Scania-Chef Östling hat andere Pläne

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Das bevorstehende Übernahmeangebot des deutschen Nutzfahrzeug-Konkurrenten MAN hat dem Scania-Konzernchef Leif Östling ein wenig die Sprache verschlagen.

Der als kompromissloser Gegner der Übernahme geltende Schwede beschied eine Reporterfrage von "Dagens Industri" kurz und knapp mit dem in Skandinavien üblichen Du: "Guck mal, jetzt wird es hier still". Vorher hatte der oft knurrig wirkende Östling aber doch noch gepoltert: "Im Augenblick trau ich keiner Sau über den Weg."

Klarer konnte der 60-jährige Mann an der Scania-Spitze wohl kaum ausdrücken, wie sehr ihn die angekündigte Kaufofferte seines Landsmannes Håkan Samuelsson (55) aus der Münchner MAN-Zentrale zwischen den Fronten eingeklemmt hat. Östling wolle viel lieber den etwa gleich großen deutschen Konkurrenten übernehmen und agiere hinter den Kulissen weiter verbissen dafür, berichtet die Stockholmer Wirtschaftspresse.

Östlings Vorlieben dürften aber nur eine unbedeutende Rolle spielen, wenn Volkswagen und die schwedische Finanzgesellschaft Investor als Haupteigner andere Ziele im Blick haben. Nach 17 erfolgreichen Jahren an der Scania-Spitze ist Östling damit zum ersten Mal und gleichzeitig wohl auch zum letzten Mal an die Grenzen seiner Macht gestoßen.

1999 hatte ihn noch die EU-Kommission gerettet, als sie die schon beschlossene und von Östling ebenfalls heftig befehdete Fusion mit dem größeren schwedischen Konkurrenten Volvo untersagte. Auf MAN ist Östling seit dem folgenden Jahr nicht mehr gut zu sprechen, als die Münchner Lkw-Bauer seinen Produktionschef Samuelsson nach mehr als 20 Jahren bei Scania wegschnappten. In Södertälje hatte der neue MAN-Chef einst als Lehrling angefangen. Drei weitere Scania-Topmanager wechselten Anfang dieses Jahres nach Deutschland.

Wohl auch als Reaktion darauf kündigte Östling im April die Zusammenarbeit mit MAN bei Achsen auf. Offiziell ließ er verbreiten, die Kostenvorteile reichten nicht aus. Als Samuelsson vor zwei Jahren zum ersten Mal öffentlich die Möglichkeit einer Übernahme von Scania erwog, reagierte Östling ebenfalls öffentlich mit heller Empörung.

Nach Beginn des derzeitigen zweiten Anlauf spekulierten Stockholmer Börsianer, dass möglicherweise Östling selbst das "Leck" war, das mit vorzeitigen Informationen eine Menge Sand ins Getriebe der vertraulichen Kontakte zwischen MAN, VW, Investor und Scania gestreut hat. Der alte Fuchs habe den Preis so weit nach oben treiben wollen, dass es für MAN zu teuer würde. Gibt es nun aber trotz alledem eine Einigung, soll Östling der Abschied mit 200 Millionen Kronen (22 Millionen Euro) versüßt werden.

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