Kompaktmodell – ein zweitüriger 9-1 auf Basis Opel Astra GTC war bereits designt und wäre binnen 18 Monaten zu realisieren – nach unten zu erweitern, hat jetzt wieder eine Erneuerung der höherwertigen Modelle Priorität.

9-6 als 9-5-Ersatz und ein SUV auf Chevy-/Daewoo-Basis

Besonders dringlich ist ein Ersatz für das bereits seit fast acht Jahren gebaute Topmodell 9-5. Der intern als 9-6 bezeichnete Nachfolger soll auf die globale große Heckantriebsplattform (Zeta) von GM gestellt werden und eine Crossover-Karosserie erhalten. Die Entwicklungsführerschaft für diese technische Basis, die optional auch Allradantrieb erlaubt und den Einsatz von V8-Motoren zulässt, liegt bei der australischen GM-Tochter Holden.

Als Schwestermodelle geplant sind der nächste Holden Commodore, der Buick Vélite, ein großer Chevrolet für China von GM DAT (Daewoo) und der Opel Insignia – so er denn beschlossen wird. Das Insignia-Schicksal ist in einem gemeinsamen Business-Plan mit dem des Saab 9-6 verknüpft.

Obwohl Achtzylindermotoren möglich und für das US-Geschäft wichtig wären, neigt Saab beim 9-6 aus Kostengründen und der Marken-Identität wegen zur neuen Generation turbogeladener V6-Triebwerke, die ja beim anstehenden Facelift des 9-5 aus Platzgründen nicht zum Einsatz kommen kann.

Zweite Säule des Saab-Programms bleibt eine neu aufzulegende 9-3-Reihe, bestehend aus Limousine, Sport-Kombi und erstmals einem Coupé-Cabriolet mit versenkbarem Hardtop. Technische Basis ist die Epsilon-2-Plattform, auf die sich auch die nächste Vectra-Generation von Opel und der kleine Cadillac stützen, der ja bereits auf dem Genfer Salon Anfang März debütiert.

Als drittes Standbein favorisiert Saab an Stelle eines Kompaktwagens einen SUV. Auserkoren dafür war eigentlich eine Adaption des brandneuen Subaru B9 Tribeca (Legacy-Basis) mit sieben Sitzen in drei Reihen, Allradantrieb sowie einem Sechszylinder-Boxermotor. Da dieser Saab SUV, von dem bereits eine Studie existiert, aber zu dicht am kurz vor der US-Markteinführung stehenden Saab 9-7x – einem umgebadgten Chevrolet Trailblazer – positioniert wäre, gibt es jetzt einen alternativen SUV-Plan. Er orientiert sich am kleineren, aber ebenfalls siebensitzigen Chevrolet S3X (Debüt 2006) auf Theta-Plattform, der in Korea bei Daewoo vom Band läuft und den es in einer kürzeren fünfsitzigen Variante im selben Jahr als Opel Frontera-Nachfolger geben wird.

Der Hintergrund des Strategiewechsels: Ein Saab-Derivat auf Chevy-Basis hätte Chancen auf viel höhere Stückzahlen, weil dieser Offroader unterhalb des Topmodells 9-6 und auch des 9-7x positioniert wäre. Zudem würde sich das Problem fehlender Dieselmotoren lösen.

Denn für einen Saab SUV auf Subaru-Legacy-Basis gibt es zurzeit noch ebenso wenig einen Turbodiesel wie für den vom Trailblazer abgeleiteten 9-7x. VM Motori in Italien entwickelt aber für Chevrolet/Daewoo eine völlig neue Vierzylinder-Turbodiesel-Generation, die ab 2006 zur Verfügung steht und dann auch von Saab in Anspruch genommen werden könnte.

Ein Saab auf Daewoo-Basis? Schlimmer als einer auf Subaru-Plattform kann das auch nicht sein. Schließlich ist sich nicht einmal Cadillac zu schade, die Theta-Basis für einen Kompakt-SUV als BMW X3-Konkurrenten zu nutzen.

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