Schrempp

Außer Kontrolle

Foto: dpa

Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp könnte nach seinem Ausscheiden aus dem Konzern die umstrittenen Aktienoptionen in Millionenhöhe ohne Wissen der Öffentlichkeit einlösen.

Schrempp, der zum Jahresende in den Ruhestand geht, sagte, dass er als einfacher Aktionär und Ruheständler künftig niemandem mitteilen müsse, ob und in welchen Umfang er die Optionen zu Geld mache.

"Wenn ich aus dem Unternehmen ausgeschieden bin, muss ich meine Geschäfte mit Daimler-Chrysler-Aktien nicht mehr veröffentlichen." Der Manager könnte nach unbestätigten Schätzungen mit den Optionen je nach Kursverlauf der Daimler-Chrysler-Aktie einen hohen zweistelligen Millionenbetrag kassieren. Schrempp sagte, die meisten Optionen seien bei den derzeitigen Kursen aber nicht einlösbar: "Sollte sich das ändern und die Aktionäre damit einen deutlichen Wertzuwachs haben, kann ich mir kaum vorstellen, dass es da eine größere Diskussion gibt."

In seiner aktiven Zeit als Vorstand hätte Schrempp derartige Transaktionen nach dem Wertpapierhandelsgesetz ("Director's Dealing") öffentlich ausweisen müssen. Der Autokonzern hatte den umstrittenen Aktienoptionsplan für Führungskräfte nach heftiger Kritik von Aktionärsschützern zu Beginn diesen Jahres eingestellt. Berechnungen des Hamburger Wirtschaftsrechtlers Michael Adams zufolge verfügt Schrempp aber noch über rund 2,6 Millionen Aktienoptionen aus den Jahren 2000 bis 2004, die er jeweils zehn Jahre lang ausüben kann.

Mehrere Daimler-Chrysler-Topmanager hatten nach der überraschenden Rücktrittsankündigung von Schrempp Ende Juli den starken Kursanstieg der Daimler-Chrysler-Aktie genutzt und einen Teil ihrer Optionen eingelöst. Allein der frühere Mercedes-Chef Eckard Cordes hatte rund eine Million Euro verdient.

Cordes hatte neben dem Kursgewinn von 479.150 Euro vom Konzern noch einen Barausgleich von rund 530.000 Euro bekommen. Kritiker bemängeln vor allem die Komponente des Barausgleichs sowie die zehnjährige Gültigkeit der Optionen.

Schrempp: Keine Angst um Daimler-Chrysler

Schrempp betonte darüber hinaus, dass er eine Übernahme des Konzerns durch Finanzinvestoren nicht befürchtet. Der Verkauf eines Aktienpaktes von 3,5 Prozent durch den Großaktionär Deutsche Bank am Tag der Bekanntgabe seines Rücktritts habe an dieser Einschätzung nichts geändert. Wie die Bank ihre Industriebeteiligungen abbaue, sei "hochakzeptabel".

Zudem stimme die Deutsche Bank ihr Verhalten in der Regel mit Daimler-Chrysler ab, sagte Schrempp. Hilmar Kopper, der Vorsitzender des Daimler-Chrysler-Aufsichtsrates ist, war früher Chef der größten deutschen Bank und hatte das Rücktrittsszenario gemeinsam mit Schrempp abgestimmt. Das Kreditinstitut hält jetzt noch 6,9 Prozent an Deutschlands größtem Unternehmen.

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